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06.10.2022

Vom Audit bis zum digitalen Energiekonzept: 20 Jahre Umweltmanagement bei Caritas

Foto: Peter Esser/Caritas

Digitales Energiekonzept bei der Caritas: Der Haustechniker der Eichstätter Caritas-Zentrale, Michael Gsandner, hat die Daten des Energieverbrauchs in einer App im Handy eingetippt. Die Informationen sind dadurch automatisch im Programm Interwatt erfasst und können von Hauswirtschafts- und Umweltreferentin Bettina Mühlbauer bearbeitet werden. Foto: Peter Esser/Caritas

Eichstätt – „Es ging mir darum, nicht nur einzelne ökologische Maßnahmen umzusetzen, sondern systematisch Umweltmanagement zu lernen und dann durchzuführen“. Mit dieser Motivation trat Bettina Mühlbauer vor genau 20 Jahren im Oktober 2002 die erste Stelle einer Hauswirtschafts- und Umweltreferentin beim Caritasverband für die Diözese Eichstätt an. Es war der Start für ein umfassendes Umweltmanagement in dem katholischen Sozialverband. 

In den 20 Jahren wirkte Bettina Mühlbauer wesentlich daran mit, dass in mehreren einjährigen berufsbegleitenden Kursen Umweltauditorinnen und -auditoren in rund 30 katholisch-sozialen Einrichtungen innerhalb und außerhalb des Bistums Eichstätt ausgebildet worden sind. Umweltauditoren sind Multiplikatoren: Sie geben ihr erlerntes Wissen an die Mitarbeitenden vor Ort weiter, leisten Bewusstseinsbildung, erfassen Verbräuche, werten diese aus und erarbeiten ein Umweltprogramm, das intern und extern kommuniziert wird. Die Hauswirtschafts- und Umweltreferentin führt alle zwei Jahre ein internes Audit in den Caritas-Seniorenheimen durch. Dadurch wird kontinuierlich das Umweltmanagement evaluiert und weiterentwickelt.

Mehrere Caritas-Seniorenheime ließen sich auch extern prüfen und zertifizieren: Das Seniorenheim in Spalt tat dies nach EMAS, einem Instrument der Europäischen Union, das Unternehmen und Organisationen dabei unterstützt, ihre Umweltleistung kontinuierlich zu verbessern. Die Caritas-Seniorenheime in Neumarkt, Greding, Nürnberg-Langwasser, Heilsbronn und Stein erhielten eine Zertifizierung nach dem „grünen Gockel“, einem an EMAS angelehnten Umweltmanagementsystem für kirchliche Gemeinden und Einrichtungen. Die mit der Einführung des Systems verbundenen Maßnahmen führten Bettina Mühlbauer zufolge in einigen Seniorenheimen zu einer CO2-Einsparung von rund 50 Prozent. Dieser Erfolg wurde bei der jährlichen Kennzahlenerhebung festgestellt. „Maßnahmen waren zum Beispiel die Umstellung auf Ökostrom und LED-Leuchtmittel, aber auch ein umweltbewussteres Handeln der Caritas-Mitarbeitenden“, so die Hauswirtschafts- und Umweltreferentin.

Bald 23 Photovoltaikanlagen errichtet

Seit dem Jahr 2006 wurden auf den Gebäuden des Caritasverbandes 22 Photovoltaikanlagen in deren Einrichtungen im Bistum Eichstätt errichtet – die 23. Anlage wird derzeit auf dem Dach des Caritas-Seniorenheimes Gaimersheim installiert. Gewinne aus den Vergütungen für das Einspeisen ins öffentliche Stromnetz investiert der Caritasverband nach eigenen Angaben wiederum in Umweltprojekte. „Die größten Einzelprojekte waren bisher drei errichtete Blockheizkraftwerke (BHKW) in den Caritas-Seniorenheimen Greding, Schwabach und Spalt. In Greding wird der jährliche Strombedarf zu 80 Prozent durch das BHKW gedeckt“, informiert Andrea Forster, Mitarbeiterin im Caritas Finanz- und Rechnungswesen. Für acht Caritaseinrichtungen seien bisher Energieeffizienzkonzepte erarbeitet worden. „Alle 37 Einrichtungen des Caritasverbandes beziehen inzwischen zu hundert Prozent ökologischen Strom.“

Die jüngste Maßnahme in der 20-jährigen Geschichte des Caritas-Umweltmanagements ist die Umsetzung eines digitalen Energiekonzeptes. Liegenschaften mehrerer Einrichtungen wurden als digitales Abbild in eine Energiemanagementsoftware überführt. Das Institut für Energietechnik (IfE) an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden arbeitete aus den erfassten Daten konkrete Maßnahmen zur Energieeinsparung, Effizienzsteigerung sowie zum Ausbau erneuerbarer Energien aus. Inzwischen nehmen alle 20 Caritas-Seniorenheime im Bistum Eichstätt, das Caritas-Zentrum St. Vinzenz und die Caritas-Wohnheime und Werkstätten in Ingolstadt, das Caritas-Kinderdorf Marienstein sowie die Caritas-Zentrale in Eichstätt an dem Projekt „digitales Energiekonzept“ teil.

Um noch stärker als bisher Energie einsparen zu können, erhalten die Verantwortlichen in den Einrichtungen nun detaillierte Kenntnis des lokalen Verbrauchs über längere Zeiträume, etwa zu der Frage: Wie viel Strom braucht eine Einrichtung zu welcher Uhrzeit an welchem Tag? Genau an dieser Stelle setzt das digitale Energiemonitoring an: Mit den in der Software integrierten Werkzeugen können umfangreiche Auswertungen, Berichte, Kennzahlen und Grenzüberschreitungen erstellt und fortlaufend überwacht werden.

Eintippen auf der App statt handschriftliche Erfassung

Für den Umgang mit der Software wurden die Haustechniker in den Caritas-Einrichtungen im Sommer dieses Jahres geschult. Bis vor kurzem hatten sie noch den Energieverbrauch handschriftlich erfasst. Nun tippen sie monatlich auf dem Handy in einer App die Zählerstände für Wasser, Wärme und Strom ein. Diese Daten werden automatisch in das Programm „Interwatt“ eingepflegt. Auf dessen Daten können die Benutzer zugreifen, um sie für ihre Einrichtung zu nutzen. Das IfE, das ebenso Zugriff auf dieses Programm hat, wertet diese aus, um dem Caritasverband Vorschläge zur Energieeffizienzsteigerung zu unterbreiten: zum Beispiel für eine nachhaltige Wärmedämmung, eine weitere Photovoltaikanlage oder ein neues BHKW.

„Durch die digitale, monatliche Erfassung der Zählerstände ist es nun auch für die Verwaltung möglich, die Abrechnungen der Energielieferanten auf Plausibilität zu überprüfen“, nennt Andrea Forster einen weiteren Vorteil. „Für uns geht es jetzt erst einmal darum, mit dem digitalen Energiekonzept Erfahrungen zu sammeln“, so Hauswirtschafts- und Umweltreferentin Bettina Mühlbauer.

Quelle: Caritas

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