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09.10.2022

„Das Seufzen der Schöpfung hören“: Bischof Hanke am diözesanen Schöpfungstag

Gottesdienst zum Schöpfungstag. Foto: Johannes Heim

Bischof Gregor Maria Hanke mit Dekanin Ingrid Gottwald-Weber, Pfarrer Dawitt Kefyalew (Mitte) und dem Chor der äthiopisch-orthodoxen Gemeinde Nürnberg beim diözesanen Schöpfungstag in der Eichstätter Schutzengelkirche. Foto: Johannes Heim/pde

Ausstellung "Klimaflucht". Foto: Johannes Heim/pde

Ausstellungseröffnung zum Thema Klimaflucht mit Referent, Jesuitenpater und Klimaaktivist Jörg Alt (Mitte). Daneben von links: Matthäus Kamuf, Flüchtlingsreferent des Bistums Eichstätt, Nachhaltigkeitsreferentin Lisa Amon, Bischof Gregor Maria Hanke und Janka Böhm, Flüchtlingsreferentin der Malteser in Eichstätt. Foto: Johannes Heim/pde

Eichstätt. (pde) – Auf das „Seufzen der Schöpfung und der Menschen in Not zu hören“ und den eigenen Ressourcenverbrauch zu hinterfragen, um die Schöpfung zu bewahren: Dazu hat der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke am diözesanen Schöpfungstag aufgerufen. Themen waren in diesem Jahr Klimawandel, Flucht und Migration.

Die westlichen Länder hätten auch durch die Christianisierung Afrikas und Ozeaniens im 19. und 20. Jahrhundert Wohlstand und Ressourcen für den eigenen Lebensstandard erschlossen. „Ein Wohlstand, der auf Ressourcen und Umweltverbrauch beruht, für den Menschen in Afrika und in anderen Teilen der Welt mit ihrer Existenz und ihrem Lebensraum bezahlen müssen“, sagte Hanke beim ökumenischen Gottesdienst in der Eichstätter Schutzengelkirche. Trockenheit, Dürren und ein steigender Meeresspiegel, Armut und das zerbrechen kultureller Bindekräfte würden die Menschen dort mehr und mehr heimatlos machen, „zu Migranten, die zu Hause keine Zukunft mehr sehen“, verdeutlichte er. Angesichts dieser Geschichte der westlichen Industriekultur und des entstandenen Ungleichgewichts in Menschheit und Schöpfung stelle sich die Frage, was es heute bedeute, für die Frohe Botschaft des Evangeliums Christi Zeugin und Zeuge zu sein. „Hören wir auf Gottes Klopfzeichen und auf das Seufzen der Menschen in Not und der Schöpfung, um die richtigen Schritte zu setzen“, appellierte der Bischof.

Dem Wortgottesdienst zur Eröffnung des Schöpfungstages standen neben Bischof Hanke die evangelisch-lutherischen Dekanin Ingrid Gottwald-Weber aus Weißenburg und Pfarrer Dawitt Kefyalew von der äthiopisch-orthodoxen Gemeinde Nürnberg vor. In ihrer Predigt betonte Gottwald-Weber, dass der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Migration längst kein neues Phänomen mehr sei. „Klimabedingte Migration ist eines der Zukunftsthemen schlechthin, denn über kurz oder lang wird sie uns alle direkt oder indirekt betreffen.“ Ausbleibende Ernten, Stürme, ein ansteigender Meeresspiegel und die Veränderung von Ökosystemen würden Lebensraum zerstören. Schätzungen zufolge könnten es bis zum Jahr 2050 über 143 Millionen Menschen sein, die wegen Veränderungen des Klimas ihr Land verlassen müssten. „Es ist also unsere Aufgabe in den reichen Industrienationen, endlich zu lernen, nachhaltig zu wirtschaften und weniger Ressourcen zu verbrauchen“, erklärte die Dekanin. Es sei an der Zeit nicht nur zu reden, sondern auch zu handeln. Nur dann könnten sich die Worte Jesu in der Bibel erfüllen: „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Die Lesung las Maryana Mykytyuk. Sie stammt aus der Ukraine und musste wegen des Krieges aus ihrer Heimat fliehen. Derzeit lebt sie in Ochsenfeld im Bistum Eichstätt. Die Kollekte des Gottesdienstes kommt der Flüchtlingshilfe der Malteser zugute. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von einem Chor der äthiopisch-orthodoxen Gemeinde in Nürnberg.

Am Ende der Vesper verteilten Bischof Hanke und Dekanin Gottwald-Weber Fußspuren aus Papier mit Impulsen an die Gottesdienstbesucher. „Sie sollen an alle Menschen erinnern, die sich auf der Flucht befinden und hoffentlich einen sicheren Hafen erreichen. Aber auch uns sollen sie erinnern, dass wir auf dem Weg sind, die Schöpfung bewahren und umkehren müssen“, verdeutlichte der Bischof. Ein „Weiter so“ dürfe es nicht geben.

In Anschluss an den Gottesdienst wurde als Höhepunkt die Ausstellung „Klimaflucht“ mit einer Vernissage eröffnet. Die interaktive Wanderausstellung wurde von der Deutschen Klimastiftung gestaltet. Anhand von 14 Audio-Geschichten und lebensgroßen Abbildungen von Menschen aus der ganzen Welt und ihren Schicksalen, die exemplarisch für tausende Klimaflüchtlinge stehen, macht sie auf die Problematik aufmerksam. Das Referat Schöpfung und Klimaschutz hat die Ausstellung in Kooperation mit der Flüchtlingsseelsorge der Diözese, dem Malteser Hilfsdienst und der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt in das Bistum geholt. „Die Ausstellung zeigt viele verschiedene Schicksale von Menschen aus der ganzen Welt, die erzählen, warum sie ihre Lebensgrundlage verloren haben“, erklärt Angela Barkemeyer, Mitarbeiterin beim Integrationsdienst der Malteser. Für Flutkatastrophen, Waldbrände und Dürren sei die westliche globale Welt durch den Klimawandel mit verantwortlich. „Es geht nicht nur um die Flüchtlinge, sondern auch um unsere eigene Zukunft, für die wir im Hier und Jetzt etwas tun müssen“, sagt sie. „Schöpfungstag heißt Schöpfung bewahren. Das fängt bei jedem von uns an. Gerade als Christen sind wir dazu unserem Nächsten gegenüber verpflichtet“, ergänzt Matthäus Kamuf, Flüchtlingsseelsorger im Bistum Eichstätt. Der Nächste sei dabei nicht nur der eigene Nachbar. Klimawandel und Klimaflucht beträfen die ganze Welt. Zu sehen und zu hören ist die Ausstellung noch bis 20. Oktober montags bis freitags jeweils von 8 bis 16 Uhr in den Räumen der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (Gebäude am Marktplatz 7) in Eichstätt.

Im Rahmen der Ausstellungseröffnung hielt Jesuitenpater und Klima-Aktivist Jörg Alt aus Nürnberg einen Vortrag zum Thema „Klimawandel und Klimaflucht – Was kommt da auf uns zu?“ Darin veranschaulichte er, wie dramatisch die klimatische Lage bereits ist. Wenn die Entwicklung so weiter gehe, würden viele Teile der Welt wegen der Klimaerwärmung in wenigen Jahren unbewohnbar. „Wir würden auf eine Welt zusteuern, in der Millionen Menschen hungrig und Milliarden vertrieben werden. Wir stecken mitten drin in der Klimakrise“, erklärte Alt. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Treibhausgas-Emissionen rapide sinken. Und wir als die reichen Länder, die das angerichtet haben, sind da in der Verantwortung.“ Zugleich wolle er mit seinem Vortrag auch Hoffnung machen: „Wir sind jetzt noch in der Lage, eine bessere Welt für alle zu schaffen, aber wir müssen wirklich damit anfangen, weil uns die Zeit davon rennt.“

Seit dem Jahr 2011 lädt das Bistum Eichstätt am diözesanen Schöpfungstag dazu ein, die Schönheit der Schöpfung zu feiern, sich der eigenen Verantwortung für den Erhalt der Lebensgrundlagen bewusst zu werden und Inspirationen für eine nachhaltige Lebensweise zu sammeln. Weitere Informationen unter www.bistum-eichstaett.de/umwelt.

 

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