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07.07.2019

Willibaldsfest in Eichstätt: Bischof Hanke ruft zur gelebten Jüngerschaft auf

Pilger auf dem Weg zum Eichstätter Dom. pde-Foto: Geraldo Hoffmann

Sternwallfahrt der Pfarreien und Pastoralräume: Pilgergruppe auf dem Weg von Rebdorf zum Eichstätter Dom. pde-Foto: Geraldo Hoffmann

Bischof Hanke und Ex-Ministerin Müller beim Friedengruß. pde-Foto: Geraldo Hoffmann

Bischof Hanke und Ex-Ministerin Müller bei Friedensgruß während des Gottesdienstes zum Willibaldsfest im Eichstätter Dom (links: Landtagsabgeordnete Tanja Schorer-Dremel). pde-Foto: Geraldo Hoffmann

Eichstätt. (pde) – „Ein Aufbruch der Kirche muss die Vertiefung unserer Jüngerschaft bedeuten. Ohne gelebte Jüngerschaft fehlt es der Kirche an der Zeugniskraft“: Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke hat die Gläubigen in seinem Bistum aufgerufen, den Weg des Glaubens weiterzugehen. „Wer für Christus brennt, kann andere entflammen“, sagte Hanke in seiner Predigt am Sonntag, 7. Juli, am Hochfest des heiligen Willibald im Eichstätter Dom. Der junge Willibald habe die Jüngerschaft als seine grundlegende Berufung erkannt, noch ehe er daran gedacht habe Mönch und Priester zu werden. „Christus erfahren, ihm ähnlich werden war sein Verlangen. Er wollte aus dem Wort der Schrift leben und sein Leben dem Weg Christi angleichen.“ Der Missionar aus Südengland war der erste Bischof von Eichstätt.

Hanke, der 81. Nachfolger Willibalds, ging auch auf aktuelle Entwicklungen in der katholischen Kirche ein. Das Ausdünnen der Pfarrgemeinden rühre nicht allein von Kirchenaustritten und Demographie her, sondern auch vom Fernbleiben der Getauften und Gefirmten. Deshalb beschäftige viele Gläubigen die Frage: „Wie kann unsere Kirche wieder attraktiver werden?“ Die vorgeschlagenen Maßnahmenkataloge umfassten ein breites Spektrum an Handlungsoptionen. Die einen forderten, die Kirche müsse sich mit ihren Diensten und Angeboten noch mehr den Menschen in ihren Lebenslagen zuwenden. Der Ruf nach einer dem Menschen nahen Seelsorge hält Hanke für richtig. „Aber die Vielfalt religiöser Angebote auf dem Markt der Möglichkeiten bringt nicht zwangsläufig Christinnen und Christen hervor“, sagte der Bischof.

Andere forderten, dass sich die Kirche der demokratischen Gesellschaft anpassen müsse. Die Kirche dürfe nicht so sakral aufgestellt bleiben. Die Bedeutung des Weiheamtes müsse reduziert und die Macht in der Kirche anders verteilt werden. Bezogen auf diese Forderungen stellte Hanke die Frage in den Raum: „Könnte nicht auch das Verlangen nach Veränderung und Wandel der kirchlichen Strukturen vom stillen Wunsch unterfangen sein, das gesellschaftliche Ansehen der Kirche und damit ihre Macht und die Möglichkeiten ihrer öffentlichen Einflussnahme zu sichern?“ Forderungskataloge, die auf eine Mehrung der äußeren Attraktivität der Kirche zielen, sollten sich nach den Worten des Eichstätter Bischofs „dem Prozess der Unterscheidung der Geister stellen, einer Haltung, die an Person und Botschaft des Herrn Maß nehme.“ Mit seinem öffentlichen Wirken habe Jesus viele Menschen erreichen wollen, aber nicht geleitet unter dem Vorzeichen von Attraktivität und öffentlicher Zustimmung. „Jesus war davon geleitet, seiner Sendung treu zu bleiben, die Menschen mit Gott in Beziehung zu bringen“, betonte Hanke. „Es braucht Jünger und Zeugen Jesu, damit Person und Botschaft Jesu heute einen Resonanzraum finden.“

Ex-Ministerin Müller bei Frauennachmittag

Unter dem ersten Regen nach einer längeren Hitzeperiode waren Pilgergruppen aus den Pfarreien und Pastoralräumen zum Willibaldsfest nach Eichstätt aufgebrochen. In Eichstätt führte der Pilgerzug zwischen Bühnen, Bänken und Essensständen des Altstadtfestes hindurch. Im Dom hätte man fast eine Wäscheleine für den Regenschutz der Pilger aufspannen müssen, wie Bischof Hanke in seiner Begrüßung sagte. Zu den Wallfahrern gehörten auch zahlreiche Mitglieder des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB).

Die bayerische Vorsitzende des KDFB, die ehemalige Sozialministerin Emilia Müller, hielt am Nachmittag der Frauen im Festzelt auf der Seminarwiese einen Vortrag zum Thema „Frauen im Takt der Zeit – gemeinsam stark sein und bewegen.“ Das Engagement von Frauen in Gesellschaft und Kirche sei unverzichtbar. „Fast 45 Prozent der Frauen in Bayern engagieren sich ehrenamtlich“, sagte Müller. Sie sprach auch die Aktion „Maria 2.0“ an. Die Bewegung unterstreiche „den drängenden Wunsch der Frauen, die Kirche zukunftsfähig zu machen – und zwar im Miteinander von Frauen und Männern, Getauften und Gefirmten, Priestern und Laien“.

Die Ex-Ministerin bedankte sich bei Bischof Hanke für die vertrauensvolle Zusammenarbeit bei der Erstaufnahmeeinrichtung im ehemaligen Gebäude der Eichstätter Maria-Ward-Schule. „Von 2014 bis 2017 haben Sie hier im vorbildlichen Miteinander – Bistumsverantwortliche, Stadt und Verwaltung sowie viele Ehrenamtliche – Großartiges geleistet“, lobte Müller. „Sie haben alle zusammen dafür Sorge getragen, dass Menschen, die in Not zu uns kommen, menschenwürdig untergebracht werden. Humanität stand an erster Stelle“.

Die Willibaldswoche unter dem Motto „Deine Sendung – unser Auftrag“ wird am Montag, 8. Juli, mit dem gemeinsamen Tag der pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Diözese Eichstätt fortgesetzt. Zu Gast ist der Fuldaer Bischof Michael Gerber. Er hält am Vormittag einen Vortrag zum Thema „Pastoral am Puls“ in der Aula der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und predigt beim Pontifikalamt mit den Jubilaren der pastoralen Dienste um 16.30 Uhr im Eichstätter Dom. Weitere Informationen unter www.willibaldswoche.de.



Einladung von Bischof Hanke

Bischof Gregor Maria Hanke lädt zur Willibaldswoche 2019 in Eichstätt ein. mehr... | Video

Willibaldswoche

Die Willibaldswoche findet seit 2009 jährlich statt. Anlass der Begegnungs- und Wallfahrtswoche für die Gläubige der Diözese Eichstätt ist der Gedenktag des Bistumsgründers Willibald, dessen Todestag der 7. Juli 787 war.

Gedanken zum Motto

Der Ausdruck „Deine Sendung“ bezieht sich zunächst auf Jesus Christus, der gekommen ist, den Willen des Vaters zu erfüllen und den Menschen die barmherzige Liebe Gottes in Wort und Tat zu künden. Das Wort „Deine Sendung“ kann jedoch auch auf den heiligen Willibald bezogen werden. Er hat seinerzeit zum Papst gesagt: „Wohin du mich sendest, will ich ohne Zögern gehen.“ Willibald hat sich die Sendung Jesu Christi zu eigen gemacht und ist selbst zum authentischen Glaubenszeugen geworden. Das Motto der Willibaldswoche lädt weiter ein, sich der Sendung Jesu Christi, die wir in Taufe und Firmung empfangen haben, zu vergewissern und daraus unser christliches Engagement in den verschiedenen Bereichen von Kirche und Gesellschaft zu vollziehen.

Alfred Rottler, Leiter der Hauptabteilung „Pastoral“ im Bischöflichen Ordinariat Eichstätt und der „Arbeitsgruppe Willibaldswoche“

Kontakt

Bischöfliches Ordinariat Eichstätt
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Tel. (08421) 50-601
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