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Exerzitienreferat

"Adventlich leben" - Impulse zur Adventszeit

Teil 2: Elisabet und Maria - Wenn Gott in die Welt kommt

aus: Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt, Nr. 49, 7. Dezember 2008

Es hätte auch einfach nur ein netter Besuch sein können. Zwei Frauen, die miteinander verwandt sind, treffen sich. Und weil beide schwanger sind, haben sie sich viel zu erzählen. Sie tauschen sich aus über ihre Situation. Sie helfen einander. Sie stehen sich gegenseitig bei. All das mag es bei Elisabet und Maria gegeben haben. Die Bibel berichtet jedoch nur von einem einzigen Gespräch. In der Liturgie der Adventszeit hat es jedes Jahr einen festen Platz. Was sie miteinander gesprochen haben, muss also bis heute wichtig sein. Ich schlage Ihnen vor, in dieser Adventswoche mit Elisabet und Maria unterwegs zu sein. Beide haben Gott erlebt. Deshalb sind sie erfahrene Wegbegleiterinnen.

  • Greifen Sie in einer stillen halben Stunde doch einmal zur Bibel und lesen Sie nach. Der Text steht bei Lk 1,39-56. Was Ihnen beim Lesen auffällt, könnte eine persönliche Botschaft für Sie enthalten. Wo bleibt Ihr Blick hängen? Welches Wort spricht Sie an? Was immer es ist – Sie dürfen darüber mit den beiden Frauen in ein Gespräch kommen. Vielleicht profitieren Sie von ihren Erfahrungen…
  • Als das Kind in ihrem Leib „hüpft“, gehen Elisabet die Augen auf. Sie sieht mehr. Sie erkennt nicht nur, dass Maria schwanger ist. Sie ahnt, dass hier Gott seine Hand im Spiel hat. Er hat an Maria groß gehandelt. Die Regung in ihrem eigenen Körper lässt Elisabet aufmerksam werden. „Regungen“ gibt es nicht nur bei schwangeren Menschen. Sie kommen auch im Alltag oder beim Beten immer wieder vor: Ein Gedanke macht mich glücklich; ein Wort berührt mich; mir läuft es warm oder kalt den Rücken hinunter. Es lohnt sich, auf solche Regungen zu achten. Sie könnten etwas mit Gott zu tun haben. Wenn Sie sie wahrnehmen, könnten sie kurz innehalten. Fragen Sie sich selbst und Gott: Was bedeutet das? Was möchtest du, Gott, mir damit sagen? Der Kalenderspruch, das Wort des Arbeitskollegen, ein Gedanke, der mich nicht mehr loslässt – all das lässt dann unter Umständen ahnen: Gott will ankommen in meinem Leben.
  • Elisabet und Maria staunen und danken. Sie loben Gott und jubeln über ihn. Wer staunt und dankt, der sieht und hört mehr. Wäre es nicht schön, wenn Sie in dieser Woche nicht nur über das trübe Wetter, die nasskalte Witterung oder die vielen Termine seufzen, sondern auf kleine Dinge oder Ereignisse aufmerksam würden, die Sie dankbar staunen lassen? Ein Weg dazu könnte sein, den Tag mit einem Danklied zu beginnen. Wenn Sie am Morgen beim Aufstehen schon ein solches Lied vor sich hin singen oder summen, stimmen Sie sich selbst in die Grundhaltung ein, die auch Elisabet und Maria gelebt haben. „Nun danket alle Gott“ (GL 266) oder „Den Herren will ich loben“ (GL 261) könnten sich zum Beispiel dafür eignen. Mit solch einem Lied im Herzen können Sie dann den Tag über Ausschau halten. Oder Sie blicken am Abend auf Ihren Tag und notieren sich in dieser Woche jeden Abend drei kleine Dinge, die heute gut waren.

Ich kann Ihnen nicht sagen, wo genau Sie Gott erleben können. Aber ich traue es Gott zu, dass er auch heute noch kommt – in Ihre und meine Welt. Dafür Augen und Ohren offen zu halten, kann eine Form sein, adventlich zu leben, meint

Ihr Michael Kleinert, Pfarrer im Exerzitienreferat

Impulse zur Adventszeit



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