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Leitfaden für die Erstellung von Pastoralkonzepten in den Pastoralräumen des Bistums Eichstätt

Vorwort

Mit einem klaren Ziel vor Augen lassen sich auf dem Weg in die Zukunft viele Kräfte mobilisieren. Das trifft insbesondere auf die Pastoral in den Pfarrverbänden und Pfarreien im Bistum Eichstätt zu. Gemeinsam können Sie Verantwortung für die Seelsorge in Ihrem Pastoralraum übernehmen. Das bedeutet, sich grundlegend den Fragen der kirchlichen aber auch der gesellschaftlichen Situationen vor Ort zu stellen und das jeweilige Handeln neu danach auszurichten.

Deswegen richte ich den dringenden Wunsch an Sie, sich auf den Weg zur Erstellung eines für Ihren Raum stimmigen Pastoralkonzeptes zu machen. Unterwegs mit den Menschen vor Ort darf und soll sich die Pastoral weiterentwickeln und zielorientiert erneuern. „Wir müssen also noch näher bei den Menschen sein, um ihnen die Gemeinschaft zu eröffnen, in die Gott alle ruft.“ (Gemeinsam Kirche sein, 55)

Unser Bistum zeichnet sich durch seine Vielfalt in den Dekanaten und deren Pfarrverbänden aus. Auch Ihr Pastoralraum leistet einen wesentlichen und erlebbaren Beitrag dazu, das „Gesicht der Kirche“ in unserem Bistum einladend, freundlich und offenherzig zu gestalten. Wir wissen heute noch nicht, wie die Kirche von morgen aussehen wird. Aber wir sind eingeladen, gemeinsam mit allen und im Hören auf Gott ein hoffnungsvolles Bild von Kirche zu entwickeln. Jede und jeder macht dabei unsere Kirche einzigartig.

Pastoralkonzepte geben Antwort auf die Frage: „Wie wollen wir hier vor Ort Kirche sein mit und für die Menschen von heute und morgen?“ Damit greifen wir das Anliegen der Deutschen Bischöfe auf, das sie in ihrem 2015 veröffentlichten Wort „Gemeinsam Kirche sein“ beschrieben haben.

In unserem Bistum sollen bis 2024 in allen 74 Pastoralräumen Pastoralkonzepte erstellt, implementiert und umgesetzt werden. Wenige dieser Räume haben sich bereits auf den Weg gemacht und stehen sogar schon vor dem Abschluss. Dabei haben sie u.a. die Unterstützung der Kirchlichen Organisations- und Gemeindeberatung in Anspruch genommen. Um einen solchen geistlichen Prozess zu starten, ist es hilfreich, sich durch Unterstützungssysteme begleiten zu lassen. Erkundigen Sie sich deswegen bei der Abteilung „Pastorale Entwicklung“, wie eine solche Unterstützung auch für Ihren Weg im Pfarrverband organisierbar ist.

Ich halte es für sinnvoll, nach der Konstituierung der neuen Pfarrgemeinde- und Kirchortsräte mit der Pastoralkonzepterstellung zu beginnen. Deswegen empfehle ich den Sommer bzw. Herbst 2022 für den Beginn.

Natürlich können Räume auch ohne Unterstützungssysteme diesen Weg beginnen.

Für die Erstellung der Pastoralkonzepte wird das Hören auf das Wort Gottes die Unterstützung schlechthin sein. Weil für einen solchen geistlichen Weg eine breite Beteiligung der Ehren- und Hauptamtlichen, aber auch anderer gesellschaftlicher Akteure zwingend notwendig ist, muss für die gemeinsame Arbeit an dem Konzept ein Zeitraum zwischen 1,5 bis 2 Jahre eingeplant werden.

So wünsche ich Ihnen auf diesem Weg Freude an der Begegnung miteinander und mit Gott und bei all diesem Tun den reichen Segen Gottes.

Generalvikar Pater Michael Huber MSC, Januar 2022

Leitfaden für die Erstellung von Pastoralkonzepten in den Pastoralräumen des Bistums Eichstätt

Einführung

Wir sind als Christinnen und Christen - nicht nur in der Corona-Zeit - aufgerufen die gesellschaftlichen und kirchlichen Entwicklungen wahrzunehmen und sie in unserer Nachfolge Jesu zu berücksichtigen. Denn er hat uns aufgefordert:

Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung.“

(Mk 16,15)

Die aktuelle Bistumsvision drückt dies momentan folgendermaßen aus:

Als offene und vielfältige Gemeinschaft mit Christus wollen wir neu aufbrechen, um die Liebe Gottes erfahrbar zu machen und ein Zeugnis der Hoffnung für die Welt zu geben.“

So wollen wir auch heute diesem Wort Jesu folgen und in unsere Welt hinausgehen um „Salz der Erde“ zu sein.

Um dieser Sendung gerecht zu werden, sollten wir uns bewusst werden,

wer wir sind und immer wieder werden wollen,
wozu wir da sind,
wohin wir geschickt sind,
was wir erreichen wollen und
wie wir es leben wollen.

Deshalb ist es sinnvoll, zu klären, wie sich das gegenwärtige Leben im Pfarrverband gestaltet, die Veränderungen immer wieder wahrzunehmen und sie angemessen zu berücksichtigen. Wenn wir dann darüber nachdenken, wie wir die Botschaft des Evangeliums in dieser Situation ansprechender leben, verkünden, feiern und auf dieser Grundlage künftig handeln wollen, bauen wir voller Zuversicht auf das Wort Jesu, dass er bei uns ist „alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (vgl. Mt 28,20b)

In diesem Sinne erarbeiten die Pfarrverbandskonferenz (Modell 1) bzw. der Pfarrgemeinderat (Modell 2) und das Pastoralteam gemeinsam im Dreischritt von Sehen – Urteilen – Handelnein Konzept, das alle pastoralen Handlungsfelder, Aufgaben und zukünftige Schwerpunkte auf dem Hintergrund gesellschaftlicher Bedingungen und Veränderungen erfasst. Pfarrverbandskonferenz bzw. Pfarrgemeinderat haben die Federführung. Bei Bedarf können dabei begleitende Hilfestellungen in Anspruch genommen werden.

Im Pastoralkonzept geht es also um eine grundlegende Zielorientierung des gesamten Pastoralraumes inklusive seiner Infrastruktur (Immobilien, Pfarrbüro, Erreichbarkeit,…).

In regelmäßigen Abständen soll im Laufe des Entstehungsprozesses über den Stand der Entwicklungen informiert und Beteiligung ermöglicht werden.

Das pastorale Konzept dient als Grundlage für die Arbeit der Haupt- und Ehrenamtlichen und für anstehende Visitationen.

Im Blick auf dieses Pastoralkonzept werden in der Folge konkrete Vereinbarungen für die pastorale Arbeit getroffen. Besondere Berücksichtigung finden die Aspekte „Wachstum“, „Nachhaltigkeit/Solidarischer Lebensstil“ und „Digitalisierung“.

Was ist ein Pastoralkonzept und wozu dient es?

Dieser Leitfaden zur Erstellung des Pastoralkonzeptes will Hilfe sein,

  • das pastorale Handeln in seiner Gesamtheit zu erfassen, dementsprechend eine für den Pastoralraum tragfähige Vision gemeinsam zu entwickeln und Prioritäten zu setzen
  • klare und transparente Entscheidungen für konkrete Ziele in der Pastoral und neue Projekte und Prozesse zu ermöglichen
  • dem Pfarrverband Orientierung und Entscheidungshilfe für die Pastoral und der Kirchenverwaltung eine verbindliche Grundlage für die Planung zu ermöglichen
  • zielorientiert und reflexiv zu arbeiten
  • sich auf das Wesentliche und derzeit Angesagte zu konzentrieren und durch Schwerpunktsetzung zu entlasten
  • Klarheit über die zukünftige Nutzung von kirchlichen Gebäuden zu erlangen.
  • die notwendige Unterstützung vom Ordinariat zu erhalten
  • bei zukünftigen Personalentscheidungen und Veränderungen des Stellenplans das Pastoralkonzept zu berücksichtigen.

Insgesamt geht es darum, Menschen vor Ort zu ermutigen, sich von der Botschaft des Evangeliums inspirieren zu lassen und sich in der Welt zu engagieren, um auf diese Weise mehr gemeinsam Kirche zu werden.

Wegweiser für die Erstellung eines Pastoralkonzepts

Geistlich: Die Erstellung und die Umsetzung des Pastoralkonzepts wird als geistlicher Prozess gelebt, vom Gebet und der Frage nach dem Willen Gottes getragen.

Diakonisch/Missionarisch: Das Pastoralkonzept ist an den Bedarfen der Menschen und auf die Verkündigung des Evangeliums ausgerichtet.

Partizipativ: Möglichst viele Menschen sind an der Erstellung und Umsetzung des Pastoralkonzepts beteiligt.

Vernetzend/ökumenisch: Das Pastoralkonzept hat die kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Akteure (Initiativen, Vereine, Personen des öffentlichen Lebens...) auf dem Gebiet des Pfarrverbandes, der immer auch Teil eines größeren Netzwerkes ist, im Blick.

Schritte zur Erstellung eines Pastoralkonzeptes

1. Bestehendes sammeln – für eine Kirche von morgen (sehen)

Blick nach innen:

Der erste Schritt auf dem Weg zu einem Pastoralkonzept ist, den gesamten Pastoralraum in den Blick zu nehmen. In der Pfarrverbandskonferenz (Modell 1) bzw. im Pfarrgemeinderat (Modell 2) wird alles zusammengetragen, was es in den Pfarreien des Pastoralraumes gibt.

  • Welche personellen Ressourcen (haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter, Zeitbudget, Charismen) gibt es bei uns?
  • Wo haben wir bisher unsere Prioritäten gesetzt?
  • Was gibt es in unserem Pastoralraum? Wer und was lebt bei uns? Was lebt nicht mehr?
  • Welche gemeinsamen Projekte gibt es?
  • Welche Einzelprojekte gibt es?
  • Was ist das Spezifische der einzelnen Kirchorte?
  • Welche Immobilien haben wir? Wie werden sie genutzt?
  • ...

Pfarreien und sonstige Kirchorte, die bereits in der Vergangenheit einen Text über die pastorale Situation (Kooperationsvereinbarung, Pastoralkonzept, Pfarreiprofil, Leitbild, Visitationsbericht, ...) verfasst haben, können diesen aktualisieren und darauf aufbauen.

Für Pfarrverbände, die ein gemeinsames Pastoralkonzept erstellen, übernimmt die Pfarrverbandskonferenz bzw. der Pfarrgemeinderat (Modell 2) die beschriebenen Aufgaben des Pfarrgemeinderats und ergänzt die Fragen zur Sammlung um folgende Fragen:

  • Welche gemeinsamen Projekte gibt es?
  • Welche Einzelprojekte gibt es?
  • Was ist das Spezifische der einzelnen Kirchorte?

Blick nach außen:

Der Pfarrverband ist Teil der Gesellschaft. Mit dem Blick nach außen wird auf das politische, gesellschaftliche und kulturelle Umfeld geschaut. Mögliche Kooperationspartner werden in den Blick genommen.

  • Welche Freuden, Sorgen und Nöte bewegen die Menschen in unserem Pastoralraum? (GS 1)
  • Was erwarten die Menschen vor Ort von der Kirche?
  • Wo und wie können wir unterstützen und die Betroffenen selbst fördern und zur Selbsthilfe ermutigen?
  • Welche Einrichtungen kommen uns neu in den Blick?

  •  

Blick von außen:

Der Pfarrverband als Teil der Gesellschaft trifft auf unterschiedliches Interesse. Der Fokus, wie Kirche von anderen wahrgenommen wird, hilft das eigene Selbstverständnis neu zu entdecken, auszurichten und die Angebote der Seelsorge zu schärfen. Dazu ist es notwendig, mit den verschiedenen Personen und Gruppen in Kontakt zu treten. Um ein klares Bild zu bekommen, ist es gut, mit Vertretern und Vertreterinnen der verschiedenen Bereiche Interviews zu führen.

Wie werden wir wahrgenommen von:

  • Verbänden/Vereinen/Parteien
  • Kommunalen Einrichtungen
  • Schulen
  • Ökumenischen Partnern
  • Anderen Religionsgemeinschaften
  • Konfessionslosen
  • Migranten/innen
  • … ?

2. Sich vom Evangelium inspirieren lassen (urteilen)

Die Aktivitäten im Pfarrverband werden anhand von vier Fragen reflektiert:

  • Wozu sind wir als Kirche vor Ort gesandt? Was sagt uns das Evangelium dazu?
  • Inwiefern entsprechen unser Alltagsleben und Engagement diesem Auftrag als Kirche?
  • Inwieweit orientieren wir uns als Kirche an den Bedürfnissen der Menschen, zu denen wir gesandt sind?
  • Mit welchen Immobilien wollen wir planen? Welche stellen eine Belastung dar?

3. Perspektiven entwickeln (handeln)

Der nächste Schritt ist nun zu schauen, was für unsere Praxis daraus folgt. Auf der Grundlage unserer Wahrnehmung und der Inspiration aus dem Evangelium, wollen wir nun gemeinsam zukünftige Perspektiven und Ziele des Pfarrverbandes mit seinen verschiedenen Orten in den Blick nehmen.

  • Weshalb und wozu wollen wir etwas verändern (Motivation und Ziele)?
  • Was wollen wir beibehalten?
  • Was wollen wir anders machen?
  • Wovon wollen wir uns verabschieden?
  • Was wollen wir Neues wagen?
  • Welche Räume/Immobilien helfen uns für die Umsetzung, Welche Räume können anders und von anderen genutzt bzw. mitgenutzt werden?

4. Textentwurf erstellen

Ein von der Pfarrverbandskonferenz ernanntes Redaktionsteam formuliert einen Textentwurf und legt ihn der Pfarrverbandskonferenz bzw. dem Pfarrgemeinderat (Modell 2) vor. Der Text kann in Stichworten verfasst oder ausformuliert sein (max. 10 Seiten).

Der Text beinhaltet folgende Informationen:

  • Das Profil des Pastoralraumes im Kontext der Zeichen der Zeit
  • Unsere gemeinsame Sendung als Christen im Pfarrverband
  • Unsere Ressourcen (personell, finanziell, räumlich)
  • Unsere Perspektiven und Ziele für heute und morgen

5. Im Pastoralraum beschließen, veröffentlichen und umsetzen

Nach Anhörung der Gremien und einer abschließenden Bearbeitung durch das Redaktionsteam beschließt die Pfarrverbandskonferenz bzw. der Pfarrgemeinderat das Pastoralkonzept.

Das erarbeitete Pastoralkonzept wird dem Generalvikar zugeschickt und nach erfolgter Prüfung vom Bischof in Kraft gesetzt und veröffentlicht.

Am Ende des Erstellungsprozesses wird das Pastoralkonzept feierlich in Kraft gesetzt.

Das Pastoralteam und die Pfarrverbandskonferenz (Modell 1) bzw. der Pfarrgemeinderat (Modell 2) sorgen für dessen Umsetzung.

Bei der Erstellung Ihres Pastoralkonzeptes stehen alle Fachbereiche des Bischöflichen Ordinariates zur Verfügung

 

Kontakt:

Diözese Eichstätt (KdöR)
Hauptabteilung Pastorale Dienste
Abteilung 1 Pastorale Entwicklung
Walburgiberg 2, 85072 Eichstätt

Kommiss. Abteilungsleiter: Andreas Weiß Tel. (08421) 50618
Sekretariat: Viola Späth (Auszubildende) Tel. (08421) 50615

Mail: pastorale-entwicklung(at)bistum-eichstaett(dot)de