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Exerzitienreferat

"Adventlich leben" - Impulse zur Adventszeit

Teil 4: Die Hirten - Hellwach auf dem Weg

aus: Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt, Nr. 51, 21. Dezember 2008

Die Hirten gehören zu Weihnachten. Sie stehen an der Krippe. Jedes Jahr in der Christmette hören wir von ihnen: Sie sind in der Nacht auf dem Feld. Dort erfahren sie die frohe Botschaft der Geburt des Retters (vgl. Lk 2,8-14). Was aber haben die Hirten in einer Adventsserie verloren? Was macht sie zu adventlichen Menschen? Wenn Sie diesen Artikel lesen, sind es nur noch wenige Tage bis zum Weihnachtsfest. Ich schlage Ihnen vor, in diesen Tagen mit den Hirten unterwegs zu sein.

  • Die Hirten machen nichts Besonderes. Sie haben keinen Adventskranz und keine Kerzen, kein Adventskalender bereitet sie vor. Die Hirten waren bei ihren Herden. Sie gingen ihrer ganz normalen Arbeit nach. Aber dort, in ihrer alltäglichen Umgebung, sind sie hellwach. Dort öffnen sie Augen und Ohren. Sie nehmen wahr, was sich zeigt. Sie sind offen für das, was ihnen begegnet. So hören sie das Wort des Engels. So sehen sie das Licht in der dunklen Nacht. Wie die Hirten zu leben, könnte also heißen: Offen zu sein für die Zeichen, die sich Ihnen im ganz Alltäglichen zeigen. Aufmerksam zu werden auf das, was Ihr Leben hell macht. Ein waches Ohr zu haben für ein Wort, das Ihnen den Weg weist. In dieser Haltung entdecken Sie vielleicht mehr, als auf den ersten Blick zu sehen ist: Zum Beispiel könnte ein Werbespruch für Sie noch einmal eine ganz andere Bedeutung haben. Oder Sie hören einen Schlager im Radio und fragen sich, warum Sie sich davon angesprochen fühlen. Oder es läuft Ihnen die Nachbarin über den Weg und der kleine Wortwechsel klingt in Ihnen noch nach.
  • Die Hirten machen sich auf den Weg. Sie brechen auf. Sie bleiben nicht am warmen Feuer sitzen, sondern folgen dem Wort, das sie vernommen haben. Wer an der Weihnachtskrippe ankommen will, der macht sich auf; der bleibt nicht stehen; der geht seinen Weg. Das lässt sich an den Hirten ablesen. Im Blick auf die Hirten könnten Sie sich also fragen: Was muss ich noch tun, damit ich an der weihnachtlichen Krippe ankomme? Das kann ein Weg sein, der noch zu gehen ist, oder ein Mensch, mit dem Sie sich noch aussprechen möchten, oder eine stille Zeit, in der Sie sich innerlich bereiten. Wie sieht Ihr persönlicher Weg auf Weihnachten hin aus? Vielleicht fällt es Ihnen beim Lesen dieser Zeilen ganz spontan ein, weil Sie es im Gespür haben, vielleicht meldet es sich aber auch erst, wenn Sie darüber nachdenken…
  • Und dann ist da noch die Sehnsucht! Die Hirten hätten sich kaum auf den Weg gemacht, wenn die Botschaft des Engels nicht ihre Sehnsucht angesprochen hätte. Sie hätten ihre Herde kaum allein gelassen, wenn nicht ihr Herz so freudig geschlagen hätte. Was sie und viele andere sich erträumt und erhofft hatten, wovon man schon seit langem sprach, sollte jetzt in Erfüllung gehen. Die Botschaft des Engels trifft die Sehnsucht, die tief in ihnen da ist. Und das bewegt sie. Achten Sie doch einmal auf die Sehnsucht, die Sie im Blick auf Weihnachten haben. Was wünschen Sie sich? Was erhoffen Sie sich ganz konkret? Wenn Sie wollen, blicken Sie bei einer Tasse Tee voraus auf die kommenden Tage. Ihre Hoffnungen und Wünsche dürfen Sie als einen Schatz betrachten. Sie machen Sie offen für Gottes Botschaft. Es ist die Weise, wie Gott Sie ganz persönlich anspricht. Weil die Hirten ihrer Sehnsucht folgen, kommen sie an der Krippe an.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie in diesen Tagen hellwach unterwegs sein können. Es lohnt sich.

Ihr Michael Kleinert, Pfarrer im Exerzitienreferat

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