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Fakten und Informationen zum sexuellen Missbrauch in der Diözese Eichstätt

Das Bistum Eichstätt hat in den vergangenen Jahren die Personalakten von Klerikern aus den Archiven bezüglich sexuellen Missbrauchs durch Angehörige der Diözese aufgearbeitet. Um das bekannte Ausmaß des dadurch zugefügten Leids sichtbar werden zu lassen, hat sich die Diözese Eichstätt zum einen der durch die MHG-Studie vorgeschriebenen Prüfung genau unterzogen, zum anderen aber auch darüber hinaus Personalakten von identifizierten Missbrauchstätern der Staatsanwaltschaft zur Überprüfung übermittelt.

Fakten zum sexuellen Missbrauch seit den 1920er Jahren

Stand Ende 2020 wurden insgesamt bei der Überprüfung der Akten 25 Täter im Dienst der Diözese Eichstätt bekannt, davon ein Diakon und ein Laie. Ihre Vergehen erstrecken sich von den 1920er Jahren bis in die Gegenwart. 20 Täter sind bereits verstorben, bei sechs wurden ihre Vergehen erst nach ihrem Tod bekannt. Es konnten bei der Aufarbeitung der Akten unter Berücksichtigung von Unschärfen wegen fehlenden Zeitangaben insgesamt 57 Betroffene identifiziert werden, rund zwei Drittel davon sind Frauen. Von den 1920er bis in die 1950er Jahre sind 21 Fälle dokumentiert, durch rund ein Drittel der Täter. 33 Fälle liegen in den 1960er bis in die 1990er Jahren durch rund die Hälfte der Täter. Seit den 2000ern ist nur ein Fall aktenkundig. Insgesamt wurden gegen sieben Täter staatliche Strafmaßnahmen verhängt, in fünf Fällen wurden die staatlichen Verfahren eingestellt. Gegen vier Täter wurden kirchenrechtliche Maßnahmen erlassen.

Aufarbeitung durch Beraterstab

Alle Hinweise wurden und werden dem Beraterstab des Bistums Eichstätt vorgelegt. Der Beraterstab besteht aus den unabhängigen Ansprechpersonen und den Präventionsbeauftragten, dem Generalvikar und weiteren Beratern aus den Bereichen Psychologie, Kirchenrecht und Strafrecht.

Soweit im Blick auf die teilweise weit zurückliegenden Vergehen möglich und von den Betroffenen gewünscht, hat es Gespräche und Begegnungen mit Vertretern der Diözese gegeben. Dabei wurde individuell und fallbezogen auf die Betroffenen eingegangen. In Anerkennung des Leids, das Betroffenen zugefügt wurde, wurden bis Ende des Jahres 2020 insgesamt 50.000 Euro an zehn Betroffene gezahlt. Sie hatten den dazu nötigen Antrag gestellt.

Beratung und Hilfe

Die vielfältigen Hilfs- und Beratungsangebote der Diözese und des Caritasverbandes stehen jedem Hilfesuchenden offen. Für Rückfragen und Hilfe ist auch ein Präventionstelefon in der Diözese Eichstätt eingerichtet mit der Nummer (08421) 50-500.
 

Die MHG-Studie

Die MHG-Studie war ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zum Thema sexueller Missbrauch an Minderjährigen in den deutschen Diözesen. Im Bistum Eichstätt wurden in diesem Zusammenhang 526 Personalakten von Diözesanpriestern, Diakonen und männlichen Ordensangehöriger im Dienst der Diözese gesichtet, die leben oder nach 2000 verstorben sind, sowie weiter zurückliegende Personalakten, wenn es Anhaltspunkte oder Verdachtsmomente für ein Vergehen gab.