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31.12.2011

Bischof Hanke zum Jahresschluss: Christen sind Hoffnung für die Welt

Eichstätt. (pde) - Die Christen sollen sich an der Neugestaltung der Welt beteiligen. Gerade angesichts der aktuellen Krisenphänomene sind Christen als „Hoffnung für die Welt“ gefragt. Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke rief in seiner Predigt während der Jahresschlussandacht im Eichstätter Dom die Gläubigen dazu auf, sich nicht durch Resignation oder Ängste vor der Zukunft quälen zu lassen. Sie müssten vielmehr verstärkt dafür eintreten, dass neue Denkmuster geschaffen werden, die eine Änderung in Wertesystem und in der Struktur des gesellschaftlichen Zusammenlebens bewirken.

Hanke ging in seinen Ausführungen von der aktuellen Krise des Euroraumes aus. Als Ursache machte er den Lebensstil der westlichen Welt aus, die schlichtweg über ihre Verhältnisse lebt. Der gesellschaftliche Fortschritt ist derzeit mit ständig wachsenden materiellen Bedürfnissen gekoppelt, was zu einem Ressourcenverbrauch führt, der an seine Grenzen angelangt sei. Der Eichstätter Bischof betonte in seiner Ansprache jedoch, dass es nicht darum gehe, wirtschaftliches Wachstum generell zu verteufeln, oder die Schuld an der Habgier mancher Banker oder der staatlichen Schuldenpolitik zu suchen. Vielmehr müsse es bei einem qualitätvollen Leben um mehr gehen, als um Technik und Wohlstand. Nötig sei eine stärkere Ausdifferenzierung zwischen quantitativem und qualitativem Wachstum. Dazu gehört für Bischof Hanke auch die Fähigkeit, „zu lieben und geliebt zu werden, die Achtung der anderen in der Gruppe zu erfahren, sinnvolle Arbeit beizusteuern und in der Gemeinschaft Zugehörigkeit und Vertrauen zu empfinden.“

Der Weg des Christen, sich an der Lösung der gegenwärtigen Probleme zu beteiligen, kann dabei keine Angleichung „an eine vom Begehren nach immer Mehr geprägte Welt sein“. Hanke erinnerte an die Rede von Papst Benedikt im Freiburger Konzerthaus, die er als  „prophetische Botschaft“ deutete. Der Papst rief die Kirche, „also jeden von uns“, zur Entweltlichung auf. „Nicht Kampf gegen die Welt oder Rückzug predigte er damit.“ Allerdings vertrage sich das Zeugnis eines Christen nicht mit einem Lebensstil des Begehrens, Prahlens und Habenwollens. Vielmehr gehe es darum, den Willen Gottes in der Welt zu verwirklichen. Die Kirche, und damit jeder einzelne Gläubige, können nicht „distanz- und kritiklose Diener dieses Weltgeistes sein.“

Bischof Hanke konkretisierte seine Kritik an der Fixierung auf den wirtschaftlichen Fortschritt an einem Vergleich mit anderen Ländern: Wenn die ärmsten Länder und dazu die Schwellenländer westliche Maßstäbe des Lebensstandards zum Ziel ihres Wirtschaftens machen, müsste die Weltwirtschaft fünfzehn Mal so groß sein wie jetzt. „Aber bereits jetzt werden Bodenschätze, besonders das Öl, die Anbauflächen für Nahrungs- und Futtermittel und sonstige Ressourcen knapper und irgendwann ausgereizt und erschöpft sein.“ Stattdessen drohe der Menschheit eine ökologische Schieflage, aber auch eine Schieflage des Menschseins an sich:  In der Konsumgesellschaft wird der Mensch gedrängt, sich seine Identität über materielle Güter zu suchen, gerade wenn ihm eine tiefere Sinnerfahrung abgeht und er sich nicht mehr an Gott orientiert.

Die Predigt von Bischof Hanke ist als Video unter www.bistum-eichstaett.de/videoverfügbar.

Die Predigt im Wortlaut