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30.05.2003

„Wir schulden es den Menschen, ein Herz zu haben.“ - 25 Jahre Caritas Sozialstation Neumarkt: Caritasdirektor Harrer warnt vor Ausverkauf des Sozialstaats

„Beim Umbau unseres Sozialstaats dürfen nicht nur finanzielle Überlegungen eine Rolle spielen, sondern auch soziale Belange. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Stimmen gehört werden.“ Dies erklärte Caritasdirektor Willibald Harrer anlässlich des 25jährigen Jubiläums der Caritas-Sozialstation Neumarkt. In seinem Festvortrag unter dem Motto „Caritas – Aktive Sorge um den Menschen“ warnte Harrer davor die „Caritas auf verrechenbare Leistungen zu reduzieren“ und Barmherzigkeit gegen Anspruchsdenken und einklagbares Recht auszuspielen.

Zuvor hatte bereits der Vorstandsvorsitzende der Sozialstation Neumarkt e.V., Pfarrer Alfred Hausner, in einer kurzen Andacht im Caritas-Zentrum die Nächstenliebe in den Mittelpunkt seiner Gebete gestellt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sozialstation forderte er auf, in der Liebe Jesu zu bleiben, die sie durch ihre schwere Arbeit tragen könne.

Bei dem anschließenden Festakt in der Caritas-Begegnungsstätte würdigten zahlreiche Redner vor den geladenen Gästen die unverzichtbaren Leistungen der Sozialstation für alte und kranke Menschen. Geschäftsführer Gundekar Fürsich blickte auf die Geschichte der Sozialstation zurück, die sich 1978 aus bescheidenen Anfängen zu einer der größten Sozialstationen in Bayern und im Bundesgebiet entwickelt hat. Sein besonderer Dank ging an seinen Vorgänger Konrad Fersch, der maßgeblichen Anteil an diesem Erfolg hatte. Der stellvertretende Landrat Willibald Gailler und der Neumarkter Oberbürgermeister Alois Karl erinnerten an die lange und gute Tradition Neumarkts in der Altern- und Krankenpflege. Bereits vor 740 Jahren wurde die erste Pflegeeinrichtung in der oberpfälzischen Stadt urkundlich erwähnt. Der evangelische Dekan Dr. Wolfgang Bub bezeichnete die Caritas in seinem Grußwort zwar als Konkurrenz zur Diakonie, betonte aber das vorbildliche und harmonische Miteinander der Einrichtungen. Dr. Jürgen Gruber als Vertreter des Ärztlichen Kreisverbands und Horst Müller von der AOK Neumarkt betonten die gemeinsame karitative Motivation, die Ärzte, Krankenkassen und die Sozialstation eng miteinander verbinden.

Caritasdirektor Willibald Harrer dankte in seinem Festvortrag allen, die der Sozialstation freundschaftlich verbunden sind. Er erinnerte daran, dass jeder vom Evangelium her dazu aufgerufen sei zu helfen. „Wir Menschen leben nicht in einer heilen Welt, jeden von uns kann plötzlich ein Schicksalsschlag treffen. Dann schulden wir es jedem Menschen, ein Herz zu haben“, betonte Harrer. Eine besondere Verantwortung wachse den Pfarreien zu, die er als Keimzelle der Caritas betrachte. Im harmonischen Miteinander zwischen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und den hauptamtlichen Caritas-Schwestern sei die Caritas zum Inbegriff für Qualität in der Alten- und Krankenpflege geworden. Unter dem großen Finanzdruck stelle sich jedoch auch die Frage, wie die Caritas ihre gewachsene Identität im Wettbewerb behalten könne. Er rief insbesondere die Pfarrer vor Ort dazu auf, für die Caritas zu werben. Besondere Bedeutung komme dabei den Krankenpflegevereinen zu, die die Sozialstation finanziell unterstützten und deren Bestehen sicherten. Angesichts einer immer älter werdenden Bevölkerung werden in den kommenden Jahren mehr Pflegefachkräfte benötigt. Auch werden die Alten- und Pflegeheime sich auf eine steigende Nachfrage einstellen müssen. „Die Hilfe von Angehörigen ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Deshalb müssen wir rechtzeitig die Weichen stellen, damit wir für die großen gesellschaftlichen Herausforderungen der kommenden Jahre gerüstet sind“, meinte Caritasdirektor Willibald Harrer abschließend.

Stellvertretend für alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Sozialstation bedankte sich Geschäftsführer Gundekar Fürsich bei zwei „Frauen der ersten Stunde“ mit einem Blumenstrauß: Verwaltungsangestellte Ilse Burger und die Velburger Caritas-Schwester Ingrid Lutter gehören seit 25 Jahren der Sozialstation an. Für sie ist die Caritas nach eigenen Worten „immer wie eine Familie gewesen“.

Für die Sozialstation Neumarkt arbeiten 150 Mitarbeiterinnen, die knapp 1000 Patienten im Alter zwischen fünf und hundert Jahren betreuen. Das Haushaltsvolumen der Sozialstation beträgt drei Millionen Euro, bei der Gründung 1978 waren es 72.000 Mark. Mit ihren Fahrzeugen haben die Caritas-Schwestern im vergangenen Jahr 920.000 Kilometer zurückgelegt, das entspricht einer Strecke von 23 Erdumrundungen.

 



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