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28.09.2011

Tag des Flüchtlings: Caritas fordert „Leben ohne Mauern“

Der „Tag des Flüchtlings“, wird in diesem Jahr am 30. September unter dem Motto „Mauern verletzen Flüchtlingsrechte“ begangen.

Eichstätt. (pde) - „Flüchtlinge werden von Europa abgeschottet, aber auch in Deutschland haben sie mit vielen Mauern zu kämpfen.“ Darauf macht Lisa Mödl, Sprecherin für Flüchtlingsberatung beim Caritasverband für die Diözese Eichstätt aufmerksam. Sie äußerte sich anlässlich „Tags des Flüchtlings“, der in diesem Jahr am 30. September unter dem Motto „Mauern verletzen Flüchtlingsrechte“ begangen wird.

Mödl berät selbst für die Caritas-Kreisstelle Eichstätt in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Denkendorf Betroffene. Sie erklärt, dass sich knapp ein Jahr nach dem „Hilferuf vieler mit dem Essenspaket-Boykott“ wenig an der Situation von Asylbewerbern geändert habe. „Vor allem der Zwang zur Untätigkeit ist für viele eine unüberwindbare Mauer, welche sie vom normalen Leben trennt“, so Mödl.  Ein seit etwa zehn Jahren in Deutschland lebender Syrer in der Gemeinschaftsunterkunft erklärt: „Für uns ändert sich nichts. Wir sind hier und machen keine Probleme. Wir wollen nur ruhig leben. Aber wir dürfen nicht arbeiten und müssen im Heim gegen die Wand starren.“

Einen Hoffnungsschimmer sieht Mödl in einigen gesetzlichen Neuerungen. Sie begrüßt zum einen den Beschluss des Bayerischen Landtages, den Auszug aus den Unterkünften in private Wohnungen vor allem für Familien und Alleinerziehende zu erleichtern.  In der Gemeinschaftsunterkunft Denkendorf habe diese Änderung bisher einer Einzelperson zum Auszug in eigene vier Wände verholfen. Einen anderen Schritt in die richtige Richtung sieht sie in der bundesweiten Gesetzesneuerung, dass von den Flüchtlingen nun gut integrierte Jugendliche und Heranwachsende einen Aufenthaltstitel bekommen können. „Junge Menschen, welche hier aufgewachsen sind, erhalten so die Chance auf eine gesicherte Zukunft in Deutschland.“  Voraussetzung hierfür sei allerdings, dass die betreffende Person zwischen 15 und 21 Jahren alt ist, seit sechs Jahren ununterbrochen erlaubt oder geduldet in Deutschland lebt und ebenso lang erfolgreich die Schule besucht hat, informiert Lisa Mödl und bedauert: „Diese Hürden wurden leider äußerst hoch gesetzt. Daher wird es weiterhin sehr viele Asylbewerber und Flüchtlinge in Deutschland geben, die manchmal über Jahrzehnte hinweg geduldet und somit ständig von der Abschiebung bedroht sind.“ Lisa Mödl schließt sich daher einer Forderung des Deutschen Caritasverbandes, des Diakonischen Werkes und von Pro Asyl anlässlich des Flüchtlingstages für ein Ende der Kettenduldungen und eine neue bundesgesetzliche Bleiberechtsregelung an, die mehr Menschen eine gesicherte Aufenthaltsperspektive in Deutschland bieten soll.

Die Caritas-Flüchtlingsberaterin betont aber auch: „Es sind nicht nur gesetzliche Hürden, die überwunden werden müssen. Für ein Leben ohne Mauern brauchen Flüchtlinge und Asylbewerber vor allem ein Gefühl des Angenommenseins und der Würde in der deutschen Gesellschaft.“ Sie wünscht sich in der Bevölkerung mehr Verständnis für die Situation der Betroffenen und, dass mehr Menschen und Gruppierungen „Berührungspunkte“ mit ihnen suchen: so wie es beispielsweise der Agenda-Arbeitskreis in Denkendorf durch gemeinsame Aktionen mit den Bewohnern der Gemeinschaftsunterkunft in den vergangenen Jahren immer wieder getan hat.

 

 



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