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11.09.2013

Syrischer Erzbischof Melki: Eskalation für die gesamte Region nur mit Verhandlungen zu verhindern

Gespräch über die Situation in Syrien: Bischof Gregor Maria Hanke und Erzbischof Flavien-Joseph Melki im Eichstätter Bischofshaus. pde-Foto: Geraldo Hoffmann

Eichstätt, 11.9.2013. (pde) - Für die Christen und einen Großteil der muslimischen Bevölkerung Syriens sind nach Auffassung des syrisch-katholischen Erzbischofs Flavien-Joseph Melki Verhandlungen die einzige Lösung zu einer Beendigung des Syrienkonflikts. Der 81-jährige Melki ist Großkanzler des syrisch-katholischen Patriarchats in Beirut und Sekretär des Heiligen Synods seiner Kirche. Bei einem Besuch in Eichstätt warnte er vor einer Ausweitung des Konflikts auf den Libanon und weitere Nachbarländer: „Die Konsequenzen sind nicht abzusehen“.

Er könne die Motive nicht nachvollziehen, „die die westlichen Länder, besonders die USA, bewegen, diesen Konflikt zu nähren“. Die Christen Syriens stünden voll und ganz hinter Papst Franziskus und seinem Aufruf, an den Verhandlungstisch zu gehen. Auch der Großmufti Syriens in Damaskus als Vertreter der muslimischen Bevölkerungsmehrheit habe explizit aufgerufen, in der gleichen Intention wie Papst Franziskus für eine friedliche Lösung zu fasten und zu beten.

Die Problematik sprenge jede Idee von europäischen Vorstellungen, sagte Melki bei dem Gespräch in Eichstätt. Am Anfang habe eine ideologische Auseinandersetzung und die Befreiungsbewegung gegenüber einer Diktatur gestanden. Daraus sei ein Religionskrieg Sunniten gegen Alawiten (Schiiten) geworden, der sich auf die gesamte Region auszuweiten drohe. Zentrales Anliegen der Christen Syriens sei immer das friedliche Zusammenleben der verschiedenen Gruppen gewesen. Nun hätten mehr und mehr in der Opposition radikal-islamische Gruppen das Sagen, die mit Unterstützung arabischer Länder wie Katar und Saudi-Arabien eine radikal-islamische Agenda betrieben. Die Christen Syriens hatten sich in der Vergangenheit weder für das Regime Assad noch dagegen geäußert. Nunmehr seien Christen in besonderem Maße bedroht; die Kirchen werden angezündet und zerstört.

Unter Assad habe es zumindest Religionsfreiheit und Gleichbehandlung der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen gegeben sowie eine Entwicklung in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht. „Wenn das Regime gestürzt wird, bekommen wir ein schlimmeres, fundamentalistisches Regime auch in Syrien“. Eindringlich verwies Melki auf die menschliche Katastrophe des Konflikts, die nicht nur die christliche Minderheit, sondern auch die muslimische Bevölkerungsmehrheit betreffe.

Das Interview mit Erzbischof Melki wurde von der Fernseh- und Hörfunkredaktion des Bistums Eichstätt aufgezeichnet und kann unter „www.bistum-eichstaett.de“ abgerufen werden: Video | .

 

Bischof Hanke ruft zur Solidarität mit Menschen in Syrien auf

Der Bischof von Eichstätt Gregor Maria Hanke hat die Gläubigen seines Bistums erneut zur Solidarität mit der vom Bürgerkrieg geplagten Bevölkerung in Syrien aufgerufen. Neben dem Gebet für Frieden sei auch konkrete materielle Unterstützung für die notleidenden Menschen gefragt. „Unsere Brüder und Schwestern in Syrien erfahren großes Leid. Das sollte uns Anlass sein, ihnen beizustehen“, so Hanke bei einem Treffen mit Erzbischof Melki in Eichstätt. „Ich hoffe und wünsche, dass alle Christen hierzulande ein offenes Herz haben und durch Tat und Wort mithelfen, die Flüchtlinge aus Syrien zu stärken und aufzunehmen“.

Spenden für die Opfer der Gewalt in Syrien können weiterhin mit dem Stichwort „Nothilfe Syrien“ auf die dafür eingerichteten Konten des Caritasverbandes für die Diözese Eichstätt überwiesen werden: Liga (Konto-Nr. 107 617 313, BLZ 750 903 00), Sparkasse (Konto-Nr. 10 033, BLZ 721 513 40), Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte e.G. (Konto-Nr. 960 1007, BLZ 721 608 18). Es kann auch online unter "www.caritas-eichstaett.de" gespendet werden.