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09.12.2017

Rehau, Filialkirche St. Johannes der Täufer

Zu Beginn des Markus-Evangeliums, das am morgigen zweiten Adventssonntag verkündet wird, heißt es: " Bereitet dem Herrn den Weg!" (Mk 1,3). Auch der Ruf vor dem Evangelium lautet an diesem Sonntag: "Bereitet dem Herrn den Weg." (Lk 3,4). Dieser prägnante Satz ist als Inschrift auch auf vielen Glocken zu finden, und so soll am Vorabend des zweiten Advent eine Glockenanlage vorgestellt werden, zu der eine Glocke mit einer an diesen Text angelehnten Inschrift gehört.

Rehau, Glockenanlage der Filialkirche St. Johannes der Täufer. Foto: Thomas Winkelbauer

Die Rehauer Filialkirche (Pfarrei Weilheim) kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken: Erstmals 1341 erwähnt stammen die Grundmauern des heutigen Kirchenbaus aus der Zeit um 1480. Von 1620 bis 1650 war die Kirche profaniert, 1675 stürzte sie sogar teilweise ein. Unbeschädigt war anscheinend der Turm geblieben, in dem allerdings nur noch eine einzelne Glocke hing.
Der notwendige Neubau der Kirche in ihrer heutigen Form erfolgte 1695, vermutlich unter Verwendung des vorhandenen Mauerwerks. Auch der größte Teil der Ausstattung stammt aus dieser Zeit.

In der "Matrikel des Bisthums Eichstätt nach dem Stande des Jahres 1875" werden für Rehau zwei Glocken aufgeführt: ein 1853 gegossenes Instrument des Nördlinger Gießers (Johann Richard) Geissendorfer, sowie eine zweite Glocke ohne nähere Angaben.

In den Meldebögen des Jahres 1941 sind dann drei Glocken beschrieben: wieder ein 1853 durch den Nördlinger Gießer (Johann Richard) Geissendorfer gefertigtes Exemplar mit ungefähr 690 mm Schärfendurchmesser, ca. 550 kg Gewicht, und vermutlich dem Schlagton g', sowie zwei 1922 gegossene und nicht näher beschriebene "Stahlglocken" der Glockengießerei Gebrüder Ulrich aus Apolda.

Diese Angaben lassen darauf schließen, dass während des ersten Weltkriegs in Rehau eine der vorhandenen Glocken abgeliefert werden musste, und dass man 1922 das Geläut aufgestockt und um zwei Glocken ergänzt hat. Während des 2. Weltkriegs wurde dann die noch verbliebene Bronzeglocke beschlagnahmt; sie ist mit ziemlicher Sicherheit zerschlagen und eingeschmolzen worden.

1970 entstand vor Ort der Wunsch die vorhandenen beiden "Stahlglocken" durch ein dreistimmiges Bronzegeläut zu ersetzen. Prof. Johannes Schlick, der damalige Glockensachverständige der Diözese Eichstätt, inspizierte daraufhin die Rehauer Glockenanlage. Laut den vorhandenen Unterlagen fand er zwei Eisenhartgussglocken der Gießerei Ulrich & Weule aus Apolda - Bockenem vor. Als Schlagtöne notierte er h' und d'', als Durchmesser 103 cm, bzw. 81,5 cm, sowie als Gewicht (laut Rechnung vom 24. April 1922) 519 kg und 220 kg. Schlick erarbeitete verschiedene Dispositionsvorschläge und schlug als Gießer den Heidelberger Friedrich Wilhelm Schilling vor. Das Rehauer Glockenprojekt nahm darauf Fahrt auf, und bereits im Oktober 1970 konnte der damalige Generalvikar der Diözese Joseph Pfeiffer die Glocken weihen.

2017 erfuhr die Glockenanlage eine grundlegende technische Überarbeitung: Auf Empfehlung des Glockensachverständigen Thomas Winkelbauer hin wurden die vorhandenen Stahljoche durch neue Holzjoche ersetzt, die Klöppel gegen optimal auf die Glocken abgestimmte, sowie die mechanischen gesteuerten Läutemaschinen durch elektronisch geregelte ausgetauscht. Zudem waren einige wenige Arbeiten am bestehenden Holzglockenstuhl notwendig geworden. Ziel dieser Revision war es, die Glockenanlage in einen technischen Zustand zu versetzen, der - abgesehen von regelmäßigen Wartungsarbeiten und dem Austausch von Verschleißteilen - den Bestand für die kommenden Generationen sichert.

Johannes-der-Täufer-Glocke

Die Johannes-der-Täufer-Glocke bildet seit 1970 das Fundament dieses Glockenensembles. Ihr Patronat bezieht sich auf den Kirchenpatron Johannes den Täufer.
Die Rehauer Glocken bilden mit ihren Tönen h'- d''- e'' das sogenannte Te-Deum-Motiv; dieses Motiv ist in der Glockenmusik sehr beliebt und dementsprechend weit verbreitet.

Schlagton: h'
Material: Bronze

Gießer:Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg
Gussjahr: 1970

Durchmesser: 868 mm
Gewicht: 463 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Schulter:
BEREITET DEN WEG DES HERRN
auf der Rückseite über der Schärfe:
+ REHAU A D 1970 +

Glockenzier: Harry MacLean, Heidelberg

Marienglocke

Für diese Glocke wählte man als Patronin die scherzhafte Gottesmutter Maria, der der linke Seitenaltar der Kirche geweiht ist.
Der Entwurf für die Glockenzier der Rehauer Glocken stammt von dem Heidelberger Künstler und Bildhauer Harry MacLean. Die Zusammenarbeit zwischen MacLean und Schilling war eng und fruchtbar; vermutlich weit über tausend Glocken tragen MacLeans Glockenzier.

Schlagton: d''
Material: Bronze

Gießer:Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg
Gussjahr: 1970

Durchmesser: 720 mm
Gewicht: 260 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Schulter:
WER MICH FINDET + FINDET DAS LEBEN
auf der Rückseite über der Schärfe:
+ REHAU A D 1970 +

Glockenzier: Harry MacLean, Heidelberg

Sebastianglocke

Die Sebastianglocke bildet die Klangkrone des Rehauer Glockenensembles. Ihr Patronat bezieht sich auf den heiligen Märtyrer Sebastian, dem der rechte Seitenaltar der Kirche geweiht ist.

Schlagton: e''
Material: Bronze

Gießer:Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg
Gussjahr: 1970

Durchmesser: 635 mm

Gewicht: 179 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Schulter:
SEID WACHSAM + STEHT FEST IM GLAUBEN
auf der Rückseite über der Schärfe:
+ REHAU A D 1970 +

Glockenzier: Harry MacLean, Heidelberg



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