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26.06.2012

Pädagogik der Vielfalt: Inklusion und Integration in Caritas-Kindertagesstätten

Immer mehr katholische Kindertagesstätten im Bistum Eichstätt wollen noch qualifizierter als bisher Kinder mit Integrationsbedarf betreuen.

Eichstätt. (pde) - Immer mehr katholische Kindertagesstätten im Bistum Eichstätt wollen noch qualifizierter als bisher Kinder mit Integrationsbedarf betreuen. Deshalb haben 54 Mitarbeiterinnen aus 35 Einrichtungen an einer Tagung „Pädagogik der Vielfalt – Anspruch und Chance?!“ im Kloster Plankstetten teilgenommen. Anlass war, dass mit knapp 70 der rund 190 katholischen Kindertageseinrichtungen über ein Drittel inzwischen fast 110 Kinder mit einer Behinderung betreuen. Vor vier Jahren waren es laut Caritas noch unter 90 Kinder in weniger als 50 Einrichtungen. „Der wachsende Inklusionsgedanke, Teilhabe aller Kinder am Bildungsprozess im Kindergartenalltag zu ermöglichen, findet zunehmend Nachfrage“, so Andrea Peyerl, Mitarbeiterin im Caritasreferat Kindertageseinrichtungen. „Außerdem sehen wir es als christlichen Auftrag, allen Kindern einen Platz zu bieten, um ihnen ein gelingendes Leben und Lernen in der Kindertageseinrichtung zu ermöglichen“.

Dr. Monika Wertfein, Diplom-Psychologin am Institut für Frühpädagogik in München, wies in einem Vortrag  auf Voraussetzungen und Möglichkeiten hin, um eine Pädagogik der Vielfalt langfristig für alle Kinder zu entwickeln. Dafür müssten sich Einrichtungen nicht nur mit Fragen auseinandersetzen wie „Wie werden Kindertagesstätten für alle Kinder zugänglich?“ und „Wie können alle Kinder am gemeinsamen Alltagsgeschehen im Kindergarten beteiligt werden?“, sondern auch mit der Herausforderung „Wie können Bildungsprozesse bei Kindern individuell angeregt werden?“. Viele an der Tagung beteiligten pädagogischen Fachkräfte zeigten sich beeindruckt von einem Film dazu. Dieser zeigte, wie eine Kindergruppe ein mehrfachbehindertes Kind mit rhythmischem Klatschen und Trommeln auf einem Karton in seiner Selbstwahrnehmung unterstützte. Dieses Kind erlebte die Vibration als angenehmen und lustvollen Eindruck gemeinsam mit allen. Auch wurde vorgeführt, wie Kinder sich ungezwungen und kompetent in Alltagssituationen unterstützen, indem Kinder ohne Behinderung Kindern mit Handicaps zum Beispiel beim gemeinsamen Frühstück helfen. Um solche Lernanlässe anzuregen und zu begleiten, wurde den Kindertagesstätten empfohlen, mit heilpädagogischen Fachdiensten vor Ort zusammenzuarbeiten, in Ingolstadt etwa dem Caritas-Zentrum St. Vinzenz.

Um die Bedeutung des Themas hervorzuheben, wies Caritasmitarbeiterin Andrea Peyerl die pädagogischen Fachkräfte darauf hin, „dass die auch von Deutschland ratifizierte UN-Behindertenrechtskonvention jedem Menschen mit Behinderung das Recht auf Bildung zuerkennt und fordert, dieses Recht ohne Diskriminierung in einem integrativen Bildungssystem zu verwirklichen“. Auch das Bayerische Bildungs- und Betreuungsgesetz unterstützt Andrea Peyerl zufolge die Integration von Kindern mit Behinderung vor Ort und gewährt den Einrichtungen dafür erhöhte Fördermittel. Allerdings meinten die Caritasmitarbeiterin und mehrere Tagungsteilnehmerinnen in einer Diskussion, dass diese dem tatsächlichen Bedarf bei weitem nicht gerecht würden. Viele wünschten sich vor allem kleinere Gruppen und mehr Fachpersonal, um den gesellschaftlich und politisch geforderten Anspruch auf Bildung für Kinder mit Behinderung besser erfüllen zu können.



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