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24.01.2019

Leiter von Caritas international sprach in der KHG über Katastrophenberichterstattung

Der Leiter des Hilfswerkes Caritas international, Dr. Oliver Müller, sprach in der Katholischen Hochschulgemeinde über Katastrophenberichterstattung. Foto: Caritas/Esser

Eichstätt – „Zwischen Hype und Vergessen: Katastrophenberichterstattung – eine Katastrophe? Zu dieser Problematik hat der Leiter des deutschen Hilfswerkes Caritas international, Dr. Oliver Müller, am Mittwoch, 23. Januar, vor gut 30 Interessierten in der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) Eichstätt gesprochen. Eingeladen hatten ihn die KHG, der Lehrstuhl für Journalistik I der Katholischen Universität und das Referat Weltkirche der Diözese Eichstätt anlässlich des Gedenktages des heiligen Franz von Salles, des Schutzpatrons der Journalisten. Müller betrieb keine Journalistenschelte, machte aber auf Defizite aufmerksam.

Schere geht auseinander

Anlässe zu verstärkter Berichterstattung über Katastrophen und Hilfe in diesen Situationen gibt es eigentlich immer mehr: „Sie nehmen weltweit zu. Das ist ein Trend, den wir seit mehreren Jahren beobachten“, stellte Müller fest. Es komme immer häufiger zu Wirbelstürmen, immer mehr Menschen siedelten sich in gefährdeten Gegenden an und der Klimawandel spiele eine immer größere Rolle. Doch kleine und mittlere Katastrophen schafften es kaum, in unser Bewusstsein zu kommen, große führten hingegen zu viel Berichterstattung und dadurch auch vielen Spenden. „Diese Schere geht immer mehr auseinander“, machte der Leiter des Caritas-Hilfswerkes deutlich, was mit „zwischen Hype und Vergessen“ gemeint ist.

Als Beispiel für eine große Katastrophe mit vielen Spendeneingängen nannte er die Reaktorkatastrophe in Japan im Jahr 2011. Obwohl Japan eines der reichsten Länder der Welt ist, hätten zahlreiche Menschen danach gespendet, weil sie offenbar durch die Problematik Kernenergie besonders emotionalisiert gewesen seien. Müller machte keinen Hehl daraus, dass er einen Teil von diesen Hilfsgeldern gerne für Opfer von Katastrophen in Afrika verwendet hätte, doch natürlich gelte es, den Spenderwillen zu akzeptieren. Bei der verheerenden Flut in Pakistan im Jahr 2010 hätten Medien hingegen zum Bedauern der Hilfswerke zunächst kaum informiert. Doch dann sei es aus zwei Gründen doch noch zu einer intensiven Berichterstattung gekommen: Erstens habe die Sommerpause mit weniger innenpolitischen Ereignissen das Feld für andere Themen freigemacht und zum anderen sei herausgekommen, dass Islamisten in großem Umfang in Pakistan Hilfe geleistet hätten. Müller machte anhand solcher Beispiele deutlich, dass Medien ihre eigene Kriterien haben, worüber sie mehr oder weniger berichten. Auf eine Nachfrage aus dem Publikum, ob Nichtregierungsorganisationen die Themensetzung der Medien beeinflussen könnten, antwortete er denn auch: „Ich glaube, insgesamt eher nicht.“

Der Leiter des Hilfswerkes bedauerte allerdings, dass es immer weniger Stellen für Auslandskorrespondenten gebe und diese zudem ein immer kleineres Reisebudget hätten. Auch stelle er fest, dass in letzter Zeit bei Pressekonferenzen seines Hilfswerkes immer weniger kritische Fragen gestellt würden. „Man kann froh sein, wenn Journalisten überhaupt kommen“, meinte Müller ernüchtert. Es zeige sich in der Berichterstattung zunehmend ein „Trend zum Regionalen“. Das Fernsehen ist Müller zufolge weiterhin das Leitmedium für die Katastrophenberichterstattung, doch soziale Medien gewännen nicht zuletzt wegen ihrer Schnelligkeit an Einfluss. „Allerdings bleibt die Darstellung von Hintergründen oft auf der Strecke“, beobachtet der Leiter des Caritas-Hilfswerkes. Vielmehr hätten Medien immer wieder ihre eigenen Erwartungen an Nichtregierungsorganisationen, insbesondere was ihre Bilder betrifft. Als Beispiel nannte er den Wunsch, über Hilfsgüterflüge zu berichten. Doch um effektive Hilfe zu leisten, sei es oft gar nicht sinnvoll, solche Hilfsaktionen durchzuführen, weil benötigte Hilfsgüter im Land der Katastrophe selbst oder einem Nachbarland besorgt werden könnten. Müller kritisierte es in diesem Zusammenhang, wenn Nichtregierungsorganisationen solche Aktionen durchführen, um medialen Wünschen zu entsprechen und um so die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Hinter die Kulissen schauen 

Auf eine Nachfrage, was er an internationaler Hilfe interessierten Studierenden der Journalistik empfehlen könne, sagte Müller: „Lernen Sie Sprachen und gehen Sie in ein Land, sei es für ein Studium oder Praktikum, und schauen Sie dort hinter die Kulissen.“

Quelle: Caritasverband für die Diözese Eichstätt