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28.11.2006

Die Insignien des Bischofs von Eichstätt - Nur wenige Bischöfe haben das Privileg, ein Rationale zu tragen

Eichstätt. (pde) – Ring, Mitra und Stab, diese Insignien werden bei der Bischofsweihe übergeben. Für den jeweiligen Bischof von Eichstätt enthält die Weiheliturgie noch eine Besonderheit: Ihm wird das Rationale, das weltweit nur wenige Bischöfe tragen, umgelegt. Zu den Insignien, die Amt und Dienst des Bischofs deuten, gehört ferner das Brustkreuz.

Der Stab verweist auf das Hirtenamt des Bischofs und seine Verantwortung für die ihm anvertrauten Gläubigen. Schon in der altchristlichen Kunst wird Christus, der gute Hirte, mit einem Stab dargestellt. Bei der Weihe von Bischof Gregor Maria Hanke wird der „Willibaldsstab“ übergeben. Er dürfte im Umfeld der 1000-Jahr-Feierlichkeiten des Bistums Eichstätt (um 1745) entstanden sein. Seine Krümme geht aus einem vasenförmigen, mit Muschelwerkornamentik getriebenen Knauf hervor, die Krümme selbst ist mit reichem Muschelwerk und kleinen Blättchen besetzt und endet in einer blütenartigen Form ebenfalls aus Muschelwerk. Der Stab besteht aus massivem Silber und ist teilweise vergoldet.

Der Bischofsring wird bei der Weihe mit folgenden Worten übergeben: „Trag diesen Ring als Zeichen deiner Treue. Denn in unverbrüchlicher Treue sollst du die Braut Christi, die heilige Kirche, vor jedem Schaden bewahren“. Die Mitra als Zeichen des bischöflichen Amtes geht wohl auf eine Kopfbedeckung zurück, die Würdenträger im Römischen Reich trugen. Ursprünglich war sie dem Papst vorbehalten. Seit dem 11. Jahrhundert wurde auch den Bischöfen das Tragen der Mitra erlaubt. Erst viel später als die anderen Insignien wurde das Brustkreuz Zeichen bischöflicher Würde. Darum wird es als einziges der Insignien nicht bei der Weihe überreicht, denn der Weiheritus ist älter. Das Brustkreuz, auch Pektorale genannt, ist kein äußerliches Schmuckstück, sondern Zeichen der Zugehörigkeit zu Jesus Christus.

Das Rationale als bischöfliches Würdezeichen ist eine Besonderheit: Im ausgehenden Mittelalter ist es in 35 Diözesen nachweisbar, heute tragen es nur noch die Erzbischöfe von Krakau und Paderborn sowie die Bischöfe von Toul-Nancy und Eichstätt. In Eichstätt ist das Rationale seit Bischof Udalrich (1075-1099) bezeugt. Das Recht, das Rationale zu tragen, wurde dem Bischof von Eichstätt im 18. Jahrhundert nochmals päpstlich bestätigt. Das Rationale entstand als liturgisches Gewandstück im 9./10. Jahrhundert unter alttestamentlichem Einfluss. Als Vorbild dienten Efod und Choschen, kostbare Teile des Gewandes des aaronitisch Hohenpriesters. Das Rationale wird als Schulterschmuck über dem Messgewand getragen. Es besteht aus zwei, auf Brust und Rücken getragenen, U-förmigen Elementen, die an der Schulter durch zwei kreisförmige Textilstücke zusammengehalten werden. Stickereien verweisen auf die geistlichen und weltlichen Tugenden: fides, spes, caritas, prudentia, iustitia, fortitudo, temperantia, veritas, disciplina (Glaube, Hoffnung, Liebe, Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigung, Wahrheit, Ordnung). Bei der Bischofsweihe am 2. Dezember wird dem neuen Bischof ein schlichtes Rationale angelegt. Es wurde 1984 im Kloster der Franziskanerinnen in Dillingen durch Schwester Animata Probst hergestellt.

 



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