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05.09.2006

„Himmlischer Freund“ im roten Samtmantel - Sonderausstellung im Domschatz- und Diözesanmuseum zeigt Klosterarbeiten aus dem 18. und 19. Jahrhundert

Eichstätt. (pde) - Man sieht den Arbeiten an, mit welch unendlicher Geduld sie gefertigt wurden: Da wurde genäht und gestickt, geklebt und drapiert. Drähte wurden gewickelt, Papierstreifen gerollt, Wachs gegossen. Heraus kamen Objekte, die bis heute einen ganz besonderen Charme ausstrahlen: Jesuskinder, gestickte Heiligenbilder, Reisealtärchen. Unter dem Titel „Bild gewordene Andacht“ sind ab 15. September im Domschatz- und Diözesanmuseum in Eichstätt Klosterarbeiten des 18. und 19. Jahrhunderts zu sehen. Die über 70 Exponate stammen aus der Benediktinerinnenabtei St. Walburg, aus Museumsbeständen und von zwei Privatsammlern. Fatschenkindl sind darunter, ebenso künstliche Altarsträuße, Stoffklebebilder und Drahtarbeiten. „Höhepunkte sind sicherlich zwei wunderschöne Jesulein, bei uns genannt 'Himmlischer Freund', aus dem Kloster St. Walburg“, erklärt die Kunsthistorikerin Dr. Claudia Grund.

Der „Himmlische Freund“ ist stattliche 68 Zentimeter groß, trägt Leinenhemdchen mit Spitzenbesatz, Brokatkleid und einen roten Samtmantel. Der Saum des Kleides ist mit Goldspitze besetzt, die Vorderseite reich mit Blumen bestickt. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie viele Stunden eine Klosterfrau mit dieser Arbeit verbracht hat – doch genau das macht ihren Reiz aus, wie der Eichstätter Volkskundeprofessor Dr. Werner Schiedermair betont. „Die Verwendung billiger Materialien, der Einsatz schlichter Mittel und der außerordentliche Zeitaufwand tragen den klösterlichen Idealen der Armut, der Demut und der bedingungslosen, vollständigen Hingabe Rechnung. Die Herstellung von Klosterarbeiten war von der Gewissheit geprägt, dass auch armselige Dinge vor Gott einen hohen Stellenwert genießen können, wenn sie nur mit der rechten Gesinnung angefertigt worden sind.“ Klosterarbeiten seien weder naiv noch kitschig, „vielmehr repräsentieren sie in anregend nacherlebbarer Weise große Kunstfertigkeit, Erfindungsgabe und tiefste Frömmigkeit. In ihnen verbinden sich irdische und geistliche Welt“. Die Wertigkeit der Arbeiten sei mit den Maßstäben der klassischen Kunstgeschichte nicht zu messen. „Das spirituell-geistliche Moment überragt die anderen Gesichtspunkte bei weitem“, so der Experte.

Besucher der Ausstellung können ein aufklappbares, 35 Zentimeter breites Hausaltärchen bewundern. Oder ein feingeschnittenes Spitzenbild, das im vergoldeten Holzrahmen die heilige Walburga zeigt. Zu sehen ist auch ein freundlich dreinblickender heiliger Georg in einem Applikationsbild mit Drahtarbeiten. So genau die Objekte in der Ausstellung und im Katalog beschrieben werden, ein Hinweis fehlt immer: Der Name des Künstlers. „Die meisten Klosterarbeiten sind anonym“, betont der Eichstätter Volkskundeprofessor. „Man kennt die Namen der Hersteller nur in seltenen Fällen.“ Manchmal gebe es in Klosterchroniken Hinweise auf Nonnen und Mönche, die sich mit Klosterarbeiten befassten. Doch sie können in der Regel keinen einzelnen Arbeiten zugeordnet werden. Bei der Beschäftigung mit Stoff, Draht und Pinsel ging es vielmehr darum, Gott nah zu sein. „Klosterarbeiten sind nicht nur Kunstform, sondern immer auch Andachtsform. Sie sind auch Zeichen einer typisch katholischen Glaubensauffassung.“ Schiedermair: „Klosterarbeiten antworten auf ihre Weise auf die Sehnsucht des Menschen nach einem ganzheitlichen Lebensentwurf. Sie helfen mit, den Zugang zum Mysterium des Glaubens zu öffnen.“

Die Ausstellung „Bild gewordene Andacht“ ist vom 15. September bis 5. November im Domschatz- und Diözesanmuseum in Eichstätt zu sehen. Geöffnet ist Mittwoch bis Freitag von 10.30 bis 17 Uhr, Samstag, Sonn- und Feiertag von 10 bis 17 Uhr.

 

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