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Geschichte des Bistums Eichstätt im Überblick

Die im Rahmen der großen angelsächsischen Mission auf dem europäischen Festland stehenden Anfänge der Diözese Eichstätt werden ab etwa der Mitte des 8. Jahrhunderts greifbar. Ein genaues Jahr der Entstehung des Bistums ist unbekannt, eine Gründungsurkunde fehlt. Erster Bischof von Eichstätt war der Angelsachse Willibald, ein Verwandter des hl. Bonifatius. Bonifatius hatte den nach einer jahrelangen Pilgerreise im Kloster Monte Cassino in Italien lebenden Mönch Willibald in die Mission nach Germanien gerufen und ihm dort 740 die am nordwestlichen Rand des Herzogtums Baiern gelegene, von einem baierischen Adeligen namens Suidger für kirchliche Zwecke gestiftete "regio Eihstat" als künftiges Wirkungsfeld überlassen. Noch im gleichen Jahr 740 von Bonifatius in dem in Eichstätt bereits angetroffenen Marienkirchlein zum Priester geweiht, wurde Willibald im Jahr darauf in Sülzenbrücken bei Erfurt zum Bischof geweiht, möglicherweise zum Bischof von Erfurt. Gleichwohl kehrte er zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt als Bischof nach Eichstätt zurück, das mit dem von Willibald dort gegründeten Kloster nun zur Keimzelle der Diözese Eichstätt wurde.

Gundekarianum
Die Eichstätter Diözesanheiligen Willibald, Wunibald und Walburga (oben links, oben rechts und unten links) – zusammen mit dem hl. Bonifatius, dem hl. Vitus und der hl. Gunthildis (oben Mitte, unten Mitte und unten rechts) abgebildet im Eichstätter „Pontifikale Gundekarianum“, das nach Bischof Gundekar II. (1057–1075) benannt ist, auf den die Anlage dieses kostbaren Buches zurückgeht.

Unterstützung beim künftigen Ausbau der Diözese erhielt Willibald vor allem von seinem Bruder Wunibald, der 752 im zirka 35 km Luftlinie nordwestlich von Eichstätt gelegenen Heidenheim am Hahnenkamm ein weiteres Kloster errichtete, und von seiner Schwester Walburga, die nach Wunibalds Tod die Leitung des familieneigenen Klosters Heidenheim übernahm. Auch in Herrieden und Monheim entstanden schon früh Klöster von größerer Bedeutung. An späteren mittelalterlichen Klostergründungen wären etwa zu nennen Auhausen, Heilsbronn, Kastl, Plankstetten, Rebdorf und Wülzburg sowie Bergen, Gnadenberg, Seligenporten und St. Walburg in Eichstätt.

Die Grenzlage der Diözese im Schnittfeld der alemannisch-fränkisch-bayerischen Berührungszonen brachte es mit sich, dass der Kirche von Eichstätt im Mittelalter keine geringe reichsgeschichtliche Bedeutung zukam. Ihren Höhepunkt erreichte diese Entwicklung unter Bischof Gebhard I. (1042-1057), der als Viktor II. von 1055 bis 1057 auch Papst war. Gebhards Nachfolger auf dem Eichstätter Bischofsstuhl, Bischof Gundekar II. (1057-1075), brach mit den bisherigen Gepflogenheiten und wandte sich vor allem einem inneren Auf- und Ausbau des Bistums zu, was nach außen hin in den zahlreichen von ihm vorgenommenen Kirchenweihen zum Ausdruck kam.

Willibaldsburg
Die Willibaldsburg bei Eichstätt: Amts- und Wohnsitz der Eichstätter Fürstbischöfe vom 14. bis zum 18. Jahrhundert.

Erst spät, um 1300, gelang den Eichstätter Bischöfen im allgemeinen Ringen um die Bildung von landesherrschaftlichen Gebieten der entscheidende Schritt auf dem Weg zum Ausbau eines weltlichen Territoriums. Mit dem Aussterben der einst mächtigen Grafen von Hirschberg im Jahr 1305 ging ein großer Teil des so genannten Hirschberger Erbes in den Besitz der Eichstätter Bischöfe über, die fortan über ein weitgehend geschlossenes, die Bischofsstadt selbst einschließendes weltliches Territorium an der mittleren Altmühl verfügten, das so genannte Untere Stift. Das Obere Stift dagegen setzte sich zusammen aus unterschiedlich großen, nur zum Teil untereinander verbundenen Exklaven, die am Ende des Alten Reiches aus den Ämtern Wahrberg-Herrieden, Arberg-Ornbau, Wernfels-Spalt, Abenberg und Sandsee-Pleinfeld bestanden. Gemessen am Gebiet des Bistums Eichstätt war das Territorium des Hochstifts Eichstätt erheblich kleiner, brachte es dieses doch lediglich auf etwa ein Drittel der Bistumsfläche.

In der Reformationszeit waren es vor allem diese Hochstiftsgebiete, in denen die neuen Lehren keinen Eingang fanden, während ansonsten in nahezu allen übrigen Gebieten der Diözese - bedingt durch die damaligen landeshoheitlichen Gegebenheiten - das katholische Kirchenleben in zwei großen Schüben im Laufe des 16. Jahrhunderts zum Erliegen kam. Die Einführung der Reformation zog auch für die überwiegende Zahl der seinerzeit in der Diözese vorhandenen Klöster mit ihrer oft weit in das Mittelalter zurückreichenden Tradition wie etwa Heidenheim die Aufhebung nach sich.

Maria Brünnlein
Die Wallfahrtskirche „Maria Brünnlein zum Trost“ bei Wemding: Das ab 1748 anstelle einer Feldkapelle errichtete und 1782 konsekrierte Gotteshaus mit seiner reichen Rokokoausstattung, darunter Fresken von Johann Baptist Zimmermann, ist heute die bedeutendste Marienwallfahrtsstätte in der Diözese Eichstätt.

In den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts kam etwa ein Drittel des durch die Reformation verloren gegangenen Gebietes des Bistums Eichstätt wieder unter katholische Landeshoheit. Mit dem Wiederaufbau und der Erneuerung des kirchlichen Lebens in den wiedergewonnenen wie verbliebenen Gebieten waren vor allem die Kapuziner und Jesuiten betraut, wobei letzteren seit 1614 auch die Eichstätter Priesterausbildung oblag. Das nach dem Dreißigjährigen Krieg allenthalben zu beobachtende Aufblühen barocker Frömmigkeit schlug sich auch in der Diözese Eichstätt nicht zuletzt in einer Vielzahl neu errichteter Sakralbauten und einer geradezu flächendeckenden Barockisierung der Kirchenlandschaft nieder, ehe diese Entwicklung mit der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Ende fand. Mit der 1806 erfolgten endgültigen Einverleibung der ehemaligen Hochstiftsgebiete in das neue Bayern war der bayerische König Landesherr über alle Gebiete des Bistums Eichstätt geworden. Im Gefolge der Gleichstellung der christlichen Konfessionen im neuen bayerischen Staat, die es Katholiken erleichterte, in evangelischen Gebieten Wohnung zu nehmen wie umgekehrt Protestanten in katholischen, entstanden ab etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts im knapp die Hälfte der Diözese umfassenden Diasporagebiet vereinzelt einige neue katholische Seelsorgebezirke und Pfarreien wie etwa Schwabach, Altdorf, Weißenburg und Gunzenhausen. Ansonsten blieben die überkommenen konfessionellen Verhältnisse bis 1945 im Wesentlichen unverändert erhalten.

Gunzenhausen
Die Glasfenster in der 1960 geweihten Pfarrkirche von Gunzenhausen stammen von der Künstlerin Alpheda Puluj-Hohenthal, Litzldorf bei Rosenheim. Das Bild thematisiert die Auferstehung Jesu.

Erst durch die Ansiedlung zahlreicher Heimatvertriebener nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich dieses Bild geradezu schlagartig. 1948 zählte die Diözese ca. 340 000 Katholiken, über ein Drittel mehr als noch 1940. Der Bevölkerungsanstieg zog die Errichtung einer Reihe neuer Pfarreien, Exposituren und Kuratien und damit einhergehend zahlreicher neuer Kirchen vor allem in den mittelfränkischen Diasporagebieten und in den beiden Ballungsräumen Ingolstadt und Nürnberg nach sich. Seinerzeit erlebte die Diözese Eichstätt eine Bautätigkeit im sakralen Bereich wie seit der Barockzeit nicht mehr und einen Ausbau ihres Pfarrnetzes, wie er seit der Ausbildung und Verfestigung der konfessionellen Verhältnisse in der Frühen Neuzeit kaum denkbar gewesen wäre. Erst im Laufe der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts flachte diese Welle der kirchlichen Neubauten und pfarrorganisatorischen Änderungen wieder ab.

Eichstätt 2006 - Leo Hintermayr, Bischöfliches Ordinariat Eichstätt

Bilder (Leo Hintermayr):
Willibald, Bonifatius und Wunibald, Pontifikale Gundekarianum (um 1072)
Willibaldsburg in Eichstätt
Wallfahrtskirche Maria Brünnlein in Wemding
Glasfenster (1977/78) der Stadtpfarrkirche Mariä Unbefleckte Empfängnis in Gunzenhausen

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Willibaldswoche

"Aufbrechen im Glauben": www.willibaldswoche.de

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