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Zur Geschichte des Eichstätter Domkapitels

Das Eichstätter Domkapitel geht in seinen Anfängen zurück auf das vom hl. Willibald 740 gegründete Benediktinerkloster in Eichstätt, dessen Leitung Willibald auch als Bischof beibehielt. Die Insassen des Klosters führten ein „Gemeinschaftsleben“, die „Vita communis“, und hatten auch allen Besitz gemeinsam. Sie hatten neben Gebet und Arbeit entsprechend der Benedikt-Regel auch seelsorgerliche und missionarische Aufgaben zu erfüllen.

Das Eichstätter Domkloster wurde vermutlich zu Beginn des 9. Jahrhunderts in ein weltliches Chorherrenstift umgewandelt. Im 11. Jahrhundert war das bisherige Kapitelsgut bis auf einen Rest in einzelne „Pfründen“, „Kanonikate“ aufgeteilt, die den einzelnen Mitgliedern zum Lebensunterhalt zur Verfügung gestellt waren, aber Eigentum der Gemeinschaft blieben. Ein gemeinschaftliches Leben wurde, vom gemeinsamen Chorgebet abgesehen, nicht mehr geführt. Das „Domkapitel“ Eichstätt war „entstanden“.

Durch die Säkularisation von 1803 infolge der Französischen Revolution wurden die Domkapitel enteignet und aufgehoben, die Domkapitulare und Domvikare mit Pensionen abgefunden. In Eichstätt erfolgte die förmliche Aufhebung 1806. Auf der Grundlage des zwischen dem Vatikan und dem Königreich Bayern 1817 geschlossenen Konkordats wurde die Aufhebung rückgängig gemacht. Das Domkapitel Eichstätt wurde am 25. November 1821 im Dom feierlich wiedererrichtet. Die Kapitulare können sich zu Sitzungen versammeln und besitzen das Recht auf gemeinsames Eigentum und dessen freie Verwaltung. Alle Kapitulare sind Mitglieder der Ordinariatskonferenz zur Beratung und gegebenenfalls zur Beschlussfassung in Angelegenheiten der Diözese. Darüber hinaus arbeiten sie wie die Domvikare in der Diözesanleitung und -verwaltung mit. Zu ihren Pflichten zählt auch der Chordienst beziehungsweise die Feier der Liturgie im Dom. Diese rechtlichen Verhältnisse hat das neue Konkordat von 1924 übernommen.

Am 21. März 2005 beschloss das Eichstätter Kathedralkapitel ein neues „Statut des Domkapitels Eichstätt“, das nach Billigung durch den H. H. Bischof am 1. Mai 2005 in Kraft getreten ist.

Im Konkordat vom 1817 hatte sich das Königreich Bayern verpflichtet, die Diözesen und Domkapitel mit weltlichen Gütern auszustatten, von deren Erträgnissen der Lebensunterhalt des Bischofs und der Kapitelsmitglieder und auch die Sachausgaben bestritten werden sollten. Da der bayerische Staat diese – im Konkordat von 1924 wiederum zugesagte – Dotation bis heute nicht geleistet hat, werden Bischöfe, Domkapitulare und Domvikare vom Staat besoldet.

(vgl. Ernst Reiter, Das „alte“ Domkapitel, in: Eichstätt – ein Bistum im Herzen Bayerns, hrsg. vom Bischöflichen Ordinariat Eichstätt 2001)