
"Der Legende nach brachten Engel das Wohnhaus der Heiligen Familie von Nazareth nach Loreto, heute eine der bedeutendsten Wallfahrtsstätten Italiens. Zur Zeit der Kreuzzüge wurde dieses kostbare Relikt aus dem Leben Jesu vor dem Ansturm der Muselmanen in Sicherheit gebracht.
Jesus wuchs in einer Familie heran und wurde einer von uns. Jeder Wallfahrtsort erinnert: Gott wird Mensch! Er begegnet uns in Augenhöhe. Kein Lebensschicksal ist ihm fremd.
Das Haus des Herrn in Loreto, über dem eine große Kirche errichtet wurde, hat ursprünglich nur drei Wände. Diese Kuriosität macht deutlich: Es steht für alle offen! Egal wer kommt, es ist genügend Platz.
Suchende, Leidgeprüfte, Schuldiggewordene... drängen zu den Wallfahrtsorten, die den Eindruck vermitteln: Hier wohnt Gott und er nimmt sich um Jeden an.
Eine Wallfahrt ist verbunden mit dem Blick in das eigene Lebenshaus. Gibt es da verschlossene Räume, zu denen ich gar keinen Zutritt habe? Was liegt an Verdrängtem im dunklen Keller des Bewusstseins und nagt längst an den Fundamenten? Bin ich wirklich selbst Herr in meinem Haus oder sind da Untermieter wie Ängste, Ärger, Aggression, die sich eingeschlichen haben...?
Die Heilige Jungfrau von Loreto ist die Patronin aller, die zu Wasser, Land und in der Luft unterwegs sind.
Ich wünsche allen Pilgern den besonderen Schutz Mariens und den Mut im eigenen Lebenshaus nach dem Rechten zu sehen."
Reinhard Kürzinger, Domvikar
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