Fünfzehn Frauen und neun Männer aus dem Bistum Eichstätt sind derzeit als „missionarische Kräfte“ in zwölf Ländern im Einsatz. Sie leisten eine Arbeit, die zum Wesen der Kirche gehört: „Mission“. Dabei zeigt sich, wie sich der Begriff über die Jahrhunderte gewandelt hat: Früher bedeutete Mission vor allem Bekehrung und die Weitergabe des christlichen Glaubens, oft verbunden mit der Anpassung fremder Kulturen an europäische Lebensweisen.
Heute versteht die Kirche Mission als Ausdruck einer globalen Glaubens- und Gemeinschaftsbewegung. Missionarische Arbeit bedeutet nicht mehr primär „Evangelisieren“, sondern das Miteinanderleben, Teilen und Lernen voneinander in einer weltweiten Kirche. Solidarität, Austausch und gegenseitige Unterstützung stehen im Mittelpunkt.
Für das Bistum Eichstätt konkretisiert sich dies in engem Kontakt der Missionarinnen und Missionare mit der Heimatdiözese. Sie berichten von ihren Erfahrungen, bringen Impulse in die lokale Gemeindearbeit ein und stärken die Partnerschaft mit der Weltkirche. Auf diese Weise wird Mission heute als gemeinschaftliches Handeln und gelebtes Glaubenszeugnis verstanden.
Zu den Missionskräften gehören auch junge Menschen aus dem Bistum Eichstätt, die für ein Jahr einen internationalen Freiwilligendienst leisten. Sie tragen einen persönlichen und konkreten Beitrag für eine bessere Welt bei, indem sie mit Menschen einer anderen Kultur zusammenleben, deren Lebensweise, Bedürfnisse und Sorgen kennenlernen und neue Perspektiven auf die Welt, ihre eigene Kultur und ihr eigenes Leben gewinnen.
Auf diese Weise lernen die Freiwilligen viel über andere Kulturen, tragen zu einem friedlichen Zusammenleben der Völker bei und legen ihr persönliches Zeugnis als Christinnen und Christen in der Welt und in ihrem Umfeld ab – ganz im Sinne des ursprünglichen Gedankens, dass jede Christin und jeder Christ gesandt ist, also selbst Missionarin oder Missionar.
Seit 2023 arbeitet das Bistum Eichstätt im Bereich der internationalen Freiwilligendienste mit „Jesuiten weltweit“ in Nürnberg, dem Missionszweig der Gesellschaft Jesu in Deutschland, zusammen. Dies betrifft die Vor- und Nachbereitung der Freiwilligeneinsätze sowie die Kooperation mit Partnerorganisationen in den Einsatzländern. Unter dem Dach von „Jesuit Volunteers“ (JV), das auch mit „weltwärts“, dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, kooperiert, bietet die Diözese Eichstätt Einsatzstellen in der Partnerdiözese Poona in Indien und in der Diözese Koforidua in Ghana an.
In der katholischen Kirche in Deutschland einmalig, setzt sich die Diözese Eichstätt mit einem ostkirchlichen Priesterseminar für die Weltkirche ein. Das Collegium Orientale Eichstätt (COr) wurde 1998 gegründet und ist eine internationale und interkonfessionelle Einrichtung des Bistums. Es dient als Priester- und Studienseminar für Theologiestudierende und geweihte Kleriker der katholischen Ost‑ und Oriental‑Kirchen sowie orthodoxer Schwesterkirchen. Im Collegium leben Seminaristen, Diakone und Priester aus zahlreichen Ländern und Kirchen gemeinsam, lernen voneinander und feiern das geistliche Leben nach östlichen liturgischen Traditionen, vor allem im byzantinischen Ritus.
Ein zentrales Anliegen des Collegiums ist der ökumenische Dienst für die Einheit der Kirchen. Durch die tägliche Gemeinschaft, die liturgische Praxis und das Studium im Rahmen eines ostkirchlichen theologischen Studiengangs an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt wird nicht nur die theologische Qualifikation der Ostkirchen gefördert, sondern auch das interkirchliche Verständnis und die Begegnung zwischen Ost und West gestärkt. Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 ist das Collegium Orientale zudem eine wichtige Drehscheibe für Hilfe an die Opfer des Krieges.
Das Collegium Orientale bietet so eine einmalige Ausbildungs- und Lebensgemeinschaft, in der Kultur-, Ritus- und Kirchenvielfalt im Alltag gelebt wird und Christinnen und Christen aufeinander zugehen, um Einheit und Verständigung zu fördern. Über das Referat Weltkirche finanziert die Diözese Eichstätt das Collegium Orientale mit. Die Absolventen kehren in der Regel zum Einsatz in der Seelsorge in ihre Heimatländer zurück.