Bischof Gregor Maria Hanke wurde 1954 als Franz Maria Hanke in Elbersroth im mittelfränkischen Landkreis Ansbach geboren. Bereits früh zeichnete sich seine enge Verbindung zur Kirche ab: Nach dem Besuch der Volksschule wechselte er 1965 in das Bischöfliche Studienseminar in Eichstätt. Das Theologiestudium absolvierte er in Eichstätt und London, gefolgt von einem Jahr als Religionslehrer. 1981 trat er in die Benediktinerabtei Plankstetten ein und legte ein Jahr später seine Ordensgelübde ab – verbunden mit der Annahme des Ordensnamens Gregor Maria. 1983 wurde er zum Priester geweiht, 1993 wählte ihn der Konvent der Abtei zum Abt. Als 81. Nachfolger des heiligen Willibald wurde er im Oktober 2006 zum Bischof von Eichstätt ernannt und am 2. Dezember 2006 zum Bischof geweiht.
02.07.1954: geboren in Elbersroth (Stadt Herrieden/Lkrs. Ansbach) als Franz M. Hanke
1960-1965: Volksschule Elbersroth
1965-1974: Bischöfliches Studienseminar in Eichstätt, Besuch des Willibald-Gymnasiums
1974: Abitur, Eintritt in das Eichstätter Priesterseminar
1976/77: Studienjahr in London
1980: Diplomabschluss Katholische Theologie an der Katholischen Universität Eichstätt
1980/81: Religionslehrer an der Berufsschule in Roth
1981: Eintritt in die Benediktinerabtei Plankstetten
1982: Profess, Ordensname: Gregor Maria
1982-1985: Studium der Anglistik in Eichstätt und Oxford
10.09.1983: Priesterweihe in Plankstetten durch Bischof Dr. Alois Brems
1983-85: Auslandsstudium in Oxford
1985: Rückkehr in die Abtei Plankstetten: Gastmeister, Aufbau und Leitung des Bildungshauses St. Gregor (bis 1990); danach weiterführende Studien u.a. in Rom am Päpstlichen Orientalischen Institut 1990/91
13.07.1993: Wahl zum 54. Abt der Benediktinerabtei Plankstetten
02.10.1993: Abtweihe durch Bischof Dr. Karl Braun
2002: Promotion an der Theologischen Fakultät der Jesuitenhochschule in Frankfurt St. Georgen
14.10.2006: Ernennung durch Papst Benedikt XVI. zum 82. Bischof von Eichstätt
02.12.2006: Bischofsweihe im Dom zu Eichstätt durch Erzbischof Dr. Ludwig Schick
08.06.2025: Rücktritt in den frühzeitigen Ruhestand auf eigenen Wunsch
Der Benediktiner Gregor Maria Hanke hat eine klare geistliche Orientierung und große spirituelle Tiefe in das Bischofsamt gebracht. Sein Verständnis von kirchlicher Leitung war durch das benediktinische Ideal des „Gehör Schenkens“ und der Demut geprägt. In seinem Wirken wurde stets deutlich: Kirche ist mehr als Organisation – sie ist geistliche Weggemeinschaft. Dabei verstand er sich selbst weniger als Kirchenfunktionär, sondern als betender Seelsorger mit einem offenen Ohr für die Fragen der Zeit. Seine priesterliche Berufung lebt er in Treue, geprägt von einer tiefen Spiritualität und einer Liebe zur Liturgie. Besonders der regelmäßige persönliche Rückzug in Gebet und Stille war ihm wichtig – ein Bedürfnis, das er sich auch in den fordernden Jahren des Bischofsamtes bewahrte. Regelmäßig half Bischof Hanke in Pfarreien aus und feierte mit den Gläubigen die Messe, wenn ein Ortspfarrer ausfiel.
Ein zentrales Thema der Amtszeit von Bischof Hanke war der achtsame Umgang mit der Schöpfung. In einer Zeit globaler ökologischer Herausforderungen setzte er früh Zeichen: Als engagierter Unterstützer der Enzyklika Laudato si’ von Papst Franziskus initiierte er im Bistum ein Klimaoffensive, die sowohl strukturelle Maßnahmen als auch eine geistliche „Ökologie des Herzens“ umfasst. Für ihn bedeutete Schöpfungsverantwortung nicht nur CO₂-Bilanzen, sondern eine grundlegende Haltung der Dankbarkeit und des Respekts vor dem Leben. „Mir selbst ist die Bewahrung der Schöpfung seit jeher ein ganz großes Anliegen. Dazu gehört auch die gerechte Verteilung der Güter und Ressourcen. Das ist ein Thema christlichen, solidarischen Lebensstils“, sagte Hanke. Seine Mahnung, dass Christen sich vom Evangelium her mutig für den Schutz der Natur einsetzen sollten, verband er mit konkretem Handeln: vom energetischen Sanieren kirchlicher Gebäude bis zur Förderung einer nachhaltigen Lebensweise auf Pfarrei-Ebene.
Als Bischof sah sich Hanke in seinem Dienst auch mit schwierigen Themen konfrontiert, insbesondere mit der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im kirchlichen Raum. In zahlreichen öffentlichen Stellungnahmen betonte er die Notwendigkeit, die Betroffenen in den Mittelpunkt zu stellen, hinzuhören, Schuld zu benennen und aus Fehlern zu lernen. Die in diesem Bereich defizitäre Sozialgestalt der Kirche war für ihn nicht nur ein Befund, sondern eine Mahnung, sich dem eigenen Versagen zu stellen. „Wie konnte es geschehen, dass die Betroffenen so lange keinen Raum gefunden haben, in dem sie Gehör fanden?“ – diese Frage, die er sich in einem Jahresrückblick stellte, war Ausdruck einer tiefen inneren Auseinandersetzung mit den Versäumnissen der Vergangenheit. „Meine Gespräche mit Opfern des sexuellen Missbrauchs haben mich selbst tief erschüttert und manches in mir verändert“, schreibt Hanke in seinem Brief an Mitarbeitende zu seinem Rücktritt.
Ein weiteres bedeutendes Kapitel in seiner Amtszeit stellte sein entschlossenes Eintreten für Transparenz und Aufklärung im Zusammenhang mit dem Finanzskandal im Bistum Eichstätt dar. In einer Phase großer Verunsicherung übernahm er Verantwortung und setzte frühzeitig klare Signale: Er selbst forderte die lückenlose Aufarbeitung der Vorwürfe, brachte die Angelegenheit zur Anzeige und stellte sich auch persönlichen Anschuldigungen. Mit seiner Haltung unterstrich Bischof Hanke, dass kirchliches Handeln glaubwürdig nur dann sein kann, wenn es sich an Wahrheit und Gerechtigkeit orientiert. Bereits damals überlegte er, dem Papst seinen Rücktritt anzubieten. Er entschied sich dagegen: „Ich übernehme Verantwortung. Und das heißt, dass ich mich jetzt nicht auf den besseren Teil des Lebens zurückziehe, nämlich in den Ruhestand gehe, sondern dass ich mich den Problemen und Anforderungen, die es hier gibt, stelle.“
Bischof Hanke war überzeugt davon, dass Kirche nicht auf Strukturfragen reduziert werden darf. Vielmehr müsse es darum gehen, tragfähige Konzepte für die pastorale Zukunft zu entwickeln. Mit den Pfarrverbänden verband er die Hoffnung auf lebendige Glaubensgemeinschaften, die aufeinander hören, gemeinsam ringen, wachsen und neue Formen von Kirche vor Ort erproben. Auch den Synodalen Weg begleitete er mit kritischer Offenheit. In verschiedenen Interviews stellte er klar, dass der Weg nur dann fruchtbar sein könne, wenn er sich nicht als parlamentarischer Entscheidungsmechanismus verstehe. „Oder verstehen wir uns als geistliche Weggemeinschaft, die in einem inneren Prozess in den Dialog mit der Tradition und in den Dialog mit der Weltkirche eintritt. Ich befürchte, dass viele Beschlüsse zwar gefasst werden, man sich damit aber von der Tradition und der Gemeinschaft der Weltkirche abkapselt.“ Sein Appell war eindeutig: Dialog ja – aber im Geist der Treue zur Weltkirche und zur Lehre.
Mit Empathie und Klarheit engagierte sich Bischof Hanke für die bedrängten Christen im Nahen Osten. Seine Reisen etwa nach Syrien und Ägypten hinterließen bei ihm tiefe Spuren. Besonders das Glaubenszeugnis junger Christen, die trotz Gewalt und Diskriminierung ihren Glauben leben, beeindruckte ihn nachhaltig. Für ihn waren sie lebendige Mahnung, das eigene Christsein in Deutschland mit mehr Feuer und Entschiedenheit zu leben.
Ein besonderes Anliegen war ihm stets die humanitäre Verantwortung Europas in der Flüchtlingsfrage. Er trat für eine Asyl- und Migrationspolitik ein, die auf Menschlichkeit und Gerechtigkeit gründet. Mit Nachdruck forderte er eine doppelte Strategie: die Förderung einer echten Integration in unsere Gesellschaft – verbunden mit einer ehrlichen Auseinandersetzung mit den eigenen kulturellen und geistlichen Wurzeln – sowie eine solidarische Entwicklungspolitik, die den Ursachen von Flucht wirksam begegnet. Dabei scheute Hanke nicht davor zurück, den westlichen Lebensstil kritisch zu hinterfragen und mahnte zu globaler Verantwortung und zu einem fairen wirtschaftlichen Miteinander. In seiner klaren Ablehnung jeder Form von Rassismus und Extremismus betonte er die Unverhandelbarkeit der Menschenwürde – unabhängig von Herkunft, Religion oder Aufenthaltsstatus.
In persönlichen Gesprächen zeigte sich Gregor Maria Hanke nahbar, selbstkritisch und mit feinem Humor. Er sprach offen über die Einsamkeit des Amtes, das Ringen um Gebetszeiten, den Wunsch, nicht zum Folklore-Bischof zu werden – und über seine Liebe zu den Bergen, zum Klettern, Motorradfahren und gelegentlich zu James-Bond-Filmen. Ein Bischof, der auch in der Öffentlichkeit stets klare Positionen bezog – sei es in gesellschaftlichen, ökologischen oder politischen Fragen – und zugleich nie die Verbindung zur geistlichen Mitte verlor.
Der Rückblick auf fast 19 Jahre als Diözesanbischof ist auch ein Dank für den unermüdlichen Dienst eines Mannes, der das Bistum stets aus dem Glauben heraus geleitet hat. Für seine Bescheidenheit, seine Treue zur benediktinischen Berufung, sein geistliches Ringen und seine unaufgeregte Führung ist die Diözese Eichstätt Bischof Gregor Maria Hanke zu großem Dank verpflichtet.