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03.07.2020

Willibald von Eichstätt – Abenteurer, Pilger und Missionar in der „Pampa“

Der hl. Willibald und sein 81. Nachfolger Bischof Gregor Maria Hanke im Eichstätter Dom. pde-Archivfoto: Geraldo Hoffmann

Der Bistums- und Stadtpatron am Eichstätter Marktplatz. pde-Foto: Geraldo Hoffmann

Eichstätt. (pde) – Das Bistum Eichstätt gedenkt jedes Jahr Anfang Juli – auch jetzt in Coronazeiten – seines ersten Bischofs und Schutzpatrons Willibald. Was aber bedeutet der angelsächsische Missionar, der im Mittelalter lebte, die halbe Welt bereiste und über Jahrzehnte in Eichstätt wirkte, noch den Menschen im Bistum im 21. Jahrhundert?

Die Willibaldswoche lädt dazu ein, „auf den Bistumsgründer zu schauen und uns von ihm die Frage stellen zu lassen, was wir von seinen Impulsen in das Heute übersetzt haben und welche noch darauf warten, die Kirche der Zukunft lebendig zu gestalten“, sagt Ordinariatsrätin Barbara Bargorski, Cheforganisatorin der Festwoche.

Wenn heute junge Menschen aus Deutschland zu einem Freiwilligen Sozialen Jahr oder einem Einsatz als „Missionare auf Zeit“ in ferne Länder fliegen, mag das für manche von ihnen und ihre Familien der Beginn eines großen Abenteuers sein. Das ist es aber nur bedingt, verglichen mit dem, was Willibald unternommen hat, bevor er Bischof von Eichstätt wurde. Mit 20 Jahren bricht er 721 mit seinem Vater Richard und seinem Bruder Wunibald von der Küste Südenglands aus zu einer abenteuerlichen Pilgerreise ins Heilige Land auf. Sie durchqueren Frankreich, überwinden die eisigen Pässe der Alpen und erreichen Rom, das junge Zentrum der katholischen Kirche mit dem Grab des heiligen Petrus. Der Vater stirbt unterwegs in Lucca. In der „Ewigen Stadt“ Rom lässt Willibald seinen erkrankten Bruder zurück, um die Wirkungsstätten Jesu im Heiligen Land zu erkunden. Auf der Rückreise nimmt er sich eine Auszeit als Einsiedler in Konstantinopel, dem Zentrum der Ostkirche. Dann kehrt er schließlich nach Italien zurück und schließt sich den Benediktinern in Montecassino an. 739 schickt ihn Papst Gregor III. auf Bitten von Bonifatius, dem „Apostel der Deutschen“, in die Mission nach Germanien. Um 740 kommt Willibald in Eichstätt an. Noch im selben Jahr wird er von Bonifatius zum Priester geweiht, beginnt mit der Seelsorge und dem Bau eines Klosters. Ein Jahr später weiht ihn Bonifatius in Sülzenbrücken zum Bischof. Um 745 entsteht das Bistum Eichstätt und Willibald beginnt mit der Errichtung der Bischofskirche und dem Aufbau kirchlicher Strukturen. An einem 7. Juli, wahrscheinlich 787, stirbt er und wird im Chor des Eichstätter Domes beigesetzt. Am 22. April 989 wurden seine Gebeine von Bischof Reginold erhoben, Willibald war damit heiliggesprochen.

Als ihn der Papst in die Mission sandte, soll Willibald gesagt haben: „Wo immer du mich hinsendest, dort hin will ich gehen, und wäre es an das Ende der Welt.“ Das Ende der Welt, das muss damals Eichstätt gewesen sein. „Hier war ja nichts. Es war Pampa“, sagt Bischof Gregor Maria Hanke, der 81. Nachfolger Willibalds und wie der Diözesanheilige ein Benediktiner. Willibald habe geduldig das Wort Gottes verkündet und Menschen gesammelt. „Er hatte eine unwahrscheinliche Bereitschaft in sich gehabt, den Willen Gottes zu suchen und dem Willen Gottes und damit den Menschen zu dienen“. In seiner Biografie, welche die Nonne Hugeburc zur Lebzeiten geschrieben hat, wird er mit einer Biene verglichen. „Er hatte den Eifer und wahrscheinlich auch die Beweglichkeit einer Biene gehabt. Er war wie die Biene auf die Sonne hin orientiert. Und die Sonne war für ihn Christus und das Evangelium“, so Hanke.

Bleibender Auftrag: Missionarische Verkündigung

An Willibalds Wirken im Bistum Eichstätt erinnert nicht nur der Dom. Das Collegium Willibaldinum, das älteste Priesterseminar nördlich der Alpen, trägt seinen Namen ebenso wie die Willibaldsburg, ein Verlag, eine Stiftung und eine staatliche Schule in Eichstätt, wo er auch als Stadtpatron über dem Marktplatz thront. Zudem ist er Schutzheiliger von 19 Kirchen auf dem Gebiet der Diözese. Auch als Patron der Schlosser wird er geführt. Nicht bekannt ist die tatsächliche Zahl seiner Verehrer, nach Informationen des diözesanen Meldewesens sind immerhin 870 Katholiken im Bistum Eichstätt auf den Namen „Willibald“ getauft, weitere 113 haben die Kurzformen „Willi“ oder „Willy“ im Eigennamen. Laut Statistiken von Ahnenforschungswebsites tragen 6.635 Deutsche den Vornamen „Willibald“.

Der Name ist Programm. In der altdeutschen Sprache wird der Vorname Willibald als „Der mit kühner Entschlusskraft“ interpretiert. Mutig und entschlossen ist Willibald seinen Weg des Glaubens gegangen und hat das Christentum in Eichstätt und Umgebung verbreitet. Eine bleibende Frage, die sich nach Auffassung von Barbara Bagorski mit Blick auf den Diözesanheiligen stellt: „Wie kann konsequente Nachfolge Christi im jeweiligen Hier und Heute gelebt werden?“ Willibald lade dazu ein, Gemeinschaft zu leben, „eine Gemeinschaft, die offen ist für die unterschiedlichsten Formen des religiösen Lebens und die dem Einzelnen die Möglichkeit gibt, sich in seiner Individualität angenommen zu wissen.“ Es sei notwendig zu überlegen, welche Strukturen der Veränderung bedürften, wo Neuansätze erforderlich seien oder bestehende Angebote kritisch geprüft werden müssten.

„Willibald war ein Pilger und gleichzeitig mit seinen Wurzeln in der Familie verbunden. Familie und Gemeinschaft waren ihm zeitlebens wichtig“, betont Bagorski. Gleichzeitig habe er auch um die Notwendigkeit eines Gleichgewichts zwischen Nähe und Distanz gewusst. „Heute ist es unsere Aufgabe, Orte zu schaffen, an denen die vielen Pilgernden ein für sie entsprechendes ‚zu Hause‘ finden können, das ihnen Kraft und Zuversicht für den Lebensweg gibt.“ Willibald stehe für einen Christen, der dazu ermutige, die Tradition in jeder Generation neu zu durchdenken und sie den Bedürfnissen gerecht zu gestalten. Äußere Formen könnten sich ändern – die Botschaft aber bleibe: „Missionarische Verkündigung ist ein bleibender Auftrag aller Getauften. Nur gemeinsam kann es gelingen, die Herzen der Menschen zu erreichen“.

Weitere Informationen gibt es unter www.willibaldswoche.de.



Willibaldswoche zu Hause

Bischof Gregor Maria Hanke lädt die Gläubigen in seinem Bistum ein, die diesjährige Willibaldswoche zu Hause mitzufeiern. Videoeinladung.

Willibaldswoche

Die Willibaldswoche findet seit 2009 jährlich statt. Anlass der Begegnungs- und Wallfahrtswoche für die Gläubige der Diözese Eichstätt ist der Gedenktag des Bistumsgründers Willibald, dessen Todestag der 7. Juli 787 war.

Kontakt

Bischöfliches Ordinariat Eichstätt
Hauptabteilung III: Pastoral
Luitpoldstr. 2,
85072 Eichstätt,
Tel. (08421) 50-601
Fax (08421) 50-609, oder 50-628
E-Mail: willibaldswoche(at)bistum-eichstaett(dot)de