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05.09.2025

Friedensarbeit schafft das Fundament

Der Südsudan ist Bruder Hans Eigner bereits vertraut. Hier ist er mit Bischof Christian Carlassare (l.) in den Flüchtlingslagern von Bentiu zu sehen. Foto: Comboni-Missionare

Eichstätt - Nächstes Jahr wird er 70. In einem Alter, in dem die meisten schon aus dem Beruf ausgestiegen sind und sich langsam ein bisschen Ruhe gönnen, nimmt Comboni-Missionar Bruder Hans Eigner noch einmal eine große Herausforderung an: Der erfahrene Bauingenieur, der aus Laibstadt bei Hilpoltstein stammt,  geht für einen weiteren Einsatz in den Südsudan, wo unter seiner Leitung als erstes eine Primarschule für 1.000 Kinder entstehen soll. Gerufen hat ihn der Bischof der neu gegründeten Diözese Bentiu, Christian Carlassare. Der 48-Jährige ist ebenfalls Comboni-Missionar. Er kennt Eigner von früheren Projekten und erhofft sich von ihm Unterstützung beim Aufbau der neuen Diözese, in der es auf rund 38.000 Quadratkilometern nur sieben Pfarreien gibt. Neben den weiten Entfernungen und der fehlenden Infrastruktur gibt es aber eine noch viel größere Herausforderung: Die Bevölkerung des Bistums setzt sich größtenteils aus Angehörigen der Stämme der Dinka und der Nuer zusammen. Diese beiden Hirtenvölker streiten sich seit jeher um politische Macht und Zugang zu Ressourcen. Ein mehrjähriger Bürgerkrieg gilt zwar offiziell als beendet, aber gewaltsame Konflikte flammen immer wieder auf. Wichtigste seelsorgliche Aufgabe in der Diözese Bentiu, weiß Eigner, wird deshalb die Friedens- und Versöhnungsarbeit sein. Und das wiederum heißt für ihn: Bildungsarbeit, Jugendarbeit, Kleinprojekte, die Frauen-Selbständigkeit fördern. Hoffnung gelte es zu schaffen, „gerade auch für die Flüchtlinge“.

Schwierige Bedingungen

Nach aktuellen Angaben der UNO-Flüchtlingshilfe sind 1,9 Millionen Südsudanesen im eigenen Land auf der Flucht. Viele Menschen waren während des Bürgerkriegs auch nach Norden, in den Sudan, geflohen, Bentiu liegt nicht weit von der Grenze weg. Aber weil im Sudan seit mehr als zwei Jahren ein militärischer Machtkampf mit Waffengewalt und ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung tobt, bewegt sich der Flüchtlingsstrom nun wieder zurück in Richtung Südsudan. Dieser ist erst seit 2011 ein eigener Staat.Dass es in der Region um Bentiu große Ölvorkommen gibt, ist für die Einheimischen eher Fluch als Segen. Sie bleiben auf zerstörter Umwelt sitzen, die Gewinne fließen aus dem Land. An entwicklungspolitischen Maßnahmen für die Menschen in der Region bestehe an verantwortlicher Stelle eigentlich gar kein Interesse, meint Eigner nüchtern. Zuschüsse für die geplante Schule kann er nicht erwarten. Dabei wird der Bau keine einfache Angelegenheit werden, denn die Region Bentiu liegt im Überschwemmungsgebiet des Nil. Dürreperioden wechseln sich ab mit Fluten, der Boden ist abwechselnd steinhart und schlammig, die Dörfer sind nur durch provisorische Dämme vor den Wassermassen geschützt. Sand, Schotter, Zement, alles was Bauingenieur Eigner für einen stabilen Untergrund braucht, „ist exorbitant teuer“, weiß er. Das Gebäude – auf sicherem Fundament - wird in Lehmbauweise entstehen und ein Dach bekommen, das vor Regen schützt. Das dafür nötige Blech sei immerhin relativ erschwinglich, berichtet der Comboni-Missionar. Fachmännischen Rat holt sich Eigner gerade bei einem Lehm-Experten aus dem Schwäbischen, der schon in Kamerun gebaut hat. Gelder versuchen Eigner und Bischof Carlassare über kirchliche Hilfswerke und eigene Netzwerke und Freundeskreise aufzutreiben. So freute sich Eigner kürzlich über eine Spende von 1.000 Euro, die ihm die Marianische Männerkongregation Eichstätt überreichte. Mit Unterstützung eines österreichischen Hilfswerks hat er Betonmischer und Schweiß-Generatoren organisiert, bei einem Händler daheim in Heideck konnte er günstig einen Erdbohrer zum Setzen von Bohrpfählen erstehen.

 

Erfahrung und fester Wille

Schon vor seinem Studium in Stuttgart hatte Eigner die Comboni-Missionare kennengelernt. Einer von ihnen, Pater Josef Schmidpeter, der frühere Weltkirche-Referent des Bistums Eichstätt, kommt aus seinem Heimatort. Als Schüler besuchte Eigner das Comboni-Internat in Neumarkt und absolvierte später seinen Zivildienst am Ordens-Standort Ellwangen. Als fertig ausgebildeter Bauingenieur ging er dann 1984 als „Missionar auf Zeit“ („MaZ-ler“) im Auftrag der Comboni-Missionare für drei Jahre nach Kenia. Dort traf er Pater Josef Gerner aus Meckenhausen, „der mit viel Hingabe in den Elendsvierteln von Nairobi gearbeitet hat“. Er selbst sei damals ein junger Weltverbesserer gewesen. „Ich wollte helfen und mich in Afrika einsetzen, da ich das Gefühl hatte, dass die Menschen dieses Kontinents viele Jahrzehnte vernachlässigt, ausgebeutet und unterdrückt wurden. Aber die eigentlichen Wesensmerkmale der Mission, nämlich Glaube und Gottvertrauen, habe ich von den Menschen in Afrika gelernt.“ 1988 begann er sein Noviziat bei den Comboni-Missionaren und war fortan abwechselnd an Standorten des Ordens in Deutschland und Afrika im Einsatz. Von 1998 bis 2006 ging er nach Kenia, lebte und arbeitete in einem Elendsviertel von Nairobi und immer wieder einsatzweise in den befreiten Gebieten des Südsudan vor der Trennung des Landes vom Sudan. Von 2014 bis 2017 ging es erstmals für längere Zeit in den Südsudan, wo Eigner nahe der Hauptstadt Juba ein Friedens- und Traumaheilungszentrum aufbaute. Dort lernte er den gebürtigen Italiener Christian Carlassare kennen. Noch während der Bürgerkrieg tobte, kam der Rückruf aus dem Missionshaus Ellwangen, wo Eigner in den vergangenen Jahren für den Comboni-Unterstützerkreis „Werk des Erlösers“ zuständig und Ansprechperson für 800 Pfarreien im süddeutschen Raum war. Eine Tätigkeit, bei der ihn immer wieder freute, „wie treu die Leute sind, die die Mission unterstützen“. Und doch hatte er erwartet, dass in Sachen Auslandseinsatz „noch irgendwas kommt“. Er sei, trotz klimatischer Herausforderung und schlechter Ernährungslage im Südsudan, guter Dinge. „Ich weiß, dass ich nicht mehr der Jüngste bin, aber auch, dass ich Erfahrung habe und den Willen, in einer schwierigen Situation etwas zu bewegen.“ Momentan schaut er noch auf Abschiedsbesuch bei seinen vier Brüdern vorbei, dann wird er einmal mehr mit Gottes Segen aufbrechen nach Afrika. Der Aussendungsgottesdienst mit Pfarrer Sebastian Lesch findet am 21. September in Hans Eigners Heimatkirche in Laibstadt statt.

Gabi Gess für innehalten