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Ökologie des Herzens

Bischof Hanke beim Neujahrsempfang 2013

Aus der Ansprache von Bischof Gregor Maria Hanke beim Neujahrsempfang des Diözesanrats am 19. Januar 2013

…Dem Menschen dienen, dem Leben dienen, denn Leben ist ein Geschenk Gottes: Daher wollen wir als Kirche, daher wollen wir als Bistum für die Ökologie des ganzen Menschen stehen, die in unserer gelebten Ökologie des Herzens wurzelt. In uns soll die Haltung der Achtung und Achtsamkeit vor dem Leben lebendig sein, soll immer bestimmender werden für all das, was wir tun. Ferner die Haltung der Dankbarkeit, die Leben als Geschenk Gottes zu deuten weiß. In uns muss die Bereitschaft des Teilens und Schenkens Raum finden. Die konkrete Pastoral, unsere Caritas, der Religionsunterricht, die Schulpastoral, um nur einige Segmente zu nennen, müssen zusammenwirken, um die Haltung der Ökologie des Herzens in den Menschen zu fördern.

Der Mensch soll ein erfülltes Leben führen, innerhalb der Grenzen, die ihm seine Endlichkeit auferlegt. Unser diözesanes Klimakonzept versteht sich als kleiner Beitrag hierzu. Unsere ökologische Krise rührt ja davon her, dass wir das Bewusstsein unserer endlichen und damit unserer begrenzten Lebensbedingungen verloren haben. Dieses Wissen um die Endlichkeit braucht es, soll Leben wieder neu als Geschenk erfahrbar sein und verkostet werden.

Wer Bäume, Wälder, Pflanzen und seltene Tiere schützt, wer sich für weniger Ressourcenverbrauch und für eine artgerechte Tierhaltung einsetzt, liefert gewiss einen beachtenswerten Beitrag für das Gemeinwesen heute und morgen, für die Lebensqualität kommender Generationen. Dies gilt es anzuerkennen. Aber die Wurzel unseres gegenwärtigen Problems ist noch lange nicht getroffen: Während früher die Natur den Menschen als Gewalt bedrohte, tritt nun Menschengewalt der Natur gegenüber. Der Mensch übt Macht, ja Gewalt über die Natur aus und verändert sie nach seinen Bedürfnissen. Der Mensch schafft sich seine Umwelt neu mit all den daraus resultierenden Folgen. Nur einige seien hier genannt: der Klimawandel, das Sterben der Artenvielfalt, bedenkliche, ja gefährliche Entwicklungen in der Biotechnologie, ein Glückskonzept, das mit einem Absinken des Kinderwunsches in der Gesellschaft einhergeht.

Betrachten wir nur einmal unsere Ernährungspraxis, um zu sehen, was wir der Natur abverlangen. Im Jahr 2012 verzehrte die Menschheit, schwerpunktmäßig in den wohlhabenden Ländern, 300 Millionen Tonnen Fleisch. Für die Erzeugung eines Kilogramms Rindfleisches sind statistisch aber 15.000 Liter Wasser notwendig. Die Bespiele für unseren ungeahnten Ressourcenverbrauch bei unseren alltäglichen Lebensgewohnheiten ließen sich leicht fortsetzen.

Ich weiß, moralisieren und drohen schaffen keine Umkehr und Änderung der Haltung in unserer Gesellschaft. Sie vergraulen eher die Menschen, die sich nach Leben sehnen und dies allzu vorschnell im Genuss suchen, im Lebensstandard. Wir müssen beginnen neu nachzudenken, über das, was Leben ist. Leben ist Geschenk - Geschenk Gottes zu unserer Freude und zum Dienst aneinander und für Gott. Die Schönheit des Lebens gilt es wieder neu zu unterscheiden von bloßem Genuss. Die Schönheit des Lebens geht dem Menschen auf, wenn er sich als ein Gegenüber eines Größeren erfährt, eines Größeren, der ihn liebt und umfasst, als Gegenüber Gottes. Diese Haltung der Ökologie des Herzens wollen wir durch unsere vielfältigen Dienste immer wieder und immer wieder auf’s Neue wachrufen.

Die Ansprache im Wortlaut (Video)