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Einheit mit der Schöpfung

Bischof Hanke mit Pferden

Aus der Predigt von Bischof Gregor Maria Hanke bei der Jahrestagung der Umweltbeauftragten der Diözesen Deutschlands am 25. März 2014

...Das Engagement für die Schöpfung hat die Zukunft des Lebens auf unserem Planeten im Blick. In kirchenamtlichen Kreisen wird die Bedeutung dieses Themas durchaus gesehen, aber häufig eingegrenzt auf den ethisch-ökonomischen Aspekt, etwa im Blick auf die sog. Dritte-Welt-Problematik oder manchmal auch wieder mehr unter asketischem Aspekt. Der Sorge für unsere Um- und Mitwelt kommt im Gesamtkonzert kirchlichen Handelns eher die Rolle einer Kür zu, der man sich verschreiben kann, wenn erst einmal der Verkündigungsdienst, die Sorge um Schulen und Caritas abgedeckt sind. Sicher erachtet man das kirchliche Engagement für Schöpfung und Umwelt als bedeutsam, weil darin eine Realisierung unserer Zeitgenossenschaft gesehen wird. Denn die Kirche soll ja auf brennende Fragen des menschlichen Lebens Antwort geben. Und doch ist festzustellen, dass in den Köpfen und Herzen die Umweltsorge vor allem als politisches Thema, als Aufgabe der Ökonomen gesehen wird....

Die Schöpfung ist kein Materiehaufen, kein Steinbruch für die Bedürfnisse des Menschen. Durch Christi Kommen im Fleisch offenbarte Gott, dass die Schöpfung ein Ziel hat. Sie ist auf Christus hingeordnet. Die Schöpfung gehört zu Christus, wiewohl sie dem Mensch auch Grundlage seiner Existenzsicherung bieten soll. Wir, die wir auf Christus Jesus getauft sind, sind Brüder und Schwestern dessen, dem alles im Himmel und auf Erden zugeführt wird. Aus unserer Christus-Beziehung erwächst eine Geschwisterlichkeit mit der Schöpfung. Das unterscheidet uns Christen in unserem Einsatz für die Schöpfung von jenen ökologischen Ansätzen, die aus Angst vor der Zukunft zum Ressourcensparen aufrufen und den Menschen Verhaltensweisen vorschreiben möchten, die primär den Erhalt der Ressourcen zum Ziel haben....

Der Gedanke von der Geschwisterlichkeit zwischen Mensch und Schöpfung ist also etwas durch und durch Christliches. Jedoch kann sie nur aus der Verbindung mit Christus wachsen, ansonsten verfielen wir in unserer Zuneigung zur Schöpfung entweder dem Spiritismus und Schamanentum oder einem Naturalismus, der besagt: alles ist Natur, darüber hinaus gibt es nichts. Wenn ich Christus zur Bruder und Schwester geworden bin, kann ich die geschaffene Welt als Haus Gottes sehen, hingeordnet auf Christus. Unser Einsatz für die Schöpfung ist keine pastoraltheologische Nische oder eine zeitgemäße Akzentuierung kirchlichen Handelns, es ist angewandte Christologie! Der Christusglaube will die Symphonie zwischen Gott und Schöpfung, zwischen Mensch und Umwelt erklingen lassen. Diese Sicht in den Verantwortlichen und im ganzen Leib der Kirche zu wecken und uns dafür einzusetzen, ist eine große und schöne Aufgabe, die unsere persönliche Christusbeziehung braucht. Das bedeutet, IHM immer wieder zu begegnen, in der Schönheit der Natur, im Antlitz der Mitmenschen, in seiner Kirche und in der Feier der Liturgie. Aus der Begegnung mit Christus wird Begegnung mit Menschen und der Welt und umgekehrt, Begegnung mit der Schöpfung. Begegnung, die in liebende Beziehung mündet, ist der christliche Weg, der Gewalt und Ausbeutung ausschließt.

Die Predigt im Wortlaut