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Finanz-Affäre im Bistum Eichstätt

Seit einiger Zeit findet man das Bistum Eichstätt in der überregionalen Presse. Auch in der Diözese selbst gibt es das vorherrschende Thema: falsch investierte Gelder in Höhe von rund 48 Millionen Euro. Die Gelder soll ein ehemaliger Mitarbeiter des Bistums in ungedeckte Darlehen in Texas und Florida investiert haben. Auf dieser Seite wird über den aktuellen Stand der Dinge informiert.

Fakten: Das ist passiert

Im Herbst 2015 erteilte der Eichstätter Bischof Gregor Maria den Auftrag, das Vermögen des Bistums nach handelsrechtlichen Grundlagen darzustellen (Stichwort Transparenzoffensive). Dabei fanden Wirtschaftsprüfer im Mai 2016 Finanzanlagen, die intensive Rückfragen nach sich zogen: Es handelt sich um 31 Darlehen, die an US-amerikanische Projektgesellschaften im Bereich der Immobilien-Entwicklung vergeben wurden. Diese Darlehen sind überwiegend nicht gesichert. Des Weiteren sind sie mit Laufzeiten zwischen zwei und fünf Jahren ausgestattet. Das Geld soll laut Vertrag erst am Ende der Laufzeit zurückgezahlt  werden. Zudem waren kaum Unterlagen vorhanden, die eine Bewertung möglich gemacht hätten. 
Als erste Reaktion wurden weitere geplante Geschäfte unterbunden. Im September 2016 hatte man sich von dem verantwortlichen Mitarbeiter getrennt. Er hatte eine leitende Funktion innerhalb der Finanzkammer inne.
Im Zuge weiterer Nachforschungen wurde klar, dass ein strafrechtlich relevantes Verhalten in Betracht kommt. Im Mai 2017 wurde ein fälliger Kredit in Höhe von fünf Millionen Euro nicht zurückgezahlt. Als sich damit die Anhaltspunkte verdichteten, dass sowohl der Straftatbestand der Untreue als auch der Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr vorliegen, wurde Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft München II eingereicht. Angezeigt  wurde neben dem ehemaligen Mitarbeiter ein weiterer Beschuldigter. Es gibt Verdachtsmomente, dass beide bei den geschäftlichen Aktivitäten profitiert haben.

Der aktuelle Stand:

Aktuell bestehen offene Darlehen in einer Gesamthöhe von ca. 53,95 Mio. US-$. Davon betrifft ein Betrag in Höhe von 24,4 Mio. US-$ bereits fällige Darlehen, die zum Fälligkeitszeitpunkt nicht zurückgeführt wurden. Der Restbetrag in Höhe von 29,55 Mio. US-$ betrifft noch nicht fällige Darlehen. Die Gesamtsumme der ausstehenden Darlehen bei denen unklar ist, ob bzw. in welchem Umfang sie zurückgezahlt werden können, beläuft sich auf 53,95 Mio. US-$.

Warum wurde die Öffentlichkeit erst so spät informiert?

In einem laufenden Ermittlungsverfahren darf der Ermittlungserfolg nicht gefährdet werden. Erst als das Bistum die Nachricht erhielt, dass beide Beschuldigten verhaftet worden sind, wurde mit der Staatsanwaltschaft geklärt, dass das ermittlungsbedingte Geheimhaltungsbedürfnis weggefällt und so die Öffentlichkeit informiert werden kann. 

Inwiefern sind Pfarreien oder Mitarbeiter der Diözese davon betroffen?

Bei dem Fall handelt es sich um Gelder aus dem Vermögenshaushalt. Das sind Rücklagen, um langfristig alle Aufgaben sicher zu stellen. Die Anwendung von HGB-Vorschriften dient einer nachhaltigen Finanz- und Ressourcenplanung des Bistums und ermöglicht eine bessere und nachhaltigere Planbarkeit kirchlicher Projekte – auch für künftige Generationen. Kirchensteuereinnahmen sind von dem aktuellen Fall nicht berührt. Pensionsansprüche oder Sozialleistungen sind nicht gefährdet. Den Pfarreien werden deswegen keine Mittel gekürzt. Was im Diözesansteuerhaushalt beschlossen wurde, wird auch umgesetzt.

Welche Fehler wurden seitens der Diözese gemacht?

Man hat zu lange an kirchenüblichen Strukturen festgehalten, die auf einem Prinzip fußten: Vertrauen ersetzt Kontrolle.

Welche Konsequenzen werden gezogen?

Es geht darum, alles zu klären, um verloren gegangenes Vertrauen so weit wie möglich wieder herzustellen. Schon vor Bekanntwerden der Finanz-Affäre wurde die kirchliche Kontrolle verbessert: Eine externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft führt derzeit für das gesamte Ordinariat eine Innenrevision durch.

Weiterhin wurden die Statuten des Diözesansteuerausschusses und des Diözesanvermögensverwaltungrates, die mit der Finanzverwaltung im Bistum befasst sind, und das Statut des Kosultorenkollegiums, das den Bischof bei der Leitung der Diözese unterstützt, überarbeitet, damit solche Ereignisse vermieden werden können. Das im Zuge der Transparenzoffensive geschaffene Statut der Beispruchsgremien in der Diözese Eichstätt regelt die Zusammensetzung und Aufgaben dieser Gremien. Bei der Besetzung der Gremien wurde darauf geachtet, dass ihre Mitglieder nicht mit dem Bischof oder der Diözese in einem Dienstverhältnis stehen, sofern sie eine gewisse Kontrollfunktion gegenüber der Diözese wahrnehmen (Vermögensverwaltungsrat). Der Diözesanvermögensverwaltungsrat und der Diözesansteuerausschuss wirken gemäß eines neu geschaffenen Diözesangesetzes an der Erstellung und Genehmigung des Finanzplans und des Jahresabschlusses der Diözese mit.

Außerdem besetzt mit Florian Bohn ein Wirtschaftsexperte den Posten des Finanzdirektors, der bisher von einem Domkapitular wahrgenommen wurde. Im Herbst 2018 soll Bohn auch zum Diözesanökonomen bestellt werden.

Für die Anlagen des Bistums Eichstätt gilt durch verschiedene Diözesangesetze eine risikoarme, ethisch-nachhaltige Anlagestrategie, die im Einklang mit der katholischen (Sozial-)Lehre steht. Die Anlagen werden von professionellen Vermögensverwaltern vorgenommen und vom Finanzdirektor der Diözese verantwortet.

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"Ich gehe den Weg weiter" - Bischof Hanke zum Finanz-Skandal im Bistum

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Transparenzoffensive der Diözese

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Hirtenwort zur Fastenzeit

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Bischof Hanke äußert sich zu Finanz-Affäre

Im Interview nimmt Bischof Gregor Maria Hanke persönlich Stellung. Der Wortlaut auf katholisch.de

Hotline für Fragen aus der Bevölkerung

Da es verständlicherweise zu vielen Fragen unter den Gläubigen kommt, hat die Diözese Eichstätt ab sofort eine Hotline geschaltet. Unter Tel. (08421) 50-779 können sich die Menschen informieren.

Neue Strukturen der Mitverantwortung und Kontrolle:

Diözesanvermögensverwaltungsrat
Diözesansteuerausschuss

Kirchenfinanzierung: Fragen und Antworten

Was ist die Kirchensteuer? Was versteht man unter Staatsleistungen? Wie finanziert sich die Kirche? Was leisten Caritas und Ehrenamt? Viele Fragen werden zur Kirchenfinanzierung gestellt. Antworten auf den Seiten der Deutschen Bischofskonferenz.

Haushalt der Diözese für 2018

Welche Einnahmen erwartet das Bistum für das Jahr 2018? Welche Aufwendungen stehen an. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.