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Finanz-Affäre im Bistum Eichstätt

Rund 48 Millionen Euro wurden wohl falsch investiert. Foto: pixabay

Seit einiger Zeit findet man das Bistum Eichstätt in der überregionalen Presse. Auch in der Diözese selbst gibt es das vorherrschende Thema: falsch investierte Gelder in Höhe von rund 48 Millionen Euro. Die Gelder soll ein ehemaliger Mitarbeiter des Bistums in ungedeckte Darlehen in Texas und Florida investiert haben. Auf dieser Seite wird über den aktuellen Stand der Dinge informiert.

Fakten: Das ist passiert

Im Herbst 2015 erteilte der Eichstätter Bischof Gregor Maria den Auftrag, das Vermögen des Bistums nach handelsrechtlichen Grundlagen darzustellen (Stichwort Transparenzoffensive). Dabei fanden Wirtschaftsprüfer im Mai 2016 Finanzanlagen, die intensive Rückfragen nach sich zogen: Es handelt sich um 31 Darlehen, die an US-amerikanische Projektgesellschaften im Bereich der Immobilien-Entwicklung vergeben wurden. Diese Darlehen sind überwiegend nicht gesichert. Des Weiteren sind sie mit Laufzeiten zwischen zwei und fünf Jahren ausgestattet. Das Geld soll laut Vertrag erst am Ende der Laufzeit zurückgezahlt  werden. Zudem waren kaum Unterlagen vorhanden, die eine Bewertung möglich gemacht hätten. 
Als erste Reaktion wurden weitere, geplante Geschäfte unterbunden. Im September 2016 hatte man sich von dem verantwortlichen Mitarbeiter getrennt. Er hatte eine leitende Funktion innerhalb der Finanzkammer inne.
Im Zuge weiterer Nachforschungen wurde klar, dass ein strafrechtlich relevantes Verhalten in Betracht kommt. Im Mai 2017 wurde ein fälliger Kredit in Höhe von fünf Millionen Euro nicht zurückgezahlt. Als sich damit die Anhaltspunkte verdichteten, dass sowohl der Straftatbestand der Untreue, als auch der Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr vorliegen, wurde Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft München II eingereicht. Angezeigt  wurde neben dem ehemaligen Mitarbeiter ein weiterer Beschuldigter. Es gibt Verdachtsmomente, dass beide bei den geschäftlichen Aktivitäten profitiert haben.

Der aktuelle Stand:

Die Darlehenssumme beträgt rund 48 Millionen Euro. Eine Schadenssumme kann zum derzeitigen Zeitpunkt nicht genannt werden, da ein Großteil der Kredite noch laufen. Derzeit stehen fällige Darlehensrückzahlungen in Höhe von 21,5 Millionen Euro aus.

Warum wurde die Öffentlichkeit erst so spät informiert?

In einem laufenden Ermittlungsverfahren darf der Ermittlungserfolg nicht gefährdet werden. Erst als das Bistum die Nachricht erhielt, dass beide Beschuldigten verhaftet worden sind, wurde mit der Staatsanwaltschaft geklärt, dass das ermittlungsbedingte Geheimhaltungsbedürfnis weggefällt und so die Öffentlichkeit informiert werden kann. 

Inwiefern sind Pfarreien oder Mitarbeiter der Diözese davon betroffen?

Bei dem Fall handelt es sich um Gelder aus dem Vermögenshaushalt. Das sind
Rücklagen, um langfristig alle Aufgaben sicher zu stellen. Die Anwendung von HGB-Vorschriften
dient einer nachhaltigen Finanz- und Ressourcenplanung des Bistums
und ermöglicht eine bessere und nachhaltigere Planbarkeit kirchlicher Projekte –
auch für künftige Generationen.
Kirchensteuereinnahmen sind von dem aktuellen Fall nicht berührt.
Pensionsansprüche oder Sozialleistungen sind nicht gefährdet. Den Pfarreien
werden deswegen keine Mittel gekürzt. Was im Diözesansteuerhaushalt beschlossen
wurde, wird auch umgesetzt.

Welche Fehler wurden seitens der Diözese gemacht?

Man hat zu lange an kirchenüblichen Strukturen festgehalten, die auf einem Prinzip fußten: Vertrauen ersetzt Kontrolle.

Welche Konsequenzen werden gezogen?

Es geht darum, alles zu klären, um verloren gegangenes Vertrauen so weit wie möglich wieder herzustellen.
Schon vor Bekanntwerden der Finanz-Affäre wurde die kirchliche Kontrolle verbessert: Eine externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft führt derzeit für das gesamte Ordinariat eine Innenrevision durch.
Demnächst wird ein Statut in Kraft gesetzt, das die völlige Neuordnung der Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten diverser Gremien innerhalb der Diözese vorsieht. Auch dies war schon länger geplant. Kernstücke des Statuts sind klare Verantwortungszuweisungen und klare Befugniserteilungen für die einzelnen Gremien. Nach Abschluss der Transparenzoffensive werden Geistliche soweit möglich und zulässig nicht mehr mit der Kontrolle des Vermögens betraut. Im Diözesanvermögensverwaltungsrat ist das schon umgesetzt. In ihm sitzen bis auf eine Ausnahme ausschließlich externe Fachleute. Außerdem wird eine neue Anlagerichtlinie in Kraft treten. Sie besagt, dass es keine Eigengeschäfte mehr geben wird, sondern nur professionelle Vermögensverwalter beauftragt werden. In dieser Richtlinie ist zudem festgeschrieben, dass die ethischen Grundsätze der Kirche eingehalten werden müssen.
Außerdem bekommt die Diözese einen neuen Finanzdirektor: Ab April übernimmt Florian Bohn die Leitung der Hauptabteilung Finanzkammer, Bau und technische Dienste.

Hirtenwort zur Fastenzeit

pde-Foto: Anika Taiber-Groh

Für Umkehr und Neuanfang setzt sich Bischof Gregor Maria Hanke in seinem Hirtenwort zur Fastenzeit ein. Angesichts des Finanzskandals betont der Bischof von Eichstätt die dienende Funktion der Bistumsverwaltung für die Kirche als die Gemeinschaft der Gläubigen. Hier sei Umdenken und Neuausrichtung nötig. Pressetext | Wortlaut

Neuer Finanzdirektor der Diözese Eichstätt: Florian Bohn übernimmt Leitung der Hauptabteilung Finanzkammer, Bau und technische Dienste

Neuer Finanzdirektor Florian Bohn

Florian Bohn (39) wird die seit mehr als einem Jahr vakante Stelle des Leiters der Hauptabteilung „Bischöfliche Finanzkammer, Bau und technische Dienste“ im Bischöflichen Ordinariat Eichstätt übernehmen. Seine Tätigkeit als Hauptabteilungsleiter im Bischöflichen Ordinariat wird Florian Bohn Anfang April aufnehmen. mehr...

Presseerklärung des Bistums vom 5. Februar

Presseerklärung des Bistums

Im Rahmen der Umstellung der Finanz- und Vermögensverwaltung der Diözese Eichstätt sind die damit beauftragten externen Fachleute auf Vorgänge gestoßen, die den Verdacht rechtswidriger Praktiken bei der Anlage des Vermögens nahelegen. Die Indizien für ein strafrechtlich relevantes Verhalten wurden im Zuge der von Bischof Gregor Maria Hanke initiierten Transparenzoffensive zutage gefördert. mehr...

Die Pressekonferenz im Video-Bericht

Finanz-Affäre im Bistum Eichstätt

Ein Finanzskandal erschüttert die katholische Kirche in Deutschland. Im Bistum Eichstätt hat ein ehemaliger Mitarbeiter laut Angaben der Diözese rund 60 Millionen US-Dollar veruntreut. Bei einer Pressekonferenz gaben die Vertreter des Bistums nun Details bekannt. Video

Audio: Das Bistum Eichstätt und die Finanz-Affäre

Das Bistum Eichstätt und die Finanzaffäre

Im Rahmen der Umstellung der Finanz- und Vermögensverwaltung der Diözese Eichstätt ist man auf Vorgänge gestoßen, die den Verdacht rechtswidriger Praktiken bei der Anlage des Vermögens nahelegen. Außerdem wurden Indizien für ein strafrechtlich relevantes Verhalten zutage gefördert. Bei einer Pressekonferenz nahmen Vertreter der Diözese Eichstätt Stellung. Hörfunk-Beitrag



Bischof Hanke äußert sich zu Finanz-Affäre

Archivbild: Bischof bei Neujahrsempfang. pde-Foto: Anita Hirschbeck

Im Interview nimmt Bischof Gregor Maria Hanke persönlich Stellung. Der Wortlaut auf katholisch.de

Hotline für Fragen aus der Bevölkerung

Hotline: 08421-50779

Da es verständlicherweise zu vielen Fragen unter den Gläubigen kommt, hat die Diözese Eichstätt ab sofort eine Hotline geschaltet. Unter Tel. (08421) 50-779 können sich die Menschen informieren.

Transparenzoffensive der Diözese

Transparenzoffensive

Die Diözese erfasst ihr Vermögen nach handelsrechtlichen Grundlagen. mehr...

Neue Strukturen der Mitverantwortung und Kontrolle:

Diözesanvermögensverwaltungsrat
Diözesansteuerausschuss

Kirchenfinanzierung: Fragen und Antworten

Was ist die Kirchensteuer? Was versteht man unter Staatsleistungen? Wie finanziert sich die Kirche? Was leisten Caritas und Ehrenamt? Viele Fragen werden zur Kirchenfinanzierung gestellt. Antworten auf den Seiten der Deutschen Bischofskonferenz.

Haushalt der Diözese für 2018

Haushalt 2018

Welche Einnahmen erwartet das Bistum für das Jahr 2018? Welche Aufwendungen stehen an. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.