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11.09.2018

Kunstwerk des Monats September: Geschichte der Wallfahrt in Mettendorf

Gemälde in Mettendorf. pde-Foto: Dr. Emanuel Braun (Diözesanmuseum)

1. Das abgebildete Gemälde zeigt das Dorf Mettendorf von Norden gesehen mit der Burgruine Liebeneck. Einem Viehhirten erscheint ein mysteriöser Pilger und prophezeit ihm, dass in ferner Zeit die Kirche von Mettendorf eine große Wallfahrtsstätte sein werde. Dabei wird mit einfachen malerischen Mitteln die damalige Situation des Dorfes mit den verschiedenen Jurahäusern, der Mühle, der Kirche und dem Schwarzachtal wiedergegeben. pde-Foto: Dr. Emanuel Braun (Diözesanmuseum)

Die Kirche von Mettendorf. pde-Foto: Dr. Emanuel Braun (Diözesanmuseum)

Die Kirche von Mettendorf. pde-Foto: Dr. Emanuel Braun (Diözesanmuseum)

Eichstätt/Greding. (pde) – Ein Ölbild in der Kirche zu Mettendorf (Pfarrei Greding) zeigt die Geschichte der Wallfahrt des Ortes. Der Fachbereich Kultur- und Denkmalpflege des Bistums Eichstätt präsentiert das Gemälde auf der Homepage des Domschatz- und Diözesanmuseums als Kunstwerk des Monats September. Auf eindrückliche Weise wird in dem ovalen Bild die Legende der Wallfahrt zur hl. Anna in Mettendorf erzählt. Es handelt sich um eine volkstümliche spätbarocke Malerei, die in der Zeit um 1740-1770, zur Blütezeit der Wallfahrt entstanden ist. Kurz zuvor in den Jahren 1737-1738 wurde die Kirche nach Plänen des Eichstätter Hofbaudirektors Gabriel de Gabrieli neu gebaut.

Das vorgestellte Gemälde ist eines von vier Bildern, welche die Entstehung der Wallfahrt dokumentieren. Nachdem in Mettendorf keine Mirakelbücher aufgezeichnet worden sind, sind neben der lokalen und der archivalischen Überlieferung diese vier Gemälde die einzige Quelle für die Geschichte der Wallfahrt. Sie geben relativ genau die Örtlichkeiten wieder und sind „deshalb aus der Sicht der Historiker unschätzbar wertvoll für die Ortsgeschichte“, meint dazu der Leiter des Eichstätter Domschatz- und Diözesanmuseums Dr. Emanuel Braun. Wie in der barocken Emblematik üblich, sind die Bilder mit ausführlichen Texten versehen, die das Geschehen erklären.

Im späten Mittelalter ist in Mettendorf eine Kirche, die dem hl. Johannes dem Täufer geweiht ist, nachweisbar. Erst im 18. Jahrhundert beginnt die Geschichte der Wallfahrt. Im Jahr 1725 entdeckt der katholische Schulmeister und Organist Philipp Schnepf in der verwaisten Kapelle St. Georg in Ebermergen (Stadt Harburg, Landkreis Donau-Ries) spätgotische, plastische Bildnisse der Muttergottes und der hl. Anna Selbdritt, die verstümmelt sind. Er spricht das Bildnis der hl. Anna an: „Du bist eben veracht, wie ich, ich bin arm, du hast mehrer gelitten als ich, dihr geht es schlimmer, aber liebe Mutter, wan du befreyet seyn willst, gib mir ein Zeichen,  ich will dich erlösen.“ Daraufhin habe die Figur gelächelt. So nimmt er die Figuren an sich und verwahrt sie einige Zeit in Gnotzheim (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen).

Während einer Reise berichtet Schnepf in Mettendorf von seinem Fund. Die Mettendorfer waren von diesem „Wunder“ so begeistert, dass sie die Figuren 1727 feierlich in ihre Kirche überführten. Sofort ereigneten sich Mirakel, was zu einem großen Zulauf an Wallfahrern führte. Die Wallfahrt entwickelte sich so rasant, dass wenig später drei Priester dazu abgestellt wurden. Im Jahr 1768 sollen angeblich 12.000 Besucher gezählt worden sein. Mit der Säkularisation, bei der verfügt worden ist, alle Wallfahrtsstätten zu schließen, drohte der Mettendorfer Kirche ein jähes Ende. Im Jahr 1808 wurde sie auf Anweisung des Landgerichts Beilngries ausgeräumt. Die Wallfahrtsbilder wurden nach Greding verbracht. Der Kirchenbau sollte abgebrochen werden. Doch dagegen erhob sich Widerstand in der Bevölkerung. 1820 wurde wieder die Feier der Gottesdienste erlaubt, und 1827 konnten die Gnadenbilder wieder nach Mettendorf zurückkehren. Heute wird das Fest der hl. Anna regelmäßig gefeiert, und während der Fastenzeit werden wöchentlich Predigten zu einem großen Thema angeboten.

Auch wenn die Gemälde kunstgeschichtlich nicht den Rang wie andere Werke haben und die Perspektive wenig realistisch ist, sind sie aus der Sicht des Leiters des Eichstätter Diözesanmuseums, Dr. Emanuel Braun, „ein liebenswertes und sehr eindrückliches Zeugnis für diesen Mosaikstein der Kirchengeschichte, für den bis heute im Schwarzachtal die Gabrieli-Kirche spricht.“ www.dioezesanmuseum-eichstaett.de