Herr Bischof, die Berichterstattung über den neuen Eichstätter Oberhirten, den Badener, der nach Bayern kommt, war durchweg anteilnehmend und einfühlsam, höchst wohlwollend und rundum einladend. Gute Startbedingungen. Außerdem tragen Sie Würde und Bürde des Bischofsamtes im achten Jahr. Da mag sich schon Routine im besten Sinn eingestellt haben. Mit Ihrer Ernennung zum Diözesanbischof von Eichstätt beginnt nun aber doch etwas gänzlich Neues. Wie groß ist der Respekt vor der neuen Aufgabe?
Bischof Christian Würtz: Sehr groß. Zum einen bin ich mir schon bewusst, dass ich bisher als Weihbischof in gewisser Weise in der zweiten Reihe stand. In Freiburg trägt ja der Erzbischof die Verantwortung, er muss vieles entscheiden. Da konnte ich mich immer ein Stück weit zurücknehmen im positiven Sinne, ihm die Entscheidungen überlassen.
Mir ist bewusst, dass ich jetzt viele Entscheidungen selbst treffen muss.
Und das andere, was mir Respekt einflößt: Ich komme jetzt in eine Diözese, die mir noch weitgehend unbekannt ist. Wie wird es mir gelingen, einen Überblick zu bekommen? Wie werde ich Fuß fassen können? Was erwartet mich da alles? Ich muss aber auch sagen, je näher jetzt der Termin der Einführung kam – bei allem Respekt und bei allen Fragezeichen, die ich habe – wuchs allmählich doch auch so etwas wie eine Vorfreude, dass es jetzt losgeht.
Eichstätt ist ein vergleichsweise kleines Bistum – was natürlich nicht bedeutet, dass auch die Herausforderungen klein wären. Sie übernehmen, um ein beliebtes Bild zu wählen, das Ruder bei schwerer See, in nicht einfachen Zeiten für die Kirche. Mangel und Schwund dominieren nicht nur das medial vermittelte Erscheinungsbild, sondern tatsächlich den konkreten Alltag der Kirche: der Rückgang an Gläubigen, an Personal, an Ressourcen, an Geld. Woraus zieht der neue Kapitän seine Zuversicht?
Sie haben völlig recht, es sind gerade stürmische Zeiten für die Kirchen. Zum einen ziehe ich meine Zuversicht tatsächlich aus der Bibel oder aus dem, was Jesus verheißen hat. Es gibt ja die berühmte Stelle, wo er sagt, die Pforten der Unterwelt werden die Kirche nicht überwältigen. Darauf vertraue ich schon. Zum anderen ist eines meiner Steckenpferde die Geschichte. Wenn ich auf die Kirchengeschichte schaue, sehe ich, es gab schon viel stürmischere Zeiten, als wir sie heute erleben. Und von daher bin ich grundsätzlich nach wie vor optimistisch, dass es für die Kirche doch insgesamt gut weitergehen wird.
Mit Ihrem Wahlspruch „Dein Reich komme“ und mit Ihren ersten Worten im Eichstätter Dom mitten in der Willibaldswoche haben Sie sich selbst, salopp gesagt, die Latte ziemlich hoch gelegt. Sie wollen das Reich Gottes mit aufbauen, haben Sie gesagt. Zugleich haben Sie um Mithilfe dabei gebeten. Was bedeutet für Sie konkret „Aufbau des Reiches Gottes“?Und was wünschen Sie sich in diesem Punktvon Ihren Diözesanen, was sind Ihre Erwar-tungen?
Dieser Gedanke vom Reich Gottes begleitet mich schon länger. Und ich glaube, es ist tatsächlich ein gutes Bild. Zum einen sagt es ja, es geht um ein Reich, das mit Jesus Christus schon angefangen hat. Wir müssen es nicht komplett neu erfinden. Und wir müssen es auch nicht allein aufbauen, sondern wir können darauf vertrauen – und das ist meine Erfahrung –, dass Gott dieses Reich mit uns aufbauen will. Ich habe das ja schon in meiner Ansprache im Eichstätter Dom am 7. Juli gesagt, wo ich die Präfation vom Christkönigsfest zitiert habe, dass es um ein Reich der Wahrheit, des Lebens, der Heiligkeit, der Gnade, der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens geht. Ich denke, überall da, wo das verwirklicht wird, wo Gerechtigkeit herrscht, wo Liebe ist, Wahrheit, Leben und so weiter, da ist schon das Reich Gottes zumindest anfanghaft verwirklicht.
Und ich glaube, wenn wir Christen uns alle immer wieder darum bemühen, dass es wahrhaftig zugeht, dass es gerecht zugeht, liebevoll und friedvoll, dann wächst auch das Reich Gottes. Das ist meine große Hoffnung und da will ich, so gut ich es eben kann, mitwirken.