PV Hepberg-Lenting-Wettstetten (HeLeWe)

„Wohnungsmarkt hat sozialen Sprengstoff“ Diskussion der KAB über Verantwortung von Kirche, Politik und Wohnungswirtschaft

Um die Verantwortung von Politik, Gesellschaft und auch die Kirchen als Eigentümer von Grund und Boden ging es bei einer Diskussionsveranstaltung der KAB im Pfarrheim Wettstetten. Unter dem Titel „Grund und Boden zwischen Kapital und Verpflichtung – Gutes Eigentum“ diskutierten Vertreter aus Kirche, Wohnungswirtschaft und Verbänden über Wege zu mehr bezahlbarem Wohnraum.
Die 5 Referenten sitzen am Tisch und reden. Auf dem Tisch stehen Getränke. Im Hintergrund ist eine Leinwand zu sehen, auf der eine Power-Point-Presäntation zu sehen ist.
Über Wege zu mehr bezahlbarem Wohnraum diskutierten in Wettstetten (von links): Moderator Michael Heberling, KAB-Diözesanvorsitzender Andreas Holl, Manfred Bücherl (St.-Gundekar-Werk), Prof. Dr. Martin Schneider (KU Eichstätt-Ingolstadt) und Christian Gärtner (Diözesanrat).

Wettstetten – Steigende Mieten und knapper Wohnraum beschäftigen viele Menschen auch in der Region Ingolstadt. Welche Verantwortung dabei Politik, Gesellschaft und auch die Kirchen als Eigentümer von Grund und Boden tragen, war Thema einer Diskussionsveranstaltung im Pfarrheim Wettstetten. Veranstalter war der Diözesanverband Eichstätt der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB). Unter dem Titel „Grund und Boden zwischen Kapital und Verpflichtung – Gutes Eigentum“ diskutierten Vertreter aus Kirche, Wohnungswirtschaft und Verbänden über Wege zu mehr bezahlbarem Wohnraum.

Den Impulsvortrag hielt der Sozialethiker Prof. Dr. Martin Schneider von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Für ihn steht fest: „Wohnen ist ein Menschenrecht.“ Eine Wohnung sei nicht nur ein Wirtschaftsgut, sondern Schutzraum und Voraussetzung für persönliche Entwicklung und gesellschaftliche Teilhabe. Besonders junge Menschen hätten zunehmend Schwierigkeiten, bezahlbaren Wohnraum zu finden, etwa wenn sie für Ausbildung oder Studium aus dem Elternhaus ausziehen.

Schneider sieht deshalb auch die Kirchen in besonderer Verantwortung. Sie seien selbst bedeutende Eigentümer von Grund und Boden. Dabei verwies er auf das Sozialwort der katholischen und evangelischen Kirche von 1997. Dessen Grundgedanke lasse sich so zusammenfassen: „Die Kirchen verfügen über Geld und Grundvermögen – daraus erwächst eine besondere Verpflichtung zur Orientierung am Gemeinwohl.“ Gerade über Modelle wie Erbpacht oder Kooperationen mit Genossenschaften könnten kirchliche Grundstücke stärker zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums beitragen.

Einblicke in die Praxis gab Manfred Bücherl, Geschäftsführer des kirchlichen St.-Gundekar-Werks. Das Unternehmen bewirtschaftet rund 5000 Wohnungen im Gebiet der Diözese Eichstätt, davon etwa 2000 in Ingolstadt. Die Durchschnittsmiete liege derzeit bei rund 6,20 Euro pro Quadratmeter. „Wir haben einen sozialen Auftrag und wollen günstige Mieten anbieten“, sagte Bücherl. Gleichzeitig stehe die Wohnungswirtschaft vor großen Herausforderungen, etwa durch energetische Sanierungen, gesetzliche Vorgaben und steigende Baukosten.

Auch Christian Gärtner, Vorsitzender des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Eichstätt, verwies auf strukturelle Probleme. Viele kirchliche Grundstücke seien in Stiftungen gebunden, deren Erträge für kirchliche Aufgaben benötigt würden. Zudem fehle häufig ein vollständiger Überblick über kirchlichen Besitz. Transparenz sei deshalb ein wichtiger erster Schritt.

Der Diözesanvorsitzende der KAB Eichstätt, Andreas Holl, erinnerte daran, dass die Wohnungsfrage seit langem zu den zentralen Themen der katholischen Soziallehre gehört. Bereits die Sozialenzyklika Rerum Novarum von 1891 habe Eigentum und soziale Verantwortung miteinander verbunden. Angesichts steigender Mieten und sinkenden sozialen Wohnungsbaus warnte Holl vor zunehmenden gesellschaftlichen Spannungen. „Die Situation auf dem Wohnungsmarkt hat sozialen Sprengstoff“, sagte er. Das Erstarken populistischer Parteien sei auch ein Symptom solcher Entwicklungen.