Mit acht Jahren fing sie an, erste Geschichten und Gedichte zu schreiben. Mit 21 veröffentlichte die Bamberger Autorin Tanja Kinkel ihren ersten Roman mit dem Titel „Wahnsinn, der das Herz zerfrisst“. Inzwischen hat sie mehr als 20 Bücher geschrieben, von denen viele auf Bestsellerlisten landeten. Ihre Werke, die oft historische Themen – mitunter auch dunkle Kapitel der Kirchengeschichte – behandeln, wurden millionenfach verkauft und in fünfzehn Sprachen übersetzt. Mit dem Essay „Wir sind alle Noah“ greift Tanja Kinkel eines der drängendsten Themen unserer Zeit auf: die Herausforderungen des Klimawandels, der Umweltzerstörung und die Verantwortung des Menschen gegenüber der Natur. Am Montag, 18. Mai, um 19.30 Uhr liest sie aus dem Buch in der Pfarrkirche St. Veit in Pleinfeld. Damit endet eine Veranstaltungsreihe des Pfarrverbandes unter dem Leitwort „pace e bene – Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfung“, inspiriert von Franz von Assisi, dessen Todestag sich 2026 zum 800. Mal jährt.
Frau Kinkel, Sie sind bekannt als Autorin von Romanen, Thrillern sowie Kinder-, Jugend- und Fantasyliteratur. Wie entstand die Idee zu Ihrem Essay ‚Wir alle sind Noah‘?
Tanja Kinkel: Es begann damit, dass ich am ökumenischen Kirchentag in München 2010 zu den Laien gehörte, die über die Stelle im Buch Genesis referieren sollten, in der Gott nach der Sintflut seinen neuen Bund mit der Welt schließt. Das tat ich, doch ich hatte noch ein paar weitere Gedanken, die den uns vorgegebenen Zeitrahmen gesprengt hätten, also wurde auch ein Essay daraus. Jahre später sprach mich der Bonifatius-Verlag darauf an, und bat um eine Wiederveröffentlichung. Inzwischen hat sich die Lage unserer Welt und des Umgangs zwischen ihren Geschöpfen ja leider nicht verbessert, also gab es eher noch mehr als weniger zu sagen, und ich überarbeitete das Essay entsprechend.
Sie zitieren mehrfach die Enzyklika „Laudato si“ des verstorbenen Papstes Franziskus. Was bedeutet Ihnen dieses Dokument?
Es ist und bleibt ein bemerkenswertes Zeugnis seines Ringens darum, eines der dringendsten Anliegen unserer Zeit in Worte zu fassen, Worte, die in ihrer Klarheit und Eindringlichkeit weit über ideologische oder nationale Grenzen hinaus sprechen.
Eine der verhängnisvollsten Entwicklungen der letzten Jahrzehnte ist ja, wie Umweltschutz mehr und mehr in Polemiken zu einem „Kulturkampf“-Begriff herabgewürdigt wurde, als sei es widersprüchlich, gleichzeitig konservativ und Umweltschützer zu sein.
Dabei kommt „konservativ“ von „conservare“, „bewahren“ – was gibt es Wichtigeres für unsere Kinder und Kindeskinder zu bewahren, als eine Welt, in der sie noch existieren können, gemeinsam mit anderen Geschöpfen? Dass der Papst, Oberhaupt einer Institution, die den meisten nicht unbedingt als Inbegriff progressiver Bewegungen gilt, sich hier so klar und leidenschaftlich äußert, war und bleibt ein ungeheuer wichtiges Signal.
Sie sprechen die Verantwortung für die Schöpfung im Christentum und im Judentum an. Auch im Islam wird diese Verantwortung großgeschrieben. Tun in Ihren Augen die Religionen – insbesondere die Kirchen in Deutschland – genug für den Schutz der Umwelt?
Die Religionen sind nichts, was man losgelöst von den Menschen sehen kann. Sie sind ja Gemeinschaften von Menschen. Die Frage lautet also, tun die Menschen genug für den Schutz der Umwelt? Und hier lautet die Antwort meiner Ansicht nach – sie tun einiges, aber noch nicht genug, nein. Ich meine das nicht im Sinn eines Tadels, denn mit Vorwürfen erreicht man die meisten Menschen nicht, die dann eher sofort aufhören, zuzuhören. Im Übrigen gilt es auch für mich persönlich – ich könnte noch wesentlich mehr tun.
Was ich meine, ist vielmehr: ein Anfang ist gemacht und wir sollten uns gegenseitig dabei unterstützen, mehr zu tun.
Ecclesia, Kirche, der Begriff bedeutet doch auch: Gemeinschaft! Jede Anstrengung fällt leichter, wenn man sie nicht allein unternimmt. Immer wieder bereit sein, diese Anstrengung auszubauen, darin sehe ich eine wichtige Aufgabe der Glaubensgemeinschaften.
„Geschwisterlichkeit ist möglich, wenn wir uns als Teile eines Ganzen, einer Schöpfung, eines Bundes begreifen“, schreiben Sie. Denken Sie, dass die Botschaft Ihres Buches mit seinem starken Bezug auf die Bibel auch nicht christliche bzw. nicht religiöse Menschen ansprechen kann?
Nun, es war ursprünglich ein Beitrag zu einem Kirchentag, und hat auch danach nicht aufgehört, sich auf religiöse Inhalte zu beziehen. Doch das Kernanliegen ist eines, das uns alle angeht, und daher hoffe ich, dass der Text auch nicht religiösen Leserinnen und Lesern nachdenkenswert erscheint.
Sie kritisieren unter anderem den Fleischkonsum. Sind Sie Vegetarierin?
Ich kritisiere den Fleischkonsum in dem Umfang, in dem er hier und heute immer noch stattfindet, und die damit verbundene Massentierhaltung, nicht jeden Verzehr von Fleisch an sich. Nein, ich bin keine Vegetarierin. Ich esse allerdings selten Fleisch, nicht, weil es mir nicht schmeckt – das tut es –, sondern, weil ich versuche, hier einen kleinen Beitrag dafür zu leisten, die Nachfrage zu verringern, ohne die es kein so schädliches Massenangebot gäbe.
Sie gehen auch auf die „vergiftete Atmosphäre“ in der Klimadebatte ein. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder bringt die Atomkraft wieder ins Spiel. Was halten Sie davon? Und wie bewerten Sie die Klimapolitik der aktuellen Bundesregierung?
Was die Klimapolitik der Bundesregierung im Allgemeinen betrifft:
Man möchte meinen, wenn uns die letzten paar Jahre etwas überdeutlich demonstriert haben, dann, wie erpressbar wir durch die Abhängigkeit von fossilen Energien geworden sind, erst von russischer und dann von amerikanischer Seite, und wie ungeheuer dringend es daher ist, auf erneuerbare Energien zu setzen, auch, um von China bei dieser Technik nicht schon wieder abgehängt zu werden.
Aber nein…. Was Markus Söders Atomkraftvorschlag betrifft, so nehme ich ihn genauso ernst wie 2011, im Jahr von Fukushima, seine Rücktrittsdrohung, sollte die Koalition an der Atomkraft festhalten.