Zum Programm der Willibaldswoche
„Das Gesindel hier ist übel. Es drückt sich vor der Fronarbeit und hängt den alten Geistern an“, sagt der Adlige Suidger, als er dem angelsächsischen Missionar Willibald Eichstätt als Wirkungsfeld zeigt. Der junge Schauspieler, der den Benediktinermönch verkörpert, entgegnet: „Du muss das Gute im Menschen sehen. Das sind alles Gottes Kinder.“ Suidger: „Gottes Kinder? Das sind Wilde.“ Daraufhin Willibald: „Dann müssen wir sie lehren, dass es nur einen Gott gibt“. Willibald entreißt dem Adligen sein Schwert und schlägt mit einem Hieb einen auf einem Pfahl aufgespießten Ochsenschädel zu Boden, der einen heidnischen Kult symbolisieren soll.
Mit dieser etwas klischeehaften Szene wird im Dokumentarfilm „Mission Bayern“ der Beginn von Willibalds Missionsarbeit dargestellt. Was davon geschichtlichen Fakten entspricht und was der Fantasie des Teams um Filmemacher Peter Prestel und Historiker Rainer Tredt entspringt, bleibt den Zuschauenden überlassen. Es bedarf in der Tat einiger Fantasie, um sich vorzustellen, wie das Leben Mitte des 8. Jahrhunderts in der Region Eichstätt aussah und was genau ein Mönch aus dem fernen England in dieser für ihn völlig fremden Gegend und Kultur tat. Wie verlief seine Missionierung? Wie kommunizierte er mit den Menschen? Wie sah sein Tagesablauf aus? Was waren seine Aufgaben als Bischof? Wie baute er das Bistum auf?
Auf diese und ähnliche Fragen liefern die Geschichtsbücher kaum Antworten, höchstens Annäherungen oder Vermutungen. Das hat auch damit zu tun, dass Willibald selbst nichts aus eigener Feder hinterlassen hat. Seine erste „Biografie“ schrieb die Nonne Hugeburc um 780 im Kloster Heidenheim. „Die Vita, die zum großen Teil auf sein Diktat zurückgeht, ist zu 90 Prozent Willibalds Reise ins Heilige Land gewidmet und gibt kaum Auskunft über sein Wirken als Bischof“, sagt Leo Hintermayr, Referent für diözesangeschichtliche Aufgaben im Bistum Eichstätt.