Eichstätt – Vor einem Jahrzehnt veröffentlichte Papst Franziskus die Enzyklika Laudato si‘. Daraus leitete die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) 2018 zehn Handlungsempfehlungen mit dem Titel „Schöpfungsverantwortung als kirchlicher Auftrag“ für die Bistümer ab. Sie lesen sich wie eine Art „zehn Gebote“. Wie werden sie in der Diözese Eichstätt umgesetzt?
Das Bistum engagiert sich seit vielen Jahren für den Umweltschutz – lange bevor Laudato si‘ veröffentlicht wurde. Bereits 1986 wurde mit Pfarrer Josef Bierschneider der erste Umweltbeauftragte eingesetzt. Bischof Gregor Maria Hanke, früher bekannt als „grüner Abt“ des Klosters Plankstetten, hat seit seinem Amtsantritt 2006 Nachhaltigkeit zu einem Kernthema kirchlichen Handelns im Bistum gemacht. Seit 2013 setzt die Diözese ein integriertes Klimaschutzkonzept um, das derzeit weiterentwickelt wird. Laudato si‘ und die DBK-Empfehlungen haben den Einsatz für die Umwelt verstärkt. Folgende Übersicht zeigt beispielhaft Fortschritte in verschiedenen Bereichen. (Die Zwischenüberschriften entsprechen denen des DBK-Dokuments.)
1. Schöpfungsspiritualität in Verkündigung und Liturgie verorten
Im Bistum Eichstätt wird jährlich Anfang September die Ökumenische Schöpfungszeit begangen. Materialien dazu stellen die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) und die Stabsstelle Schöpfung, Klima- und Umweltschutz den Pfarreien bereit. Rund um das Erntedankfest am ersten Sonntag im Oktober findet jedes Jahr ein diözesaner Schöpfungstag statt. Gemeinden stellen oft die Schöpfung in den Mittelpunkt ihres Dankens und Bittens bei Familiengottesdiensten. Anregungen für die Verkündigung gibt zum Beispiel das ökumenische Kooperationsprojekt „nachhaltig predigen“.
2. Eigene Traditionen wiederentdecken
„Ein Weg des Verzichts führt uns letztlich zu einem Mehr an Menschlichkeit und tieferem Leben“, heißt es in Laudato si‘. Für Bischof Hanke bedeutet „weltweite Solidarität angesichts der Klimakrise auch für uns in Deutschland, dass wir uns persönlich einschränken müssen.“ Deshalb beteiligt sich die Diözese unter anderem an der ökumenischen Aktion „Klimafasten“. Sie verbindet die christliche Tradition des Fastens mit der Einübung eines klimafreundlichen Lebensstils.
3. Schöpfungsbewusstsein innerkirchlich verankern
Mit dem sogenannten „Eichstätter Appell“ wurden Entscheidungsträger sowie ehren- und hauptamtlich Mitarbeitende der Kirche im Bistum Eichstätt bereits 2007 aufgerufen, sich für Umwelt- und Klimaschutz zu engagieren. 2014 führte das Bischöfliche Ordinariat (BO) ein Umweltmanagementsystem nach EU-Standard (EMAS) ein. Seitdem gilt für Mitarbeitende des BO eine „Umweltpolitik“, die 2021 mit Bezug auf Laudato si‘ aktualisiert wurde. Darin wird die Schöpfungsverantwortung als eine Kernaufgabe der Kirche definiert. In den Leitlinien verpflichtet sich die Diözese, das Lebensrecht künftiger Generationen sowie der Menschen in allen Regionen der Welt zu achten, Pflanzen und Tiere zu schützen sowie als lernende Gemeinschaft dauerhaft umweltgerecht und sozialverträglich zu handeln. Ehrenamtliche Umweltbeauftragte in den Pfarreien und Pfarrverbänden sensibilisieren die Gemeindemitglieder für ihre Schöpfungsverantwortung. Mit Beratung und dem jährlichen Umweltforum „Mit Gott im grünen Bereich“ bietet die Diözese ihnen gezielte Unterstützung.
4. Durch Bildung sensibilisieren und ermutigen
Nachhaltigkeit ist fester Bestandteil der Ausbildung angehender Priester und pastoraler Mitarbeitender – und kommt dabei sogar auf den Tisch. Die Gärtnerei des Eichstätter Priesterseminars, die die Hausküche beliefert, hat schon immer umweltbewusst gearbeitet und befindet sich derzeit in der Umstellungsphase zur zertifizierten ökologischen Gärtnerei. Auszubildende und neue Mitarbeitende werden in das Thema eingeführt. Der Fachbereich Personalentwicklung, Aus-, Fort- und Weiterbildung der Diözese kooperiert eng mit der Stabsstelle Schöpfung, Klima- und Umweltschutz, in der die Nachhaltigkeitsbildung verortet ist.
Das Zentrum für Schöpfungsspiritualität (ZfS), das die Diözese mit den Benediktinermönchen im Kloster Plankstetten betreibt, bietet in diesem Jahr 30 Veranstaltungen, die sich intensiv mit dem Schöpfungsgedanken auseinandersetzen. Ein enger Kooperationspartner des ZfS ist das Diözesanbildungswerk, das ergänzende Angebote bereitstellt. Dazu zählen Filmreihen zum Themenbereich „Schöpfungsverantwortung – Umweltschutz – Nachhaltigkeit“ sowie die „Umweltfilmtage“, die alle zwei Jahre in Eichstätt stattfinden. Darüber hinaus stellt der Fachbereich Medienbildung des Diözesanbildungswerks zu diesem Themenkomplex rund 200 Medien online oder im Verleih zur Verfügung. Sie kommen in allen Bildungsbereichen und in der Pastoral zum Einsatz. Auch die regionalen Stellen der Katholischen Erwachsenenbildung bieten regelmäßig Veranstaltungen zum Thema Schöpfung an.