„Wer hilft denen, die helfen?“

Eine Frage, die den ständigen Diakon Herbert Götz auf seinem Weg als Feuerwehrseelsorger stets begleitet hat. Er und seine Kollegen Diakon Andreas Dahmer und Diakon Vinzenz A. Bittner kümmern sich um die Feuerwehrkräfte und helfen ihnen, belastende Ereignisse zu verarbeiten. Am 4. Mai ist der Gedenktag des Hl. Florian, des Schutzpatrons der Feuerwehrleute.
Ein Brand wird gelöscht
Feuerwehrleute leisten einen ebenso wichtigen wie fordernden Dienst. Ihr Schutzpatron ist der heilige Florian, Gedenktag: 4. Mai.

Wenn das Telefon klingelt, oder der Pager brummt, machen sie sich auf den Weg. Ihr Ziel: Die Einsatzstelle. Doch ihr Hauptaugenmerk gilt nicht Feuer oder Unfall, sondern den Einsatzkräften vor Ort. Denn sie sind Teil der psychosozialen Notfallversorgung für Einsatzkräfte, kurz PSNV-E. Eingesetzt werden sie, wenn Feuerwehrkräfte mit besonders belastenden Situationen konfrontiert werden und das Erlebte nur schwer allein verarbeiten können. Einsätze, bei denen Kinder oder Bekannte involviert sind oder man trotz aller Bemühungen eine Person nicht retten konnte, haben ein erhöhtes Potenzial, die Menschen hinter den Uniformen an ihre Grenzen zu bringen. Nicht umsonst haben Freiwillige Feuerwehren auf kommunaler Ebene wie auch Kreis- Bezirks- und Landesfeuerwehrverbände laut bayerischem Feuerwehrgesetz die Möglichkeit, sich bei der Kirche Unterstützung zu holen und entsprechende „Fachberater Seelsorge“ zu benennen, die in die PSNV-E-Teams eingebunden sind. Für diese Aufgabe haben sich auch drei Ständige Diakone aus dem Bistum Eichstätt zur Verfügung gestellt: Vinzenz A. Bittner, Andreas Dahmer und Herbert Götz.

Voraussetzung: eigene Erfahrung

„Es ist ganz normal, dass man als Einsatzkraft in Sachen reingeschmissen wird, die über das normale Maß hinausgehen. Aber diese Einsätze brauchen Nachbetreuung“, sagt Dahmer, der in Nürnberg im Einsatz ist. Für die Nachbetreuung von Betroffenen, die an so einem Einsatz beteiligt waren, stehen eine Vielzahl von Angeboten bereit. Die Möglichkeiten reichen von einem ersten Gespräch am gleichen Tag über ein Debriefing bis hin zu weiterer Einzelbegleitung. „Reden, Reden und nochmals Reden“ sei ein wichtiger Schritt, um die überfordernden Situationen besser zu verarbeiten, berichtet Götz, der im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz tätig ist. Um als Feuerwehrseelsorger in der psychosozialen Notfallversorgung arbeiten zu dürfen, ist es Voraussetzung selbst im aktiven Feuerwehrdienst zu stehen. Damit kennt man die Prozeduren, teilt das fachspezifische Vokabular und verfügt über ähnliche Erfahrungen. Das ist nötig, um den Einsatzkräften gebührend helfen zu können. 

Aber nicht nur am Einsatzort direkt sind die Feuerwehrseelsorger zu finden. Sie klären auch regelmäßig in Schulungen über Belastungen und den gesunden Umgang damit auf. Die psychischen Belastungen können sich auch körperlich manifestieren. Herzrasen, keinen Schlaf finden oder auch Vermeidung des Einsatzortes sind nur ein paar der möglichen Symptome. Die Feuerwehrseelsorger betonen aber einstimmig, dass dies normale Reaktionen auf unnormale Situationen seien. Meist nähmen die Beschwerden nach 48 Stunden ab, bis sie schließlich komplett verschwänden. Ist dies nicht der Fall und verspüren die Betroffenen einen Redebedarf, dann stehen die Feuerwehrseelsorger bereit.

Ihre Angebote werden auch auf breiter Front wahrgenommen. Gerade durch den persönlichen Kontakt und die prophylaktischen Schulungen wissen die Feuerwehrkameradinnen und -kameraden, an wen sie sich im Bedarfsfall wenden können, bei wem sie sich angenommen und verstanden wissen. Doch das war nicht immer so: Alle drei Diakone berichten von einem Kulturwandel innerhalb der Feuerwehrstrukturen. Früher sei die Attitüde von „nur die Harten kommen in den Garten“ weit verbreitet gewesen. Dieses Bild von der Feuerwehrkraft, die alles kalt lässt und sämtliche Strapazen wegzustecken versucht, sei mittlerweile überholt. Man verstehe nun die Wichtigkeit, über die Belastungen zu sprechen, sie nicht zu ignorieren. 

Ich bin noch nie irgendwo hingekommen und wurde belächelt.
Vinzenz A. Bittner

Auch der 61-Jährige Götz hat diesen Wandel miterlebt. Er engagiert sich seit seinem 16. Lebensjahr in der Feuerwehr. Dabei merkte er früh, dass die Rothelme den Mitmenschen einen unschätzbaren Dienst erweisen, die eigenen Kräfte aber oft auf der Strecke bleiben. „Wer hilft denen, die helfen?“ Die Antwort auf diese Frage führte ihn zur Feuerwehrseelsorge. 

Auch in schönen Momenten da

Die Feuerwehrseelsorger stehen den Menschen jedoch nicht nur in schwierigen Zeiten zur Seite, als Diakone begleiten sie Menschen auch in den schönen Momenten des Lebens: „Das absolute Highlight ist, wenn man gefragt wird, Mensch Andi, ich habe dich da kennengelernt als Seelsorger, würdest du uns verheiraten?“, berichtet Dahmer. Auch sein Kollege Bittner zieht aus diesen Situationen Kraft: „Schöne Momente muss man auch ein wenig auskosten.“

Kraft finden alle drei auch in ihrer Beziehung mit Gott, auf den sie bauen können, wenn es für sie selbst gerade schwer ist. Generell ist es ihnen sehr wichtig, den Glauben in ihrer Position innerhalb der Feuerwehr authentisch zu leben. Sie sehen sich selbst als Brückenbauer und kommen in Bereiche des alltäglichen Lebens in die die katholische Kirche bisweilen nicht mehr vordringt. So ist es Bittner besonders wichtig, „als Seelsorger bewusst in einer Doppelrolle zu sein und Kirche auch positiv vor Ort zu zeigen.“


	Bild von 
	Philipp Bartmann