Wenn Bischofswappen erzählen

Lukas Böck aus Trier ist erst knapp 19, besitzt aber profunde Kenntnisse in Heraldik. Auch der neue Eichstätter Oberhirte Christian Würtz konnte sich jetzt davon überzeugen.
Lukas Böck hält einen Ausdruck des  Eichstätter Bischofswappens in den Händen.
Das Eichstätter Bischofswappen präsentiert Lukas Böck hier im Dom seiner Heimatstadt Trier.

Wenn Lukas Böck eine Kathedrale erkundet, dann richtet sich sein Blick meist gleich auf den Bischofsstuhl und speziell auf das daran angebrachte bischöfliche Wappen. „Kaum bin ich wieder draußen, versuch ich gleich am Handy herauszufinden, wofür die Symbole stehen“, erzählt er. Heraldik, so nennt sich die Lehre vom Wappenrecht, von den Wappendarstellungen und von der Geschichte des Wappenwesens. Man kann sie wissenschaftlich an Universitäten betreiben. Bei Böck mit seinen knapp 19 Jahren steht hingegen im nächsten Jahr erst einmal das Abitur an. Und dennoch macht sich der junge Trierer bereits einen Namen in der kirchlichen Heraldik: Gemeinsam mit einem Freund war er vor kurzem maßgeblich beteiligt an der Gestaltung des Wappens für den neuen Münsteraner Bischof Heiner Wilmer. Und nun griff auch Christian Würtz, der am 4. Oktober in sein Amt als neuer Eichstätter Bischof eingeführt wird, gerne auf Böcks Expertise zurück. 

Noch am Tag der Ernennung hatte Böck eine Mail an Würtz und an das Bischofshaus in Eichstätt geschickt, seine Unterstützung angeboten und auch gleich mehrere Entwürfe für das künftige bischöfliche Wappen mitgeschickt. Zwischen den Zeilen nannte er auch den Grund für sein Interesse an Themen im kirchlichen Raum: Er möchte selbst Priester werden. Sein Vater ist Küster an der Marktkirche St. Gangolf in Trier, „da bin ich quasi aufgewachsen“. Messdiener wurde er gleich nach der Erstkommunion und ist es, inzwischen am Dom, bis heute „leidenschaftlich gern“. Die Beschäftigung mit Wappen findet er spannend, „weil man mit Bildsprache etwas aussagen kann“. Während Laien meinen, für sie sehe ein Wappen wie das andere aus, vermag der 19-Jährige daraus handfeste Schlüsse auf den Wappenträger zu ziehen: Anhand weniger Symbole könne man erkennen, wen man vor sich hat, zieht er den Vergleich zu einem Firmenlogo. Für seine eigenen Entwürfe nutzt er ein handelsübliches Grafikprogramm. 

Ein Bischofswappen zu gestalten, daran versuchte sich Böck, der schon einmal ein Praktikum bei einem Designer gemacht hat, erstmals bei der Ernennung des neuen Wiener Erzbischofs Josef Grünwidl im vergangenen Herbst. Ohne große Erwartungen schickte er seinen Entwurf ab und bekam nach einiger Zeit eine wertschätzende Antwort: Man sei in der Erzdiözese bereits selbst aktiv geworden, aber Böcks Vorschläge kämen dem eigenen Entwurf sehr nahe. 

Dass es danach weiterging, liegt auch an einem weiteren großen Hobby des 19-Jährigen, dem Singen. Er ist Mitglied im Kathedraljugendchor Trier und aktiv beim Chorverband Pueri Cantores, wo er seit eineinhalb Jahren einer der Jugendsprecher auf Deutschlandebene ist. Bei den Pueri Cantores lernte Böck den etwa gleichaltrigen Jakob Werding kennen, der sein Interesse an Heraldik teilt. Als dann in Werdings Heimatdiözese Münster ein neuer Bischof ernannt wurde, kam eins zum anderen. Die beiden überarbeiteten das Wappen, das Bischof Heiner Wilmer bereits als Bischof von Hildesheim geführt hatte. Dass er mit ihrer Arbeit mehr als zufrieden war, teilte Wilmer via social media mit: „Supergenial“ hätten die beiden Teenager das gemacht. Von einer „kleinen Sensation“ schrieb die Lokalzeitung.

Als wenig später auch für Eichstätt ein Bischof ernannt wurde, war Böck gerade mit der Familie in Urlaub. Aber natürlich hatte er über einen Instagram-Post der Eichstätter Stabsstelle Kommunikation gleich spitzgekriegt, dass um zwölf Uhr mittags im Dom eine „wesentliche Personalie“ verkündet werde. Er verfolgte den Livestream, googelte das vorhandene Weihbischofs-Wappen von Christian Würtz mit dem Wahlspruch „Dein Reich komme“ und merkte gleich bei Würtz‘ Ansprache: „Okay, mit diesem Spruch arbeitet er auch“. 

Wesentliche Bestandteile des Wappens, für das sich Würtz 2019 als Weihbischof entschied, sind geblieben: Die Salzkristalle auf blauem Grund sind eine Anspielung auf seinen Familiennamen, der Fisch auf rotem Grund findet sich auch im Stadtwappen von Gengenbach im Schwarzwald, wo Würtz als Pfarrer wirkte. Unverändert blieb auch der Klerikerhut, der Galero. Er ist bei Bischöfen grün mit jeweils sechs Quasten an jeder Seite.  Senkrecht hinter dem Wappenschild befindet sich das Vortragekreuz. Bei Bischöfen hat es einen Querbalken, bei Erzbischöfen zwei. Bei dem roten Symbol auf gelbem Grund handle es sich um das Freiburger Balkenkreuz, das Wappen der Kathedrale, erläutert Böck fachkundig. Weihbischöfe verwendeten üblicherweise nicht das Bistumswappen. Weil dies aber bei Diözesanbischöfen üblich ist, wurde das Wappen von Christian Würtz nun ergänzt um den silbernen Eichstätter Bischofsstab auf rotem Grund. „Ich hab‘ mir die Wappen seiner Vorgänger angesehen“, berichtet Böck, „dann ging das eigentlich ziemlich fix“. Der letzte grafische Schliff geschah direkt in Abstimmung mit Bischof Würtz. „Ich brauchte eigentlich nur noch drüber zugucken“, meint Mediengestalterin Heidi Keller-Schmidt von der Stabsstelle Kommunikation.

Wappen entstanden im 12. Jahrhundert zur Zeit der Kreuzzüge. Ritter waren hinter ihren immer schwereren Rüstungen dadurch zu identifizieren. Ab dem frühen 14. Jahrhundert begannen auch Päpste und Bischöfe Wappen zu führen. Bis heute bieten diese die Möglichkeit, etwas über sich und sein Glaubensverständnis auszusagen. Ein Wappen zu führen ist keine Pflicht, doch die allermeisten Würdenträger nutzen die Möglichkeit und greifen manchmal auch Zeichen der Zeit auf. So findet sich im Wappen eines kanadischen Kardinals ein Flüchtlingsboot. 

Aktuelle Bezüge in ein Wappen aufzunehmen, findet auch Lukas Böck gut. Wer weiß, vielleicht sind seine Dienste ja auch über die Eichstätter Bischofsstuhl-Besetzung hinaus gefragt: Die Bistümer Hildesheim und Speyer sind vakant, Magdeburg folgt zum Jahresende.

Text: Gabi Gess


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	Gabi Gess
Gabi Gess Redakteurin in der Stabsstelle Kommunikation