Abtei St. Walburg, Stadtkirche Eichstätt

Weltenburger Abt beim Walburgafest: „Wir brauchen wieder Lernorte des Betens“

Im Zeichen von Glaube und Begegnung stand das Walburgafest in der Benediktinerinnenabtei Eichstätt. Das Hochfest der Bistumsheiligen ist für viele Frauen und Männer aus dem ganzen Bistum ein fester Termin im Kalender.
Blick in die vollbesetzte Abteikirche
Ungebrochene Anziehungskraft übt das Walburgafest aus.

Eichstätt. (pde) – Viele Frauen, die Walburga heißen, zieht es jedes Jahr an ihrem Namenstag nach Eichstätt, zum Hochfest der gleichnamigen Bistumspatronin. Mit vielen weiteren Gläubigen aus der ganzen Diözese sorgten sie auch heuer dafür, dass die Kirche der Benediktinerinnenabtei St. Walburg gut gefüllt war und die Sitzplätze nicht reichten. „Es ist eine Freude, dass Sie so zahlreich gekommen sind“, begrüßte sie der diesjährige Hauptzelebrant, Abt Tomas M. Freihart von der Benediktinerabtei Weltenburg zum Festgottesdienst. In seiner Predigt legte Freihart, der selbst aus dem Bistum Eichstätt stammt, den Zuhörerinnen und Zuhörern die Weitergabe des Glaubens und des Gebets innerhalb der Familie an die nächste Generation ans Herz. 

Dass der christliche Glaube auf dem Gebiet des Bistums überhaupt erst Einzug halten konnte, sei ebenfalls einer Familie zu verdanken, verwies der Abt auf die heilige Walburga, ihre Eltern und Geschwister. Die Benediktsregel, der sie bereits im 8. Jahrhundert folgten, sei kein historisches Dokument aus grauer Vorzeit, sondern präge bis heute auf allen Kontinenten klösterliches Leben. Die Regula Benedicti bedeute „nichts anderes, als die Taufe konsequent zu leben“ und spreche mit ihren zentralen Gedanken nicht nur Mönche und Nonnen an. Gerade in der heutigen lauten Welt brauche es den Rückzug, die Stille, „um den Weg nach innen zu finden in das Herz“.  Vor Gott „dürfen wir alles, was uns bewegt, hintragen. Das heißt ganz einfach. Wir dürfen beten.“ Gerade im Alltag brauche es solche Zeiten des Innehaltens, verwies Freihart auf die benediktinische Formel „Ora et labora“. 

Das Fest der heiligen Walburga in der Eichstätter Benediktinerinnenabtei erinnere an den Auftrag zur Weitergabe des Glaubens, wandte er sich insbesondere an die Eltern und Großeltern, die immer noch die ersten Glaubenszeugen in der Familie seien. „Wir brauchen Lernorte des Betens, wir brauchen einen festen Rhythmus des Betens. Was Sie den Kindern und Enkeln mitgeben, wird zu einem Schatz fürs Leben, zu einer Kraftquelle“. Vieles an religiöser Praxis, das vor einigen Jahrzehnten noch selbstverständlich war, sei inzwischen stillschweigend weggebrochen. „Bemühen wir uns wieder darum“, rief der Abt, der im Gottesdienst im Auftrag von Papst Leo XIV. den päpstlichen Segen erteilte. Zuvor hatte Evelyn Braun vom Vorstandsteam des Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) Fürbitten vorgetragen: Für einen guten Auswahlprozess bei der Besetzung des Eichstätter Bischofsstuhls, für die Gemeinschaft der Benediktinerinnen, für alle Frauen, die sich in Verbänden einsetzen, dass der Glaube Thema bleibt und nicht zuletzt für die Menschen in der Ukraine. 

Am Altar standen neben Abt Thomas der Plankstettener Abt Beda M. Sonnenberg, Domkapitular Reinhard Kürzinger, Domkapitular em. Franz Mattes, Spiritual Tobias Göttle, der Spiritual des Priesterseminars Pater Michael Schneider, Dr. Oleksandr Petrynko, Rektor des Eichstätter Collegium Orientale, der Eichstätter Diözesanpriester und Kolping-Landespräses Christoph Wittmann sowie Diakon Anselm Blumberg, der am Ende des Festgottesdiensts auch zur Nachmittagsandacht und zur Vesper einlud.

Kurz nach dem Hauptgottesdienst standen im Pfortenbereich des Klosters bereits die Gläubigen Schlange, um für sich selbst oder als Mitbringsel für Angehörige ein Fläschchen Walburgisöl abzuholen und beim Warten miteinander ins Gespräch zu kommen. „Wir sind zum ersten Mal da“, erzählte etwa Maria Gerngroß aus der Pfarrei Heuberg bei Hilpoltstein. „Unsere Kirche ist auch der heiligen Walburga geweiht, wir hatten am Sonntag Patrozinium“ Dabei habe ihr Mann ihr spontan vorgeschlagen, am Mittwoch doch auch einmal zum Walburgafest zu fahren. Weil die beiden aber dreimal die Woche „Enkeldienst“ haben und Mittwochs immer der zweijährige Franz an der Reihe ist, durfte der mit Oma und Opa einfach mit nach Eichstätt. „Sehr, sehr schön“ sei der Gottesdienst gewesen, fand Gerngroß hinterher. „Diese Fahrt hat uns nicht gereut!“