Bistum, Schule und Religionsunterricht

„Unterricht ist aller Übel Anfang“ – Stefan Ruppaner begeistert mit radikalem Schulkonzept

Mit der provokanten These „Unterricht ist aller Übel Anfang“ stellte Stefan Ruppaner am Gnadenthal-Gymnasium Ingolstadt ein Schulkonzept vor, das traditionelle Lernformen konsequent hinterfragt. Rund 700 Gäste erlebten, wie die „Schmetterlingspädagogik“ Lernräume öffnet und Schülerinnen und Schüler zu selbstverantwortlichem Arbeiten befähigt.
Stefan Ruppaner beim Vortrag in Ingolstadt
Stefan Ruppaner beim Vortrag in Ingolstadt beim Vortrag im Gnadenthal-Gymnasium in Ingolstadt

Ingolstadt – Die Schulgemeinschaft des Gnadenthal-Gymnasiums Ingolstadt erlebte am 17.11.2025 einen außergewöhnlichen Bildungstag: Stefan Ruppaner, langjähriger Schulleiter der preisgekrönten Alemannenschule Wutöschingen, stellte vor rund 700 Zuhörerinnen und Zuhörern – darunter alle Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, interessierte Eltern sowie Gäste benachbarter Schulen – sein innovatives Unterrichtskonzept vor. Der Titel seines Vortrags: „Unterricht ist aller Übel Anfang“.

Mit dieser provokanten These brach Ruppaner bewusst mit traditionellen Vorstellungen von Schule. „Beim klassischen Unterricht überlegt sich einer vorher, was die Kinder die nächste Dreiviertelstunde denken sollen. Lernen funktioniert so nicht“, erklärte er. Stattdessen setzt die Alemannenschule auf Selbstorganisation, individuelle Lernwege und projektorientiertes Arbeiten – ohne starre Stundenpläne, ohne klassische Klassenräume und weitgehend ohne Frontalunterricht.

Das Konzept, bekannt als „Schmetterlingspädagogik“, basiert auf zwei Grundprinzipien: Selbstorganisiertes Lernen und Lernen durch Erleben. Schülerinnen und Schüler arbeiten in offenen Lernlandschaften, nutzen digitale Kompetenzraster und entscheiden selbst über Tempo und Inhalte. Prüfungen werden durch sogenannte Gelingensnachweise ersetzt, die individuell vereinbart werden. „Wir wollen Kinder nicht belehren, sondern befähigen“, so Ruppaner.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Die Alemannenschule wurde mehrfach mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet und erzielt überdurchschnittliche Abiturergebnisse – trotz oder gerade wegen des Verzichts auf traditionelle Unterrichtsformen.

Stefan Ruppaner selbst hatte Anfang der 2000er-Jahre beim Besuch der Bodensee-Schule in Ludwigshafen erstmals das Konzept des Marchtaler Plans kennengelernt. Inspiriert von der Bodensee-Schule, die das reformpädagogische Konzept des Marchtaler Plans umsetzt, entwickelte er über viele Jahre mit Gleichgesinnten sein eigenes Schulkonzept. Elemente des Marchtaler Plans, die im Kern Freiheit und Verantwortung der Schülerinnen und Schüler fördern, sind seit 2008 Teil des Schulkonzepts am Gnadenthal-Gymnasium Ingolstadt in Trägerschaft der Diözese Eichstätt.

Im Anschluss an den Vortrag entwickelten sich lebhafte Diskussionen unter den Schülerinnen, Schülern, Lehrkräften und Eltern.

Text: Jean-Marcel Diegeler,  Schulleiter des Gnadenthal-Gymnasium Ingolstadt der Diözese Eichstätt