Eichstätt – Frauenunterstützungssysteme sind unverzichtbar. Doch ohne Täterarbeit bleibt der Schutz lückenhaft. Das erklären die Verantwortlichen des Caritas-Frauenhauses und der ökumenischen Erziehungs- und Familienberatung Ingolstadt sowie der Fachstelle Täterarbeit Ingolstadt, einer Außenstelle des Münchner Informationszentrums für Männer (MIM), anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am 25. November.
Kein Zusatzangebot, sondern zentraler Baustein
„Erst wenn Täter gezielt in die Verantwortung genommen werden, haben die Frauen eine wirkliche Chance, in Sicherheit zu leben – und Kinder, ohne Gewalt aufzuwachsen“, sagt die Leiterin des Frauenhauses, Andrea Schlicht. „Täterarbeit ist deshalb kein Zusatzangebot, sondern ein zentraler Baustein für ein gewaltfreies Zusammenleben“, ergänzt Simon Biedenbach von der Fachstelle Täterarbeit. Ulrike Foidl, Leiterin der Erziehungsberatung, weiß, dass bei häuslicher Gewalt „die im Haushalt lebenden Kinder immer mitbetroffen sind, unabhängig davon, ob sie selbst Gewalt erfahren oder lediglich die Gewalt zwischen den Eltern beobachten“. Daher sei es unerlässlich, dass ihnen und ihren Müttern Frauenhäuser, Beratungsstellen und Hotlines Schutz bieten. Doch sie ist sich mit Andrea Schlicht und Simon Biedenbach einig, dass ein zentraler Aspekt oft übersehen werde: die Arbeit mit Tätern. „Ohne sie bleibt das Unterstützungssystem unvollständig“, so Andrea Schlicht.
Denn verantwortlich für Gewalt sind der Frauenhausleiterin zufolge ausschließlich diejenigen, die sie ausüben. „Statistisch erlebt jede dritte Frau in der EU in ihrem Leben Gewalt durch ihren Partner oder Ex-Partner. 80 Prozent der erfassten Fälle von Partnerschaftsgewalt werden von Männern begangen.“ Die Gewalt ziehe sich oft über Generationen hinweg und verursache immense gesellschaftliche Kosten – im Gesundheitswesen, in der Sozialarbeit und in der Wirtschaft. Dennoch bleibe das Thema im öffentlichen Diskurs häufig marginalisiert. „Das Schweigen der Gesellschaft trägt dazu bei, dass Gewalt weiterbesteht. Statt die Täter in die Verantwortung zu nehmen, müssen die Betroffenen ihr Zuhause und ihr soziales Umfeld verlassen, um Schutz zu finden. Frauenunterstützungseinrichtungen leisten hier wertvolle Arbeit – doch sie allein reichen nicht aus“, bedauert Andrea Schlicht.
Flieht eine Frau aus einer gewaltbelasteten Beziehung, kann nach dem Eindruck der drei Experten der Täter sein Leben scheinbar ungestört fortsetzen. „Viele Frauen sind nicht dauerhaft sicher. Über Umgangskontakte nutzen Täter oft die Kinder, um Kontrolle und Druck auszuüben. Sie manipulieren, setzen unter Druck oder nutzen sie als Boten“, erfährt Ulrike Foidl in ihrer Beratung. Für die Frauen bedeutet das laut Andrea Schlicht: „Die Trennung kann zwar vor unmittelbarer körperlicher Gewalt schützen – doch diese Sicherheit ist nicht garantiert. Viele Täter setzen ihre Gewalt auch nach der Trennung fort, sei es durch psychische Gewalt oder über die Kinder. Ohne Täterarbeit bleibt diese Gewaltlogik bestehen – auch in neuen Partnerschaften.“