Ingolstadt – Ein besonderer Tag in der Klasse 9 P an der Sir-William-Herschel-Mittelschule in Ingolstadt: Zu Besuch gekommen sind Regine Morich und Nicole Fichtner, Gründerinnen des Vereins Kulturbeutel – Netzwerk für psychische Gesundheit. Fichtner hat auch ihre 20-jährige Tochter Lena mitgebracht, die in Kürze Psychologie studieren will. Sie werden heute mit der Schulklasse zu drei Hilfestellen mit dem bekannten Bus „Drive for Life“ fahren – einem Projekt, das auch von der Caritasstiftung Eichstätt finanziell unterstützt wurde. Zuvor geben alle Schülerinnen und Schüler ihr Handy bei Klassenleiterin Alexandra Frey ab. „Wisst ihr, was Suizid bedeutet?“, fragt Morich, als die Jugendlichen auf ihren Plätzen sind. „Wenn jemand sich das Leben nimmt“, weiß ein Junge. Die Ehrenamtlichen von Kulturbeutel zeigen einen kurzen Film über Suizidprävention. Er lehrt die Kinder mit Schlagworten, was sie auch bei den Hilfestellen erfahren werden: „Reden ist der erste Schritt“, „Unausgesprochenes sichtbar machen“, „Aus Tabu wird Gespräch“ und „Reden rettet Leben“ – so wie es auf dem Bus steht, in den sie später einsteigen.
Zuerst sollen sie noch ein paar Fragen beantworten: „Was tut ihr, wenn Euch ein Freund erzählt, dass er überlegt, sich umzubringen und euch bittet, dies aber niemand zu sagen?“ Die Meinungen in der Klasse sind geteilt. „Es gibt keinen Vertrauensbruch, wenn es um die Rettung eines Menschenlebens geht“, macht ihnen Regine Morich unmissverständlich klar. Dann lernen die Schülerinnen und Schüler noch, dass sich – laut Morich – alle 53 Minuten in Deutschland ein Mensch das Leben nimmt und alle fünf Minuten jemand dies versucht. Schließlich notieren alle Fragen, die bei den Hilfestellen gestellt werden sollen.