Kitas Franken, PV Rednitzhembach-Schwanstetten-Wendelstein ("brücken-schlag"), PV Berching

Platz für Bücherei oder Kolumbarium: Wenn Kirchen „zu groß“ werden

Was tun mit Kirchengebäuden, die bei sinkenden Mitgliederzahlen nicht ausgelastet sind oder gar nicht mehr benötigt werden? In Rednitzhembach zieht eine Bücherei in die Kirche, in Berching steht das Pfarrheim zum Verkauf. Auch andere Pfarreien machen sich Gedanken.
Zu groß für die noch aktive Gemeinde: die Pfarrkirche Rednitzhembach

Die 74 Pfarrverbände im Bistum Eichstätt haben in den vergangenen Jahren Pastoralkonzepte erstellt, die jeweils auch einen Immobilienplan enthalten. Das hat im Pfarrverband Rednitzhembach-Wendelstein („brücken-schlag“) bald sichtbare Folgen. In Rednitzhembach, im mittelfränkischen Landkreis Roth, wird die katholische öffentliche Bücherei in die Pfarrkirche Heilig-Kreuz verlegt. Die Diözese genehmigte kürzlich ein Projekt, das die Teilumwidmung des Gotteshauses sowie den Umbau des Pfarrzentrums und des katholischen Kindergartens umfasst.

Das Kirchenzentrum im Souterrain des Kinderhauses stellt die Pfarrei künftig der Kommune für die Erweiterung des Kindergartens der KiTa Franken gGmbH zur Verfügung. „Wir haben uns dazu bereit erklärt, da wir einen Gemeindesaal in dieser Größe nur noch sehr selten benötigen“, erzählt Kirchenpfleger Wolfgang Fischer. Die erste Idee war, einen neuen Saal in die Kirche einzubauen. Doch hätte der Baukörper allein aufgrund seiner Fläche dem Erscheinungsbild des Kirchenraumes massiv geschadet. Unter anderem wäre der Blick auf die Mosaik-Kreuzigungsgruppe verbaut worden, die dem Patrozinium der Kirche gewidmet ist und fast die gesamte Fläche des Ostgiebels einnimmt.

Nach weiteren Überlegungen entschied man sich, den Büchereiraum in die Kirche zu integrieren. „Dafür brauchen wir deutlich weniger Platz in der Kirche“, sagt Fischer. Der Jugend- und Versammlungsraum im Bücherei- und Jugendheimgebäude wird durch die Entfernung von Trennwänden deutlich vergrößert, sodass er als Pfarrsaal dienen kann. Der bisherige Büchereiraum wird zum Jugend- und Besprechungsraum umgebaut, die Toilettenanlage erneuert. „Damit passen wir unseren Immobilienbestand an die neuen, geringeren Anforderungen an“, erklärt der Kirchenpfleger.

„Wir haben viel zu viel Platz“

Der Pfarrgemeinderat hat dem Konzept, das die Kirchenverwaltung in Absprache mit dem Diözesanbauamt entwickelt hat, zugestimmt. Bei der vorangegangenen Analyse des Immobilienbestands der Pfarrei habe man festgestellt: „Wir haben viel zu viel Platz“, erzählt Fischer. Das Raumangebot stammt aus einer Zeit, in der katholische Christinnen und Christen noch selbstverständlich jeden Sonntag in die Kirche gingen und regelmäßig die Angebote der Pfarrei nutzten. Der Pfarrsaal war damals zudem der einzige öffentliche Saal im Gemeindegebiet. Heute nehmen an den Wochenendgottesdiensten (samstags und sonntags) zusammen nur noch 60 bis 120 Gläubige teil. „Die Kirche ist, um das klar zu sagen, mit 350 Sitzplätzen mittlerweile viel zu groß“, stellt Fischer fest.

Der Pfarrsaal wird nur noch bei Theateraufführungen und bei wenigen Feiern des Pfarrgemeinderats einigermaßen voll. Für regelmäßige Veranstaltungen wie Seniorennachmittage, Kirchenchorproben und Kolpingveranstaltungen würde ein wesentlich kleinerer Raum genügen. Das Konferenzzimmer wird von den Gruppierungen der Pfarrei kaum noch genutzt. Das Kolpingzimmer ist zunehmend zum Lagerraum geworden. Im laufenden Unterhalt ist das Pfarrzentrum sehr günstig. „Wir können es uns leisten. Aber wenn wieder einmal eine Generalsanierung des Kindergartens ansteht und Eingriffe in die Bausubstanz erforderlich werden, kann es für uns sehr schnell sehr teuer werden“, gab Fischer den Pfarreigremien zu bedenken.

Der Gemeinderat Rednitzhembach hat bereits Ende 2024 den Ausbau des katholischen Kinderhauses beschlossen. Mit dem grünen Licht aus Eichstätt kann nun die Pfarrei mit der Umsetzung des Projektes „Einbau eines Büchereiraumes in die Pfarrkirche und Umgestaltung des Jugendheimes zum Pfarrheim“ beginnen. Die Umbauarbeiten, die mit Gesamtkosten von rund 400.000 Euro veranschlagt sind, sollen voraussichtlich bis Herbst 2026 abgeschlossen sein. Dann werden die 15 Ehrenamtlichen, die die Bücherei betreuen, ihren Dienst – buchstäblich – in der Kirche tun. Und die Gottesdienstbesuchende können sich beim Ausgang mit geistiger Nahrung in Form von Büchern für die Woche eindecken.

Sporthalle oder Kolumbarium?

Während Rednitzhembach in die konkrete Umsetzung geht, machen sich auch andere Pastoralräume Gedanken über ihren Gebäudebestand. Einige Ideen – noch nicht spruchreif – stehen in ihren Immobilienkonzepten, weiß Ivo Hermann, Baudirektor der Diözese Eichstätt. Sie reichen von Investition und Entwicklung zur Umnutzung einer Immobilie bis hin zu Verpachtung oder Verkauf. Es gibt beispielsweise Überlegungen, nicht mehr benötigte, denkmalgeschützte Kirchen zu neuen Nutzungen zu führen – etwa als Kolumbarium oder nicht denkmalgeschützte Kirchen als Sporthalle für benachbarte öffentliche Schulen. „Ebenso werden Pfarrhäuser öfters an Kommunen, Sportvereine, Theatergruppen oder Feuerwehren vermietet“, sagt Hermann. 

Darüber hinaus gibt es Konzepte, nicht mehr genutzte Pfarrzentren in Wohnprojekte mit diakonischem Anspruch umzuwandeln, wobei für die zukünftige Kirchengemeinde lediglich ein Oratorium vorgesehen wird. „Wir unterstützen und beraten von Seiten des Bauamtes gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort bei diesen kreativen und neuen Ansätzen – sowohl hinsichtlich der baulichen und rechtlichen Hürden einer Umsetzung als auch bei einer umsichtigen Kommunikation in Zusammenarbeit mit der Öffentlichkeitsarbeit der Diözese“, sagt Hermann.

Die Idee, eine nicht mehr benötigte Kirche in eine Ruhestätte für Verstorbene, ein Kolumbarium, umzuwandeln, mag ungewöhnlich klingen, wird aber in anderen Diözesen bereits umgesetzt. Im Bistum Aachen zum Beispiel gibt es 13 solche Begräbnisstätten, die dort „Columbarium“ (vom lateinischen „columba“ = Taube) heißen. Eines davon ist das Columbarium St. Marien in Würselen-Scherberg, das seit 2020 rund 3100 Nischen für Urnenbestattungen für Menschen jeden Glaubens bietet. Das Gotteshaus war im Rahmen eines bistumsweiten Prozesses, der Pfarreienfusionen umfasste, profaniert worden. Anstatt es zu veräußern, entschied sich die Pfarrei für die Umwandlung, und so lebt die 100-jährige Kirche weiter. „Hier finden Verstorbene ihre letzte irdische Heimat und Angehörige einen Ort der Ruhe und Begegnung“, sagt Ursula Grafen, Leiterin der Verwaltung des Columbariums.

Die Veräußerung von Immobilien durch Kirchenstiftungen kommt laut Ivo Hermann auch im Bistum Eichstätt nur als allerletzte Alternative in Frage. Die erste Priorität beim Abgeben von Gebäuden bestehe darin, diese im Erbbaurecht zu vergeben, um zukünftige Nutzungsmöglichkeiten und Entwicklungspotenziale zu erhalten. Der Verkauf sei zwar grundsätzlich möglich, jedoch aufgrund der stiftungsrechtlichen Vorgaben nur in engen Grenzen zulässig. „Unsere Abteilung ermutigt und unterstützt aber die Verantwortlichen vor Ort, ihre Immobilien als langfristig sichere Anlagewerte sinnvoll zu nutzen“, sagt der Baudirektor.

Aus für Pettenkoferhaus

Es gibt jedoch Situationen, in denen trotz aller Bemühungen am Ende nur der Verkauf als Option übrigbleibt. So stellt sich die Situation um das Pettenkoferhaus der Pfarrei Berching dar. „Wir wollen es nicht veräußern, weil wir es wollen, sondern weil wir nicht anders können“, sagt Pfarrer Francesco Benini. Das Pettenkoferhaus wurde 1970/71 von einer Kirche zum Pfarrheim umgebaut. „Damals war dieser Schritt richtig. Das Gebäude entsprach den Bedürfnissen der damaligen Pfarrei“, erzählt Benini, der die Pfarrei seit September 2020 leitet. Für die heutigen Bedürfnisse sei das Haus jedoch völlig überdimensioniert. Der große Saal werde nur einige Male im Jahr von kirchlichen Gruppierungen genutzt. Die überwiegende Nutzung erfolge durch Vereine oder andere Gruppierungen, die einen Veranstaltungsort suchten. Zudem habe eine bauliche Einschätzung durch Fachleute der Diözese ergeben, dass eine energetische Sanierung vier bis sechs Millionen Euro kosten würde. Das könne die Pfarrei mit eigenen Mitteln nicht stemmen. „Bei normalem Betrieb und Mieteinnahmen durch externe Gruppen haben wir jedes Jahr ein Defizit von mehreren tausend Euro“, rechnet der Pfarrer vor.

Ein Versuch, das Gebäude der Stadt anzuvertrauen, damit es als Stadthaus für kirchliche und nichtkirchliche Vereine genutzt wird, sei gescheitert. Der Stadtrat habe sich mit Blick auf eigene bauliche Verpflichtungen gegen den Erwerb des Hauses entschieden. Daraufhin bot die Pfarrei es der Caritas und dem Cusanuswerk an. „Wir haben alles versucht, um dem Pettenkoferhaus eine soziale Nutzung zuzuführen“, betont Benini. „Weder die Kommune noch die Caritas noch der soziale Wohnungsbau wollten das Haus haben.“ Deshalb folgte die Pfarrei einer Empfehlung der Diözese Eichstätt und beauftragte eine auf denkmalgeschützte Gebäude spezialisierte Maklerfirma mit dem Verkauf. „Wir hoffen, das Pettenkoferhaus veräußern zu können, bevor wir Besitzer einer nicht mehr nutzbaren Ruine werden“, sagt Pfarrer Benini.

Text: Geraldo Hoffmann

Teile der ehemaligen Kirche St. Monika werden wiederverwendet

Geraldo Hoffmann Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit