Eichstätt – Welche Bedeutung hat die Pilgereise des heiligen Willibald für das Pilgerwesen heute? Mit dieser Frage hat sich der Theologe Georg Röwekamp, Leiter des Pilgerhauses Tabgha des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande (DVHL) am See Genezareth befasst. Im bewegten Leben des Eichstätter Bistumspatrons sieht er ein Modell für die Spiritualität unserer Zeit.
Vor 1300 Jahren ist Willibald als Pilger im Heiligen Land angekommen, wo er offenbar von Fleckfieber oder Flecktyphus befallen wurde. An die Pilgerreise erinnert ein Mosaik in der Dormitio-Abtei, dem deutschsprachigen Benediktinerkloster auf dem Zionberg. Anlässlich dieses Jubiläums fand am Jahrestag der Ankunft, dem 11. November 2024, eine internationale Konferenz in Jerusalem statt. Georg Röwekamp hat die Tagung mitorganisiert und einen Vortrag über „Willibald und die peregrinatio ex patria“ gehalten.
Röwekamp stellt darin fest, dass viele alte Texte, die als Pilgerberichte gelten, in Wahrheit Reiseführer oder Lebensbeschreibungen sind. Der Bericht über Willibalds Reise ist Teil seiner Vita, verfasst von der Nonne Hugeburc, und zeigt, dass seine Pilgerreise Ausdruck eines asketischen Lebensideals war. Dabei ging es weniger um den Besuch heiliger Orte als um eine dauerhafte „Fremdheit“ (peregrinatio ex patria) als spirituelle Lebensform – ein radikales Verlassen von Heimat und Besitz zugunsten einer höheren, gottgeweihten Existenz.
Ausgehend von Jesu Worten über seine eigene Heimatlosigkeit entwickelte sich im frühen Christentum ein Stand von wandernden Aposteln und Propheten, die hoch geschätzt waren. Im Osten hielt sich diese asketische Lebensform trotz wachsender Bischofsmacht besonders lange. Das Leben in der Fremde wurde zu einer Form frühchristlicher Askese. Auch im Westen war das Ideal der peregrinatio, ein Leben in der Fremde um Christi willen, verbreitet. Der Begriff „Pilgern“ (peregrinatio) wurde anfangs noch allgemein für Fremdsein oder das Leben als Gast verwendet. Erst im 6. Jahrhundert begann man ihn im engeren Sinne als Wallfahrt zu heiligen Stätten zu verstehen.