Pflanzen der Bibel: Wo Gottes Wort Wurzeln schlägt

Mit dem Frühling beginnt die Gartensaison. Wer noch Ideen sucht, kann sich bei der Pflanzenwahl auch von der Heiligen Schrift inspirieren lassen und so biblische Geschichten neu zum Leben erwecken. Ein Buch und ein „Bibelgarten“ geben hierzu Anregungen.
Rund 2.500 Pflanzenarten wachsen im Heiligen Land, darunter auch Wüstenblumen. Foto: Andreas Schneidt

Pflanzen ziehen sich wie ein grüner Faden durch die Texte der Bibel. Das beginnt bereits in der Schöpfungsgeschichte im Buch Genesis, in der Gott spricht: „Die Erde lasse junges Grün sprießen, Gewächs, das Samen bildet, Fruchtbäume, die nach ihrer Art Früchte tragen mit Samen darin auf der Erde.“ Zahlreiche religiöse Riten, Feste, Gebote und biblische Gleichnisse beziehen sich auf Pflanzen, ihren Anbau und ihre Verwendung.

Mit etwa 2.500 Pflanzenarten ist die Flora Israels beziehungsweise des Heiligen Landes sehr vielfältig, obwohl rund die Hälfte des Gebiets aus Wüste besteht. In der Bibel werden etwa 110 Arten erwähnt. Eine Auswahl daraus, insbesondere solche, die auch in unseren Breitengraden gedeihen, stellen der ehemalige Technischer Leiter der Botanischen Lehr- und Versuchsanlagen der Universität Kassel, Wolfgang Kawollek, und der Gartenbautechniker Henning Falk in ihrem Buch „Die Pflanzen der Bibel kennen und kultivieren“ vor. Sie beschreiben die wichtigsten Bäume, Sträucher und Kräuter und vermitteln Wissenswertes zu ihrer Bedeutung in verschiedenen Kulturkreisen, zu Nutzung und Verbreitung. Ergänzt wird dies durch praktische Hinweise für die Kultivierung im Garten, auf dem Balkon oder im Haus. Zu jeder Pflanze gibt es einen Steckbrief mit Informationen zu Wuchs, Laub, Blüte, Früchten, Herkunft, Bezugsquellen sowie zu Kultur- und Pflegehinweisen.

Das mit 94 Farbfotos und neun historischen Abbildungen illustrierte Buch lädt zugleich zu einer Reise durch die Heilige Schrift ein, indem es kulturhistorisches und gärtnerisches Wissen mit passenden Bibelstellen verbindet. „Zahllose Anspielungen, Gleichnis- und Bildworte in der Bibel zeugen davon, welchen Rang die Pflanzen im Alltag des Volkes Israel einnahmen und wie eng die biblischen Völker mit der Natur verbunden waren“, schreiben die Autoren. Ein Beispiel dafür ist die Geschichte der Israeliten, die nach ihrer vierzigjährigen Wanderung durch die Wüste das gelobte, fruchtbare Kanaan besiedeln – das Land der „sieben Arten“: Weizen, Gerste, Wein, Granatapfel, Olive und Dattel. „Sie galten in biblischen Zeiten als wichtige landwirtschaftliche Produkte und als Ausdruck von Gottes Segen“, so Kawollek und Falk. Weizen und Gerste zählen noch heute zu den wichtigsten „Früchten des Feldes“. Gerstenbrot, „das Brot der Armen“, aßen auch die 5.000 Menschen bei der Brotvermehrung am See Genezareth, von der alle vier Evangelien berichten.

Olivenbaum, Feige und Granatapfel

Zu den bedeutungsvollsten Pflanzen der Bibel gehört der Ölbaum, auch Olivenbaum genannt. Sein Zweig steht seit jeher für Frieden, neues Leben und Hoffnung, wie es die Erzählung von der Sintflut im Buch Genesis belegt: „Gegen Abend kam die Taube zu ihm zurück und siehe: In ihrem Schnabel hatte sie einen frischen Ölzweig. Da wusste Noach, dass das Wasser auf der Erde abgenommen hatte.“ Der Ölberg mit dem Garten Getsemani in Jerusalem war ein zentraler Wirkungsort Jesu; sein Name „Christos“ bedeutet „der von Gott mit Öl Gesalbte“. Einige Ölbäume aus jener Zeit stehen noch heute dort, ein Beleg für das hohe Alter, das diese Bäume erreichen können.

Die erste namentlich genannte Pflanze in der Heiligen Schrift ist die Feige. In der zweiten Schöpfungserzählung schämen sich Adam und Eva nach dem Essen vom Baum der Erkenntnis ihrer Nacktheit und bedecken sich mit Feigenblättern, dem ersten „Kleidungsstück“ des Menschen. Als „Frucht vom Baum der Erkenntnis“ identifizieren die Autoren die Frucht einer Zitruspflanze, den sogenannten Adams- oder Paradiesapfel.

Der Granatapfel wiederum wird im Hohelied Salomos mit der Schönheit der Frau verglichen; sein Samenreichtum gilt als Symbol der Fruchtbarkeit. 

Wie ein purpurrotes Band sind deine Lippen und dein Mund ist reizend. Dem Riss eines Granatapfels gleicht deine Wange hinter deinem Schleier.“ (Hl 4,3). 

Granatapfelkerne werden traditionell beim jüdischen Neujahrsfest gegessen. Dem Volksglauben nach hat der perfekte Granatapfel 613 Kerne, so viele, wie es Tora-Gebote gibt. Die Dattelpalme, ein wichtiger Nahrungslieferant der Wüstenvölker, steht im christlichen Verständnis für Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit und Auferstehung. Mit Palmwedeln und Hosianna-Rufen wurde Jesus beim Einzug in Jerusalem begrüßt – daran erinnert der Palmsonntag.

„Ich bin der Weinstock“

Viele Bibelstellen beziehen sich auf den Weinstock. „Noach, ein Ackerbauer, war der Erste, der einen Weinberg pflanzte“, heißt es im Buch Genesis. Daraus folgern Kawollek und Falk, dass Noah als erster Winzer gelten kann. Im Lied vom Weinberg im Buch Jesaja sehen sie eine Art „Weinanbauhandbuch“, das Anlage und Pflege eines Weinbergs beschreibt. Prägend für das Leben von Christinnen und Christen ist jedoch Jesu Gleichnis: 

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen“.

Einige in der Bibel erwähnten Pflanzen hatten zudem eine besondere Bedeutung als Heil- oder Duftstoffe sowie als Räucherwerk. Dazu zählen Weihrauch, Myrrhe, Ladanum, Mastix und Aloe-Harz. Die Verwendung von Weihrauch galt in der frühen christlichen Kultur zunächst als „heidnisch“ und wurde erst ab dem 4. Jahrhundert akzeptiert. Myrrhe gehörte zu den Gaben der „Weisen aus dem Morgenland“ für das Jesuskind. Aloe, mit duftender Myrrhe vermischt, kam der Überlieferung zufolge auch bei der Bestattung Jesu zum Einsatz.

„Brot des Himmels“

Ein Kapitel widmen Kawollek und Falk dem Manna, dem „Brot des Himmels“. Wie durch ein Wunder soll Gott es den hungernden Israeliten während ihrer Wüstenwanderung gesandt haben. Diese Erzählung könnte jedoch auch einen realen Hintergrund haben: Einige Wissenschaftler vermuten, dass das biblische Manna von der Tamariske stammt. 

Rund 450 Arten umfasst die weltweit verbreitete Eichengattung. In der Bibel werden unter anderem die Tabor-Eiche und die Kermes- oder Abrahams-Eiche erwähnt. „Eichen sind in der Bibel auch Symbole für Kraft, Stolz und Ruhm und waren Bestattungsorte für vornehme Tote“, schreiben Kawollek und Falk. In vielen Kulturen gelten sie als heilige Bäume. Bei den Germanen war die Eiche dem Gewitter- und Fruchtbarkeitsgott Donar geweiht.

Dornenpflanzen und Blumen des Feldes

Mehr als 70 Arten von Dornenpflanzen wachsen in Israel, über 20 davon werden in der Bibel erwähnt. Auf den „brennenden Dornbusch“ bezieht sich eine der bekanntesten Berufungsgeschichten – die von Mose – in der Gott sich als „Ich bin da“ (JHWH) offenbart. Welche Pflanze genau gemeint ist, ist bis heute nicht eindeutig geklärt; möglicherweise handelt es sich um den Sennabusch. Die Dornenkrone Jesu könnte aus Zweigen eines Kugeldornenstrauchs gefertigt worden sein: 

Dann legten sie ihm einen Purpurmantel um und flochten einen Dornenkranz; den setzten sie ihm auf“ (Mk 15,17).

Weitere Pflanzen, die Kawollek und Falk beschreiben, sind unter anderem Golddistel, Rizinus, Wunderbaum, Palma Christi, Baumwolle und Papyrus. Im letzten Kapitel widmen sie sich den „Blumen des Feldes“. Diese werden in der Bibel häufig erwähnt, jedoch nur selten namentlich benannt. Möglicherweise sind mit den Lilien, von denen Jesus spricht, stellvertretend alle Feldblumen gemeint: „Seht euch die Lilien an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen“ (Lk 12,27). Zu den Blumen des Feldes zählen nach Ansicht der Autoren etwa die Kronen-Anemone, die Wilde Malve, der Klatschmohn sowie die Kronen-Wucherblume, die ganze Landschaften in ein leuchtendes Blütenmeer verwandeln kann und wohl schmackhaft ist: „Wer sie erblickt, der verschlingt sie, kaum dass er sie in seiner Hand hält“, soll der Prophet Jesaja gesagt haben.

„Tor zum Leben“ und zum Bibelgarten

Wie das „Gärtnern mit Adam und Eva“ konkret aussehen kann, zeigt seit 2019 eine Gruppe von Freiwilligen in Berching. In ihrem „Bibelgarten“ wachsen Pflanzen, die im Alten und Neuen Testament erwähnt werden, etwa Zypressen, Öl- und Feigenbäume, Senfkorn oder Ysop. Den Garten an der Schulstraße 11 betritt man durch das „Tor zum Leben“. Hinter dem Mosaik „Friedenstaube“ eröffnet sich eine kleine meditative Anlage aus Steinen und Pflanzen, die alle einen Bezug zur Heiligen Schrift haben. Ein Faltblatt enthält die Bibelstellen, die auf kleinen Holztafeln neben den Pflanzen angegeben sind. So werden Pflanzen und Texte der Bibel anschaulich erfahrbar. Der Garten ist jederzeit geöffnet und frei zugänglich.

Buchtipp

Kawollek, Wolfgang und Falk, Henning: Die Pflanzen der Bibel kennen und kultivieren
2. Auflage. Verlag: Eugen Ulmer, Preis: 15 Euro. ISBN 978-3-8186-1299-3.

Text: Geraldo Hoffmann

Frauenfrühstücke mit Pflanzen der Bibel

Geraldo Hoffmann Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit