Beim Glaubenstreffen „Shine On“ am Samstag, 31. Januar, im Jugendtagungshaus Schloss Pfünz spricht Pater Ralph Heiligtag über ein Thema, das im christlichen Alltag oft ausgeklammert wird: den Umgang mit Geld. Im Interview beleuchtet er biblische Aussagen zu Reichtum und Besitz und erklärt, was Kontoauszüge über Prioritäten verraten können. Dabei betont er Freiheit, Verantwortung und Großzügigkeit als Leitplanken christlichen Handelns. Heiligtag ist Kaplan der Münsterpfarrei und Mitglied des Vor-Oratoriums St. Josef in Ingolstadt.
Pater Ralph, „Gott und meine Finanzen – Welche Idee hat Gott vom Geld?“ lautet das Thema Ihres Vortrags beim nächsten „Shine On“. Warum sprechen Sie bei einem Glaubenstreffen über Finanzen?
Pater Ralph Heiligtag: „Shine On“ ist ein Vertiefungsformat für Menschen, die den Shine-Kurs durchlaufen haben – eine Art „Jüngerschaftsschule“ in leichter Form. Im Anschlussformat „Shine On“ geht der gemeinsame Glaubensweg weiter, indem verschiedene Schwerpunktthemen angeboten werden. Hinter dem Thema „Gott und meine Finanzen“ steht die Auseinandersetzung mit der oft unbewussten Trennung zwischen Glauben und Alltag, die viele Christen in sich tragen. Ich bin überzeugt, dass sich jeder Christ Gedanken darüber machen sollte, wie er mit seinem Geld umgeht. Es ist ein Irrtum zu glauben, es gäbe Bereiche unseres Lebens, die mit Gott nichts zu tun hätten.
Welche Relevanz haben Finanzen im Reich Gottes?
Alles im Leben hat eine finanzielle Seite. Es wurde einmal gezählt, dass in der gesamten Bibel rund 500 Verse von Gebet und Glauben handeln, aber etwa 2000 von Geld und Besitz. Auch wenn solche Zahlen je nach Zählweise variieren, zeigen sie doch deutlich, wie präsent das Thema ist. Selbst in der Verkündigung Jesu nimmt das Thema Geld und Finanzen eine zentrale Stellung ein. In 16 von 38 Gleichnissen spricht er darüber – also in rund 42 Prozent seiner Gleichnisse. Das ist enorm und zeigt die praktische Bodenständigkeit der Lehre Jesu. Kurz gesagt: Geld ist ein Segen, den Gott dir gibt, damit du ihn weitergibst und dadurch den Segen multiplizierst. Der Umgang mit deinen Finanzen zeigt, ob du auf dich selbst oder auf Gott vertraust.
Das Thema Finanzen spielt im persönlichen Glaubensleben eine größere Rolle, als den meisten Christen bewusst ist, heißt es in der Einladung zum Glaubenstreffen. Was sagt unser Kontostand über unseren Glauben aus?
Nicht der Kontostand sagt etwas über unseren Glauben aus. Das wäre „gospel of prosperity“, und der ist nicht katholisch. (Anmerkung der Redaktion: „Gospel of Prosperity“ ist eine religiöse Strömung, vor allem im amerikanischen Pfingst- und evangelikalen Protestantismus, nach der der Glaube an Gott direkt mit materiellem Wohlstand, Gesundheit und finanziellem Erfolg belohnt wird.)
Es wäre falsch zu predigen, dass ein Mensch reich wird, wenn er den Willen Gottes erfüllt, und arm bleibt, wenn er sich gegen den Willen Gottes verhält. Vielmehr geht es um die Freiheit der Kinder Gottes.
Der Theologe und Kirchenvater Irenäus von Lyon († um 200) schrieb in seinem Werk „Gegen die Häresien“: „Wir sind nicht mehr Sklaven, die opfern, sondern Freie. […] Darum haben jene ihren Zehnten geweiht. Die aber die Freiheit erlangten, bestimmen alles zur Verfügung des Herrn. Sie geben freudig und frei alles, nicht bloß das Wenige, in der Hoffnung, mehr dafür zu bekommen.“ Beim Spenden realisiert sich also die Freiheit der Kinder Gottes – kein Zwang, kein Handel, keine Erwartung einer Gegenleistung.
Sagen also Kontoauszüge etwas über den Glauben aus?