Bistum

Neujahrsempfang des Eichstätter Diözesanrats: Mut zu aktiver Mitgestaltung von Gesellschaft und Kirche

Beim Neujahrsempfang wurde dazu aufgerufen, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv für Gerechtigkeit und Zusammenhalt einzusetzen. Glaube und Engagement können Orientierung geben und dazu ermutigen, Gesellschaft und Kirche gemeinsam zu gestalten.
Gärtner am Redepult
Christian Gärtner ist Vorsitzender des Eichstätter Diözesanrats und des Landeskomitees der Katholiken in Bayern

Eichstätt. (pde) – Wenn Machthunger Gerechtigkeit verdränge, wenn politische Akteure Angst, Unsicherheit und ein ständiges Gefühl der Bedrohung erzeugten, dann laute die Gegenbotschaft des Evangeliums: „Fürchtet Euch nicht!“, stellte der Eichstätter Diözesanratsvorsitzende Christian Gärtner in seiner Rede beim Neujahrsempfang des Gremiums fest. Der Glaube gebe Mut, sich Herausforderungen zu stellen. Gläubiges Vertrauen könne Kräfte wecken, hatte zuvor bereits Diözesanadministrator Dompropst Alfred Rottler in seinem Grußwort festgestellt. Wie Gärtner wies er auch auf die große Bedeutung der bevorstehenden Pfarrgemeinderatswahlen hin. Beide Redner lenkten den Blick außerdem in die Partnerdiözese Poona, wo am selben Tag, fast zeitgleich, die Weihe eines neuen Bischofs stattfand.

Zeichen für die Einheit der Christen

Rund 180 geladene Gäste aus dem kirchlichen und öffentlichen Bereich hatten sich zum Neujahrsempfang eingefunden, der mit einem ökumenischen Gottesdienst im Zeichen der Gebetswoche für die Einheit der Christen begann und vom Collegium Orientale und Domorganist Martin Bernreuther musikalisch gestaltet wurde. Wie Versöhnung, nicht nur im Bereich der Ökumene, gelingen kann, dazu gab Pastor Lutz Heidebrecht von der Mennonitengemeinschaft Ingolstadt in seiner Predigt im wahrsten Sinn des Wortes eine Handreichung: Anhand der fünf Finger beschrieb er den Weg vom Gefühl des Verletztseins bis zur Wiederbegegnung auf Augenhöhe. In diesem Bild bleibend, wünschte er für 2026 „eine Handvoll Versöhnung“.

Kirche muss nah bei den Menschen sein

Im Spiegelsaal der früheren fürstbischöflichen Residenz, des heutigen Eichstätter Landratsamts, hieß Gärtner anschließend zum ersten „bischofslosen Neujahrsempfang“ seiner Amtszeit willkommen, nicht nur im Hinblick auf den vakanten Eichstätter Bischofsstuhl, sondern auch auf zwei Absagen: Der evangelische Regionalbischof Klaus Stiegler fehlte krankheitsbedingt, der Metropolit der rumänisch-orthodoxen Kirche, Erzbischof Dr. Serafim Joanta, konnte ebenfalls nicht teilnehmen. 

Diözesanadministrator Rottler konstatierte in seinem Grußwort, dass Kirche sich angesichts zurückgehender Ressourcen von manchen Bereichen trennen müsse und nannte als tagesaktuelles Beispiel den Verzicht der Nachbardiözese Regensburg auf die bistumseigene Brauerei. Auf keinen Fall aber dürfe Kirche aufhören, nah bei den Menschen zu sein, zum Beispiel im karitativen Bereich. 

Den sorgenvollen Blick des Diözesanadministrators auf die Weltpolitik griff auch der Diözesanratsvorsitzende in seiner Ansprache auf und ging dabei von einer Analyse aus, die „sehr treffend“ den aktuellen Zustand der Welt beschreibe, auch wenn sie der Kirchenvater Augustinus schon im vierten Jahrhundert formulierte: „Wird die Gerechtigkeit beiseitegeschoben, was sind Staaten dann anderes als groß angelegte Formen organisierter Kriminalität?“. Augustinus, so Gärtner, nenne Alexander den Großen als ein Beispiel für solch fließenden Übergang. „Sie können sich gerne selbst überlegen, welchen Namen Sie anstelle Alexanders des Großen einsetzen würden“, wandte er sich an die Zuhörenden, „da gibt es durchaus mehrere aktuelle Beispiele“.

Die christliche Botschaft ermuntere aber, mutig in eine andere Richtung zu gehen: „Ein gerechter Staat, das ist es, wofür nicht nur wir Christinnen und Christen uns einsetzen sollen.“ Dies umfasse auch soziale Gerechtigkeit, Chancengerechtigkeit, Generationengerechtigkeit und Klimagerechtigkeit. Wir erlebten aktuell, „dass ein Leben in Frieden, in Freiheit und im Wohlstand keine Selbstverständlichkeit ist, sondern dass wir alle im Rahmen unserer Möglichkeiten dazu beitragen und daran mitarbeiten müssen, diese Güter zu erhalten“. Dazu gehöre auch globale Solidarität, erläuterte Gärtner mit Blick auf die Zusammenarbeit mit den Partnerdiözesen in Indien und Afrika. 

Gärtner: Schutz des Sonntags hat Vorrang

Der Diözesanratsvorsitzende hob auch den Schutz des Sonntags als Gegenentwurf zu einer Welt permanenter Verfügbarkeit hervor. Applaus erhielt er für seine Ankündigung, sich in seiner Funktion als Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken in Bayern als einer von sieben Klägern aus dem gewerkschaftlichen und kirchlichen Bereich an einer Popularklage am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof gegen das neue Bayerische Ladenschlussgesetz zu beteiligen, welches eine Vielzahl von Ausnahmeregelungen von der geschützten Sonn- und Feiertagsruhe ermögliche. 

Auf die Kommunalwahl im kommenden Frühjahr ging Gärtner ebenso ein wie auf die Pfarrgemeinderatswahlen am 1. März. In beiden Fällen gelte: „Die Zukunft entscheidet sich vor Ort“. Er zeigte sich froh um alle Frauen und Männer, die sich politisch engagieren oder die bereit sind, „der Kirche vor Ort ein Gesicht zu geben“, was insbesondere in den Pfarrgemeinderäten organisiert und umgesetzt werde. 

Ich bin dankbar für alle, es sind allein in unserer Diözese mehrere Tausend, die ihr ehrenamtliches Engagement in den Dienst der Kirche stellen, indem sie in den vergangenen vier Jahren in den über 200 Pfarrgemeinde- und Kirchortsräten mitgewirkt haben. Und ich bin genauso dankbar für alle, die sich jetzt wieder oder zum ersten Mal dazu entschlossen haben, sich als Kandidatinnen und Kandidaten zur Verfügung zu stellen.
Christian Gärtner

Damit Kirche verspielte Glaubwürdigkeit zurückgewinne, bedürfe es der Synodalität auf allen Ebenen, bekräftigte der Diözesanratsvorsitzende und begrüßte ausdrücklich den im vergangenen Herbst eingeführten Bistumsrat. „Die notwendigen Entscheidungen darüber, wo und wie gespart werden muss, sind nicht bloße bürokratische Verwaltungsakte“, sagte Gärtner. „Sie werden nur Erfolg haben und Akzeptanz finden, wenn es gelingt, über den Bistumsrat - und in Zukunft zusammen mit einem neuen Bischof darüber hinaus hoffentlich in einem breiter aufgestellten Diözesanforum - die von den Entscheidungen Betroffenen wirklich zu Beteiligten zu machen.“ 

Am Ende seiner Rede warb Gärtner für rege Beteiligung am bevorstehenden Katholikentag in Würzburg und leitete aus dessen Motto seinen Schlussappell ab: „Werden Sie zu Mut-Machern!“ Nicht nur Gärtner erhielt großen Beifall, sondern auch der Bläserchor der Knabenrealschule Rebdorf, der den Festakt musikalisch umrahmt hatte und um eine Zugabe nicht herumkam.