Neu ernannter Bischof Würtz: „Ich freue mich darauf, hier am Aufbau des Reiches Gottes mitzuarbeiten“

Mit herzlichem Applaus ist der neu ernannte Eichstätter Bischof Dr. Dr. Christian Würtz im voll besetzten Dom empfangen worden. In seiner ersten Ansprache griff der bisherige Freiburger Weihbischof das Motto der Willibaldswoche „Mut machen, aufbrechen!“ auf und betonte, er wolle zunächst vor allem zuhören und die Menschen im Bistum kennenlernen.
Gratulationen von Gläubigen nach der Ernennung von Dr. Dr. Christian Würtz zum Bischof von Eichstätt

Eichstätt. (pde) – Mit warmem, herzlichen Applaus ist der neu ernannte Eichstätter Bischof Dr. Dr. Christian Würtz an seiner künftigen Wirkungsstätte empfangen worden. Bis auf die letzten Bänke besetzt war der Eichstätter Dom, als Diözesanadministrator Dompropst Alfred Rottler nach mehr als einjähriger Vakanz genau am Hochfest des Bistumsgründers, des heiligen Willibald, den Namen des neuen Oberhirten verkündete. Würtz bezog sich in seiner ersten Ansprache auch gleich auf das Motto der laufenden Willibaldswoche: „Mut machen, aufbrechen!“ „Mit Ihrem Applaus haben Sie mir Mut gemacht, dass ich aufbrechen kann zu Ihnen“, sagte der derzeitige Weihbischof aus Freiburg. Die meisten hätten wohl seinen Namen nicht gekannt, meinte er, so wie auch er im Dom so gut wie keine bekannten Gesichter entdeckt habe. Damit er seinen neuen Platz auf der Baustelle des Reiches Gottes finde, „bin ich auf Ihre Mitarbeit angewiesen.“ Er freue sich darauf, das Bistum und seine Menschen kennenzulernen.

Die am Vortag vom Bistum verbreitete Nachricht, dass gegen 12 Uhr eine „wesentliche Personalentscheidung“ verkündet werde, machte schnell die Runde. Viele Menschen hatten sich auf den Weg in den Dom gemacht: Pfarrer und Kapläne aus dem ganzen Bistum, Diözesanratsmitglieder und Pfarrgemeinderäte, Ordensschwestern und Eichstätts Oberbürgermeister. Auf den Treppenstufen der Sitzfigur des heiligen Willibald hatten sich Erst- und Zweitklässler einer Eichstätter Grundschule niedergelassen, begleitet von der katholischen Religionslehrerin Petra Rinnagl und ihrer evangelischen Kollegin Ursula Wawra. Eigentlich hatten die beiden an diesem Tag mit den Kindern einen Ausflug in die evangelische Kirche geplant. „Aber wenn schon mal so etwas Außergewöhnliches passiert, wollten wir, dass die Kinder das miterleben können“, berichtete Rinnagl.

„Gut wäre es, wenn der neue Bischof von außerhalb des Bistums käme“, meinte ein Ehepaar aus Kipfenberg, das extra zur Bekanntgabe in den Dom gekommen war und gespannt wartete. Nach dem Angelusgebet, das um Punkt 12 Uhr begonnen hatte, verkündete Dompropst Rottler den Namen des designierten Eichstätter Bischofs und sicherte diesem zu, „dass wir dich unterstützen und in unser Gebet einschließen.“ Es treffe sich gut, „dass auch unsere Gäste und Freunde aus Burundi hier sind“, verwies Rottler auf die Anwesenheit von Erzbischof Bonaventure Nahimana aus Gitega in Burundi und seinem Vorgänger Erzbischof em. Simon Ntamwana.

Dann folgte der Moment, als Weihbischof Würtz aus dem Altarraum an den Ambo trat und sich den Menschen vor Ort und daheim an den Bildschirmen vorstellte. Er tat dies anhand dreier Bibelstellen, die ihn an Meilensteinen seines Lebens begleitet hatten. Bei seiner Diakonenweihe an einem vierten Advent sei dies die Verheißung des Propheten Jesaja gewesen, „Gott mit uns.“ Um diese Erfahrung machen zu können, helfe die Gemeinschaft von Gläubigen, die einander stützen. Bei seiner Priesterweihe habe ihn ein Satz aus dem ersten Brief an die Thessalonicher begleitet, der auf die Berufung durch die Taufe verweise: „Gott, der euch beruft, ist treu.“  Und nicht zuletzt sei da sein Wahlspruch von der Bischofsweihe 2019: „Dein Reich komme.“  Auch damals sei er vor neuen, unbekannten Aufgaben gestanden und habe als Richtschnur den Vers aus dem Vaterunser gewählt. „Ich nahm mir vor, an meiner neuen Stelle am Aufbau des Reiches Gottes mitzuwirken, am Reich der Gerechtigkeit, der Liebe, des Friedens. Das soll auch mein Antrieb als Bischof von Eichstätt sein.“

Während der künftige Bischof vor dem Dom bereits mit Gläubigen ins Gespräch kam, wurden im Gotteshaus noch erste Eindrücke ausgetauscht. „Sehr sympathisch und tief spirituell“, gab die Äbtissin der Benediktinerinnenabtei St. Walburg, Mutter Elisabeth Hartwig, auf Nachfrage ihren ersten Eindruck wieder. „Ich glaube, das kann ein mutiger Brückenbauer werden“, fand der Amtschef des Bistums, Thomas Schäfers. Eichstätts Landrat Alexander Anetsberger meinte: „Es war schön, dass der Dom voll war und dass sich offensichtlich alle freuen, dass wir wieder einen neuen Bischof haben.“ Florian Siegmund vom Vorstand des Jugendachdachverbands BDKJ im Bistum, antwortete: „Ich finde ihn offen und schwungvoll. Das brauchen wir als Bistum gerade.“ Was ihn als aktives Mitglied der Katholischen Jungen Gemeinde (KjG) aber besonders freut: „Dass der neue Bischof auch aus der KjG und aus der Ministrantenarbeit kommt.“

Pressekonferenz: „Erster Aufschlag ist gut geglückt“

Mit großer Dankbarkeit und spürbarer persönlicher Bewegtheit stellte sich der neue Eichstätter Bischof Christian Würtz im Innenhof des Eichstätter Bischofshauses anschließend den Fragen der Presse. Dabei sprach er über die überraschende Ernennung durch Papst Leo XIV., seine Erwartungen an das neue Amt und die Schwerpunkte seines künftigen Wirkens. „Es freut mich sehr, dass der erste Aufschlag gut geglückt ist“, sagte Würtz mit Blick auf den herzlichen Empfang im Bistum. Beeindruckt zeigte er sich von der großen Zahl der Menschen, die zu seiner Vorstellung in den Dom gekommen waren. Zugleich bekannte er offen: „Ich muss das alles erstmal auf mich wirken lassen.“ Die Ernennung und die zahlreichen Begegnungen des Tages seien für ihn „alles andere als Routine“, sondern bewegten ihn sehr.

Der neue Bischof schilderte, dass ihn die Nachricht seiner Ernennung völlig unvorbereitet getroffen habe. Der Apostolische Nuntius in Berlin habe ihn telefonisch darüber informiert, dass Papst Leo XIV. beabsichtige, ihn zum Bischof von Eichstätt zu ernennen. Eine sofortige Zusage habe er jedoch nicht gegeben. „Da musste ich doch mal eine Nacht drüber schlafen. Das entscheidet man nicht so kurz am Telefon, wenn man überhaupt nicht darauf vorbereitet ist“, berichtete Würtz. Erst nach intensiven Gesprächen und der Ermutigung durch den Nuntius habe er schließlich Ja gesagt.

Für seine erste Zeit im Bistum kündigte Würtz an, vor allem zuhören zu wollen. „Das ist das Wichtigste, vor allem in der ersten Zeit: Hören, was die Menschen hier bewegt, welche Sehnsüchte und Hoffnungen sie haben, welche Wünsche und vielleicht Enttäuschungen – alles, was zum Leben gehört.“ Gemeinsam mit den Gläubigen wolle er anschließend Wege suchen, „wie wir gemeinsam das Reich Gottes aufbauen.“

Würtz sprach auch über den Abschied von seiner bisherigen Heimatdiözese Freiburg. „Es wäre ja schlimm, wenn ich sagen würde, zum Glück bin ich endlich dort weg und Hauptsache irgendwo anders hin“, erklärte er. Der Abschied falle ihm schwer, weil er sich dort stets sehr wohlgefühlt habe. Viele gewachsene Beziehungen würden künftig weniger intensiv sein. „Das ist mit einem Abschiedsschmerz verbunden. Aber der Blick geht jetzt nach vorne.“

Mit großer Vorfreude blickt der neue Bischof auf die Begegnungen im Bistum Eichstätt. „Ich muss hier nicht bei Null anfangen“, betonte er: „Es gibt hier viele Menschen, die schon am Reich Gottes mitbauen und da darf ich mich jetzt einfügen. Ich freue mich darauf, jetzt hier mitzuarbeiten am Aufbau des Reiches Gottes.“ Um mit den Gläubigen in Kontakt zu kommen, wolle er möglichst viel im gesamten Bistum unterwegs sein. Geplant seien Besuche in den Pfarreien, die Teilnahme an Festen und persönliche Begegnungen. In Eichstätt sei er zum ersten Mal, habe aber bereits im Tagungshaus Hirschberg an Bischofsexerzitien teilgenommen.

„Kirche ohne Caritas ist keine Kirche“

Zu den inhaltlichen Schwerpunkten seines künftigen Wirkens zählt Würtz insbesondere die Verbindung von Pastoral und Diakonie. In der Deutschen Bischofskonferenz leitete er hierzu bereits eine Arbeitskommission. Seine Haltung formulierte er unmissverständlich: „Kirche ohne Caritas ist für mich keine Kirche – das ist für mich ganz klar.“ Der selbstlose Dienst am Menschen gehöre zu den Grundvollzügen kirchlichen Lebens. 

Darüber hinaus möchte sich Würtz mit den Ergebnissen der Weltsynode und der Frage beschäftigen, wie die Berufung aller Getauften stärker zur Geltung kommen kann. Dabei interessiere ihn besonders die Weiterentwicklung der Sakramentenkatechese. Auf eine Frage zum Synodalen Weg erklärte der neue Bischof, dass er den Reformprozess von Beginn an begleitet habe. Synodalität verstehe er als Auftrag für die gesamte Kirche. „Von daher ist uns allen aufgegeben – das hat auch Papst Franziskus gesagt – als Kirche synodal unterwegs zu sein.“

An der Pressekonferenz nahmen auch Diözesanadministrator Alfred Rottler und der Vorsitzende des Diözesanrates der Katholiken im Bistum Eichstätt, Christian Gärtner, teil. Rottler zeigte sich erfreut über die Ernennung des neuen Bischofs und betonte dessen fachliche und pastorale Qualitäten. „Ich freue mich riesig, dass wir mit Christian Würtz einen neuen Bischof aus Süddeutschland bekommen haben. Es ist gut, wenn jemand von außerhalb kommt und seine Perspektive hereinbringt. Er ist theologisch versiert, pastoral erfahren“, sagte er. Zudem wünsche er dem neuen Bischof ein segensreiches Wirken und ein gutes Ankommen „hier im Herzen Bayerns.“

Auch Gärtner begrüßte die Ernennung mit großer Freude. Nach mehr als einem Jahr ohne Bischof sei dies ein wichtiges Signal für das Bistum. „Wir hatten über ein Jahr hier in Eichstätt eine bischofslose Zeit. Umso mehr freue ich mich, dass ein Namensvetter von mir, Christian Würtz, aus dem Erzbistum Freiburg unser neu ernannter Bischof ist“, erklärte er. Zugleich sicherte er dem neuen Bischof die Unterstützung der Gläubigen zu und versprach, ihn beim Aufbau des Reiches Gottes „mit allen Kräften, gutem Willen, von ganzem Herzen unterstützen“ zu wollen.

Bildergalerie zum Tag der Ernennung