Kleines Bistum, große Aufgaben

Das Bistum Eichstätt verbindet fast 1.300 Jahre Kirchengeschichte mit einem vielfältigen Glaubensleben und steht heute vor der Aufgabe, neue Wege in der Seelsorge zu gehen. Wohin steuert es mit dem neuen Bischof?
Gelingt dem Bistum mit Bischof Christian Würtz ein Neubeginn? (Im Bild: Schloss Hirschberg, eines der drei Tagungshäuser der Diözese Eichstätt.)

Mit rund 334.000 Katholikinnen und Katholiken – knapp ein Drittel der Bevölkerung – und einer Fläche von rund 6.025 Quadratkilometern ist das Bistum Eichstätt eines der kleineren der 27 deutschen Bistümer und das kleinste der sieben bayerischen. Umgeben von den Diözesen Augsburg, Bamberg und Regensburg treffen auf seinem Gebiet die vier bayerischen Regierungsbezirke Oberbayern, Schwaben, Mittelfranken und Oberpfalz zusammen.

Landschaftlich ist es geprägt von den sanften Höhenzügen der Fränkischen Alb, dem Fränkischen Seenland, dem Oberpfälzer Jura und den Flussschleifen der Altmühl, die von Wacholderheiden, Jurafelsen, Trockenrasen und Buchenwäldern gesäumt ist. Es ist ein grünes Bistum. Außerhalb von urbanen Zentren wie Roth-Schwabach, Nürnberg und Ingolstadt prägen von Landwirtschaft umgebene Städtchen und Dörfer weitgehend das Bild. Im Herzen des Naturparks Altmühltal verbindet die Diözese auf einzigartige Weise Natur, Geschichte und Spiritualität. 

Ihr geistliches und kulturelles Zentrum ist die barocke Bischofsstadt Eichstätt mit dem frisch renovierten Dom am Grab des Diözesanpatrons Willibald, der Benediktinerinnenabtei St. Walburg, dem ältesten Priesterseminar nördlich der Alpen sowie dem Collegium Orientale und der einzigen katholischen Universität im deutschsprachigen Raum, der KU Eichstätt-Ingolstadt. 

Weitere spirituelle Zentren sind die Benediktinerabtei Plankstetten, das Kloster Sankt Josef Neumarkt (Niederbronner Schwestern) und das Karmelitinnenkloster Wemding. Mit der Wallfahrtsbasilika Maria Brünnlein befindet sich in Wemding auch die bekannteste der gut 30 Wallfahrtskirchen im Bistum. Sie ziehen Tausende von Menschen an und bezeugen eine tief verwurzelte Volksfrömmigkeit. Ein Netz aus Pilgerwegen verbindet einige dieser und weitere weniger bekannte Wallfahrtsorte miteinander.

Seelsorglich und verwaltungstechnisch ist das Bistum gegenwärtig in acht Dekanaten und 74 Pastoralräumen organisiert, die sich aus 267 Pfarreien zusammensetzen. In der Seelsorge wirken derzeit 238 Priester (inklusive Ruhestandgeistliche). Hinzu kommen 222 Ordensangehörige, 47 Ständige Diakone (inklusive Pensionäre), 100 pastorale Mitarbeitende sowie 105 Religionslehrkräfte. Zählt man die Beschäftigten aller Kirchenstiftungen und diözesanen Einrichtungen – darunter 3.000 Mitarbeitende der Caritas – dazu, gehören rund 9.000 Menschen zur Dienstgemeinschaft des Bistums. Diese Zahlen spiegeln eine Kirche wider, die personell nah bei den Menschen vor Ort ist.

Die aktuellen kirchlichen Statistiken zeigen zugleich die Herausforderungen der Gegenwart. Im Jahr 2025 wurden im Bistum 2.143 Taufen, 2.916 Erstkommunionen, 2.199 Firmungen und 412 kirchliche Trauungen gefeiert. Demgegenüber standen 3.743 kirchliche Bestattungen. Die Zahl der Kirchenaustritte lag bei 4.284 Personen, während 27 Menschen neu in die katholische Kirche eintraten und 76 wieder aufgenommen wurden. Rund 10,9 Prozent der Katholikinnen und Katholiken (36.000) nahmen an den Sonntagsgottesdiensten teil.

Es gibt auch ein Glaubensleben jenseits dieser Zahlen, in der persönlichen Gottesbeziehung, in tätiger Nächstenliebe, in Begegnungen und Gesprächen im Alltag. Es zeigt sich in den Familien, in Kindergärten und Schulen, in Krankenhäusern und Seniorenheimen, in Exerzitien und auf Wallfahrten, in Beratungsstellen und Caritas-Sozialstationen, in Jugendgruppen sowie bei Veranstaltungen der katholischen Verbände und der Erwachsenenbildung. Der Caritasverband für die Diözese Eichstätt betreutete im Jahr 2025 rund 41.000 Menschen in seinen eigenen Einrichtungen.

Getragen wird das kirchliche Leben auch von vielen Ehrenamtlichen. Allein in der Kirchenmusik engagieren sich mehr als 6.000 Menschen, rund 2.000 sind in den Pfarrgemeinderäten und etwa 1.200 (überwiegend Frauen) in der Büchereiarbeit aktiv. Knapp 4.500 Kinder und Jugendliche versehen den Ministrantendienst. Vom Engagement in Verbänden zeugen beispielsweise die über 33.000 DJK-Mitglieder und die rund 7.000 Mitglieder des Frauenbundes. Unter dem Dach des BDKJ engagieren sich über 30.000 Kinder und Jugendliche in Jugendverbänden.

Das Bistum engagiert sich stark im Bildungsbereich, beginnend bei den Kleinen. Die 189 Kindertageseinrichtungen in katholischer Trägerschaft betreuen fast 13.000 Kinder. In den fünf weiterführenden Schulen und der Fachakademie für Sozialpädagogik der Diözese erhalten 2.723 junge Menschen eine werteorientierte Bildung. Rund 50.000 Menschen besuchen jährlich rund 2.000 Veranstaltungen der sechs regionalen Erwachsenenbildungswerke und des Diözesanbildungswerks (Stand: 2024). Viele Veranstaltungen finden in den drei Tagungshäusern der Diözese statt: Schloss Pfünz, Schloss Hirschberg und Habsberg.

Finanziell sieht sich die Diözese solide aufgestellt mit einer Bilanzsumme von rund 633 Millionen Euro und einem Eigenkapital von rund 328 Millionen Euro (2025). Studien sagen allerdings eine Halbierung der Kirchenmitgliederzahl bis 2060 voraus, was einen Einbruch der Kirchensteuereinnahmen nach sich ziehen wird. Mit diesem Szenarium vor Augen hat die Diözese 2021 einen Strategieprozess gestartet. Ziel ist es, kirchliches Leben langfristig zu sichern. Die knapper werdenden Ressourcen sollen gezielt in den Schwerpunkten Wachstum, Digitalisierung und Nachhaltigkeit/Solidarischer Lebensstil eingesetzt werden. 

Seit 2013 setzt die Diözese eine Klimaoffensive um mit dem Ziel, bis 2035 Treibhausgasneutralität zu erreichen. Das Bischöfliche Ordinariat ist EMAS-zertifiziert. Nachhaltiges Handeln soll Wachstum fördern. Digitalisierung soll die Effizienz der Verwaltung steigern und den Kontakt mit den Menschen verbessern. Erste Handlungspakete aus dem Strategieprozess werden derzeit mit dem 2023 erstellten Zukunftsplan umgesetzt.

Mit dem absehbaren Ressourcenrückgang fordert auch die „Kirche aus Stein und Beton“ die Diözese heraus. Auf ihrem Gebiet verantwortet sie den Erhalt und Unterhalt von rund 2.500 Gebäuden: Kirchen und Kapellen, Pfarrzentren und Pfarrhäuser, Kindertagesstätten, Schulen, Bildungs-, Jugend-, Wohn- und Geschäftshäuser. Ein Großteil davon ist in die Jahre gekommen und wird zunehmend sanierungsbedürftig. Um den künftigen Personal- und Raumbedarf zu ermitteln, haben die Pastoralräume in den vergangenen drei Jahren Pastoral- und Immobilienkonzepte entwickelt. 

Von deren Umsetzung sowie von den Prioritäten der neuen Bistumsleitung und einem klugen Ressourceneinsatz hängt es ab, wie sich die Kirche von Eichstätt weiterhin in den Dienst des Evangeliums und der Menschen stellt und wohin sie steuert: Leere Kirchen schließen oder Denkhorizonte und Räume öffnen für eine Art von Kirche, die nicht zur Leere führt. Der neue Bischof gibt eine mutmachende Richtung vor: „Mitbauen am Reich Gottes“. Mitbauen kann manchmal auch umbauen bedeuten.

Text: Geraldo Hoffmann

Geraldo Hoffmann Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit