Pfarrei Velburg

Kirche lebt vor Ort - Vollversammlung des Eichstätter Diözesanrats in Velburg

Zu seiner letzten Vollversammlung in der laufenden Amtsperiode traf sich der Eichstätter Diözesanrat in Velburg und debattierte dabei sachlich, offen und konstruktiv.
Blick aus Podium
Informationen aus erster Hand (von links): Der Ständige Vertreter des Diözesanadministrators, Michael Alberter, die Stellvertretende Vorsitzende des Diözesanrats, Marlies Müller, und Diözesanratsvorsitzender Christian Gärtner.

Velburg/Eichstätt. (pde) – Kirche findet vor Ort statt und braucht auch bei allen Strukturplanungen künftig die kleinen Einheiten. Bei der Frühjahrs-Vollversammlung des Eichstätter Diözesanrats, die diesmal in Velburg zu Gast war, war dies eine Quintessenz – sowohl beim Zwischenbericht und der Diskussion über die Pastoralkonzepte als auch bei der Nachbesprechung der Pfarrgemeinderatswahlen. Letztmals traf sich die Versammlung in einer Amtsperiode, die laut Diözesanratsvorsitzendem Christian Gärtner wie keine zuvor von „heißen, intensiven Themen“ geprägt gewesen sei. Hatte es bei den letzten Treffen teils hitzige Debatten mit der Bistumsleitung gegeben, war die Stimmung in Velburg durchgehend konstruktiv und spiegelte das Bewusstsein wider, dass sich die Herausforderungen der kommenden Zeit nur gemeinsam bewältigen lassen. Für den Geschäftsführer des Diözesanrats, Richard Ulrich, war es nach 23 Jahren die letzte von ihm vorbereitete Vollversammlung.

Nach dem geistlichen Impuls von Domkapitular Reinhard Kürzinger, den Grußworten der Velburger Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Petra Pachner und von Bürgermeister Christian Schmid nahm das Thema Pastoralkonzepte den gesamten Vormittag ein. Agnes Meier und Hubert Solfrank, im Bischöflichen Ordinariat zuständig für den Bereich Pastorale Entwicklung im Fachbereich Territoriale Seelsorge, gaben einen Überblick über den aktuellen Stand und die weiteren Planungen. 

Den „Blick nach vorn“ entwickeln

Von 74 Pfarrverbänden hätten nach letztem Stand 68 ein Konzept eingereicht, informierte Meier, „mit allen 74 gab und gibt es Kontakt“. 14 Pfarrverbände habe man mehr oder weniger lang bei der Erstellung begleitet, und keinen wolle man mit der Rückmeldung „Setzen, sechs!“ allein lassen. Bewertungen, die man abgebe, seien keine Verpflichtung, Angaben nachzureichen, sondern Anregung zum Weiterdenken. Eher selten, zeigte sie sich verwundert, sei das Thema Ökumene in den Konzepten genannt worden. Zu wenig seien Stimmen von außerhalb, von der Kommunalpolitik oder von weltlichen Vereinen einbezogen worden: „Wie seht ihr die katholische Gemeinde? Wo könnten wir uns unterstützen?“ 

So wichtig Umfragen, wie sie viele Pfarrverbände durchführten, auch seien, so dürfe es nicht bei der Bestandsaufnahme bleiben, waren sich Meier und Solfrank einig. Die Ergebnisse zu bündeln und den „Blick nach vorn“ zu entwickeln, falle vielen schwer, meinte der Pastoralreferent, der speziell auf das Thema Immobilienkonzept einging und anhand praktischer Beispiele darlegte, „dass Umnutzung besser ist als Verfall“. Es brauche immer Einzelfalllösungen, die nur funktionierten, „wenn Leute vor Ort anschieben“. Kirchorte, stellte Solfrank fest, „sollen kleingliedrig bleiben dürfen, weil da am meisten Herzblut drinsteckt“. 

Klartext zu Jugendstellen und Raumplanung

Der Nachmittag der Sitzung, an der zeitweilig auch Diözesanadministrator Alfred Rottler teilnahm, begann mit einer Klarstellung, die dessen Ständiger Vertreter Michael Alberter in Sachen Jugendstellen vornahm: Es bleibe definitiv bei vier Jugendstellen mit insgesamt sechs Vollzeitstellen für Jugendreferentinnen oder -referenten, ohne weitere Bedingungen oder Befristungen – so, wie es zuvor unter Einbeziehung des Bistumsrats beschlossen worden sei. Eine anderslautende Meldung habe für „maximale Verunsicherung“ gesorgt, auch weil darin auf pastorale Raumplanung Bezug genommen werde. Eine solche sei zwar im Zukunftsplan des Bistums für den Zeitraum 2025 bis 2030 ins Auge gefasst worden, „aber in das anfanghafte Planen fiel der Rücktritt des Bischofs“. Deshalb sei derzeit alles in der Schwebe, „die strategische Arbeit kann erst wieder Fahrt aufnehmen, wenn ein neuer Bischof im Amt ist“. Derzeit liege die Personalie im Dikasterium für die Bischöfe in Rom, habe der Nuntius im Gespräch mit Diözesanadministrator Rottler angedeutet und „um etwas Geduld“ gebeten. Von einer „Inventur-Zeit“ in der Vakanz, in der man Prozesse und Effizienz überprüfe, sprach auch Amtschef Thomas Schäfers. Dabei gehe es unter anderem um verstärkte Kooperation mit anderen Diözesen.

Fazit zu den Pfarrgemeinderatswahlen

Positives hatten Richard Ulrich und seine designierte Nachfolgerin Stephanie Bernreuther beim Rückblick auf die Pfarrgemeinderatswahlen Anfang März zu vermelden: Eichstätt war eine von nur zwei bayerischen Diözesen, die eine Online-Wahl anboten. Mit dem Ergebnis, „dass wir mit 25 Prozent eine so hohe Wahlbeteiligung hatten wie seit 2002 nicht mehr“, stellte Ulrich unter Applaus fest. Man sei damit Spitzenreiter in Bayern. Auch mit der Zahl von rund 2000 Kandidatinnen und Kandidaten sei das Bistum im bayernweiten Vergleich sehr gut unterwegs, was wiederum daran liege, „dass wir noch so viele Gremien haben, 240 an der Zahl, während in anderen Diözesen schon Fusionen stattfanden. Wir brauchen aber diese Verantwortlichen, die vor Ort anpacken“. Gärtner fügte lobend an: „Allen Unkenrufen zum Trotz ist die Bereitschaft, sich über eine Wahl für diese Kirche zu engagieren, über alle Altersgruppen hinweg ungebrochen hoch“.

Positiv fiel das Resümee von Roland Schwab aus, der als einer von vier Diözesanratsmitgliedern dem im Herbst konstituierten Bistumsrat angehört. Dieser habe sich unlängst zum zweiten Mal getroffen; die Diskussionskultur sei „sehr konstruktiv und sehr offen“. Es sei in Zeiten der Vakanz zwar „eine Übergangslösung“, aber grundsätzlich auch „ein Riesenschritt für das Bistum“. Gärtner zeigte sich optimistisch, dass auch der künftige Eichstätter Oberhirte im Zeichen der Synodalität an dem Rat festhalte, so dass dieser vielleicht in ein größeres diözesanes Forum münden könne.

Neue Sachausschüsse eingerichtet

Für die nächste Amtsperiode des Diözesanrats, die im September startet, wurden bereits jetzt die neuen Sachausschüsse eingerichtet – mit den vorläufigen Arbeitstiteln: Arbeit, Wirtschaft und Soziales; Inklusive Pastoral; Familie-Erziehung-Bildung; Weltkirche-Entwicklung-Frieden; Schöpfungsverantwortung und Umwelt; Gemeindepastoral sowie eine eigene Satzungskommission, die künftige pastorale Raumplanungen begleiten soll. Eine explorative Studie der Unabhängigen Aufarbeitungskommission kündigte deren Co-Vorsitzender, Diözesanratsmitglied Peter Grimm, an. Ehe die Vollversammlung mit einem Gottesdienst in der Velburger Pfarrkirche St. Johannes zu Ende ging, hatte Vorsitzender Gärtner das abschließende Wort. Er warb darin nicht nur für den Besuch des Katholikentags, der im Mai in Würzburg stattfindet, sondern brach eine Lanze für Synodalität im Sinne von Papst Franziskus. Was die Anerkennung der deutschen Synodalkonferenz in Rom betrifft, zeigte er sich „verhalten optimistisch“. Aber auch die im Bistum frisch gewählten Pfarrgemeinderäte seien „nichts anderes als die örtlichen synodalen Räte unserer Kirche, also Synodalität pur“.