Pfarrei Heideck

Heideck - Eine Heilige zum Jubiläum

Mit der Ankunft einer Reliquie der heiligen Ottilia knüpft die Heidecker Frauenkirche an eine jahrhundertealte Tradition an. Erstmals wurde das neue Reliquiar im Marienmonat Mai der Gemeinde vorgestellt und am historischen Ottilienaltar verehrt.
Pfarrer vor dem Altar
Pfarrer Sebastian Lesch legt die Ottiliareliquie auf.

Heideck – Vor wenigen Wochen konnte der Heidecker Stadtpfarrer Sebastian Lesch sein 10-jähriges Weihejubiläum festlich begehen. Aus diesem Anlass stiftete er der Heidecker Pfarrkirche das restaurierte Triumphbogenkreuz (wir berichteten).

Fast zeitgleich ergab sich ein weiteres besonderes Ereignis: die Ankunft einer Reliquie der heiligen Ottilia. Zu Beginn des Monats Mai stellte Stadtpfarrer Sebastian Lesch die Reliquie der Gemeinde in den drei Sonntagsgottesdiensten in der Frauenkirche (Kapell) vor.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass die Verehrung der heiligen Ottilia in Heideck eine lange Tradition hat. Im August 1419 weihte der Eichstätter Weihbischof Albert OFM im Auftrag des Bischofs Johann von Heideck die von dessen Bruder Friedrich von Heideck errichtete Frauenkirche. Zu ihren Altären gehörte auch der nördliche Seitenaltar, der den heiligen Ottilia und Luzia geweiht war.

Im Mittelalter, als es weder eine ausreichende medizinische Versorgung noch wirksame Heilmittel gab, waren die Menschen auf Gebet und die Fürsprache der Heiligen angewiesen. Für die Gesundheit der Augen und die Sehkraft galten besonders die heiligen Luzia und Ottilia als Fürsprecherinnen.

Der Heidecker Kleriker Konrad Fügel erwirkte 1473 für den Ottilienaltar in Rom päpstliche Privilegien, die mit Ablässen verbunden waren und die Verehrung fördern sollten. Vermutlich besaß der reiche Heidecker Kirchenschatz damals sogar eine Reliquie der Heiligen. Die Weiheurkunden weisen darauf hin. Noch 1585, als Heideck bereits unter Nürnberger Herrschaft lutherisch war, verzeichnen Inventare zahlreiche mittelalterliche Paramente, Kirchengeräte und Reliquiare. Wahrscheinlich ging dieser Schatz während der schwedischen Besatzung in den Jahren 1633/34 verloren.

Nach der Gegenreformation und dem Dreißigjährigen Krieg erinnerte man sich wieder der heiligen Ottilia. 1684 wurde sie im Oberbild des nördlichen Seitenaltares der Pfarrkirche dargestellt. Seit 1960 befindet sich dieser Altar in der Pfarrkirche Pleinfeld. An seine Stelle rückte damals der Rokokoaltar aus der Frauenkirche, um dort die mittelalterlichen Wandmalereien freilegen zu können. Der historische Ottilienaltar in der Kapell ist dadurch heute wieder sichtbar, wenn auch ohne seine ursprüngliche Ausstattung.

Vor einigen Jahren erhielt der Restaurator Marcus Hohmann ein leeres Reliquiar aus der Biedermeierzeit als Geschenk. Seine Idee war es, den Ottilienaltar aufzuwerten und die heilige Ottilia wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken. Deshalb wandte er sich direkt an das Kloster auf dem Odilienberg im Elsass und erhielt umgehend eine positive Antwort vom Großkanzler der Erzdiözese Straßburg, Domkapitular Bernard Xibaut.

Nachdem das versilberte Reliquiar gereinigt, umgebaut und mit einem neuen Glas versehen worden war, konkretisierte Hohmann sein Anliegen. Am 15. April traf schließlich Post aus Straßburg ein: Erzbischof Pascal Delannoy übersandte eine Authentik (Echtheitszertifikat) sowie einen versiegelten Reliquienbrief mit Knochenpartikeln der heiligen Ottilia. Bereits am folgenden Tag, dem Weihetag von Stadtpfarrer Sebastian Lesch, konnte das Reliquiar vervollständigt und kirchlich versiegelt werden.

Da die Gottesdienste im Marienmonat Mai traditionell in der Frauenkirche gefeiert werden, bot sich ein würdiger Rahmen für die erste öffentliche Vorstellung. Stadtpfarrer Lesch präsentierte die Reliquie der Gemeinde in den Gottesdiensten am Samstag und Sonntag. Zugleich wurden die heiligen Messen am privilegierten Ottilienaltar gefeiert.

In seiner Predigt ging Lesch auf das Leben der heiligen Ottilia ein. Der Überlieferung nach wurde sie blind geboren und erhielt bei ihrer Taufe das Augenlicht. Darüber hinaus könne sie auch heute Vorbild sein: mit dem Herzen zu „sehen“, auf Gottes Weisungen zu hören und ein Gespür für das Gute und Richtige im Leben zu entwickeln.

Am Ende aller drei Gottesdienste erhielten die Gläubigen den Einzelsegen mit der Reliquie, die künftig in der Frauenkirche verwahrt wird.

Genau 25 Jahre zuvor war es Marcus Hohmann bereits gelungen, ein Kreuzreliquiar für die Frauenkirche zu erwerben. Das bischöfliche Siegel zeigt in einem Feld das Wappen der Familie Braschi, der auch Papst Pius VI. entstammte. Während die Kreuzreliquie aus Mitteln der Rosenkranzbruderschaft erworben werden konnte, ist das Ottilienreliquiar ein Geschenk der Familie Hohmann.