An jedem Dienstag in der österlichen Bußzeit fand vor dem Unterricht eine morgendliche Frühmeditation statt. In diesem Jahr folgten wir dem Meditationsbild des Nikolaus von Flüe, das vom Bischöflichen Hilfswerk Misereor im Jahr 1998 mit dem Thema „Barmherzigkeit und Gerechtigkeit“ veröffentlicht wurde. Auf dem Gemälde sind die „leiblichen Werke“ der Barmherzigkeit zu sehen. Im 25. Kapitel des Matthäusevangeliums identifiziert sich Jesus mit vielfältig leidenden Menschen. Jeder Einsatz, den andere für die in Not Geratenen leisten, ist eine Tat für Jesus selbst. So sagt er: „Was ihr für einen meiner geringsten Schwestern oder Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“
Wer Hungrige speist, Flüchtlingen hilft, Kranken beisteht oder auf andere Weise mithilft, Not und Leid in der Welt zu lindern, lebt so, wie es Jesus von uns erwartet. Das ist das „Fasten, das Gott gefällt“.
Auf freiwilliger Basis kamen bis zu 30 Schülerinnen und Schüler zusammen, um sich anhand der Bilder des Hungertuchs mit Glaubensthemen in Verbindung mit unserem eigenen Leben auseinander zu setzen. Mit einem einfachen Frühstück wurde jeder Morgenimpuls beendet, so dass alle rechtzeitig zum Unterrichtsbeginn wieder in den Klassen waren.
Wenn Steine ins Rollen kommen…
Mit einer Kreuzwegandacht wurde auch in diesem Jahr von Seiten der Schule die bevorstehende Heilige Woche eingeläutet. Alle Schülerinnen und Schüler der siebten und achten Jahrgangsstufen trafen sich im Pausenhof, um in einer kurzen Statio auf die Leidensgeschichte Jesu und seinen letzten Weg eingestimmt zu werden. Danach ging es wirklich auf einen „Weg“, der unter der Frage stand: „Was belastet mich?“ Mit großen Steinen wurden heutige „Belastungen“ dargestellt, von Kriegen bis hin zu den Herausforderung des Klimawandels. Aber auch persönliche „Lasten“ wurden angesprochen: Das Sterben eines geliebten Menschen, die Angst vor der Zukunft und andere Erfahrungen, die das eigene Leben erschweren können.
In der Rebdorfer Kirche wurde aus den „Steinen“ des Lebens, die auf dem Weg mitgetragen wurden, ein großes Kreuz gelegt. Schon zu Lebzeiten hat Jesus uns gesagt: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch Ruhe verschaffen.“ Er hat uns eingeladen, unsere „Belastungen“ zu ihm zu tragen. In seinem Sterben hat er das Schwere des Lebens selbst erlitten und dadurch geheilt. Bei seiner Auferweckung durch Gott wurde der „Stein vor dem Grab“ weggewälzt und der Weg zum Leben freigegeben. „Steine“ gehören dazu, sie können und werden sicher so manches „Grab des Lebens“ zusperren. Der österliche Glaube aber wagt darauf zu hoffen, dass alle „Steine“ verrückt werden und letztlich das Leben stärker ist als alles, was uns belastet.
Andreas Völker, Schulseelsorger