Gewalt im Namen Gottes: Wie Fundamentalisten Religion instrumentalisieren

Am 11. September jähren sich zum 25. Mal die islamistischen Anschläge in den USA, die rund 3.000 Menschen töteten. Seitdem ist religiöser Fundamentalismus ein wiederkehrendes Schlagwort in Medien und Politik. Der Eichstätter Theologe Christoph Böttigheimer und der Religionssoziologe Detlef Pollack erklären das Phänomen und wie damit umzugehen ist.
„Ground Zero“: Das Gelände des zerstörten World Trade Centers in New York war im August 2002 noch abgesperrt.

Wo waren Sie am 11. September 2001? Diese Frage können die meisten Menschen, die an diesem Tag die Bilder der brennenden Zwillingstürme des World Trade Centers in New York in den Medien gesehen haben, ohne längeres Zögern beantworten. Die Terroranschläge vor einem Vierteljahrhundert haben sich in ihr Gedächtnis eingebrannt, verbunden mit Begriffen wie „al-Qaida“, „Islamischer Staat“ (IS) oder, allgemein, „religiöser Fundamentalismus“. Nach Trauer und Bestürzung in der westlichen Welt folgte der von den USA ausgerufene „Krieg gegen den Terror“ und die „Achse des Bösen“, der nach Beendigung der massiven Militäreinsätze als Kampf gegen den internationalen Terrorismus bis heute andauert. Die fortbestehende Bedrohung hat den Alltag der Menschen nachhaltig verändert: Verschärfte Sicherheitskontrollen an Flughäfen und bei Großveranstaltungen gehören seither ebenso zum Standard wie eine deutlich ausgeweitete digitale Überwachung.

Immer wieder berichten die Medien von Terrorakten, die im Namen Gottes verübt werden und die Einzelne, manchmal auch Dutzende oder Hunderte von Menschen in den Tod reißen. Die Täter werden dann als Islamisten, Dschihadisten oder religiöse Extremisten bezeichnet. „Alle diese Begriffe unterstellen, dass die Angst und Schrecken auslösende Gewalt irgendwie mit religiösen Identitäten und Überzeugungen zusammenhängt. Gewiss wollen die meisten Attentäter Menschen verunsichern und Gesellschaften destabilisieren. Was aber hat ihr Terror mit Religion zu tun?“, fragt der Religionssoziologe Detlef Pollack in seinem neuen Buch „Religiöser Fundamentalismus – Geschichte, Erscheinungsformen, Hintergründe“.

Was eint Fundamentalisten?

Pollack sucht zunächst nach einer allgemein gültigen Definition von religiösem Fundamentalismus. Mit dem Begriff versuchten Medien, Wissenschaft und Politik, „etwas Unmenschliches, etwas Lebenszerstörendes, etwas scheinbar Irrationales verständlich zu machen. Es sei eine radikalisierte Religion, ein religiöser Fanatismus, der Menschen zu ihren Untaten treibe.“ Doch in den Geistes- und Sozialwissenschaften ist der Begriff umstritten, da bei Akten des Terrors nicht nur religiöse, sondern auch ökonomische, politische und soziale Faktoren eine Rolle spielen. Religiös fundamentalistische Haltungen führten nicht zwangsläufig zu Gewalt, wird laut Pollack eingewendet: „Es handele sich um einen polemischen Kampfbegriff, der religiöse Motive abwerte, tief verinnerlichte religiöse Überzeugungen vorschnell mit Gewaltbereitschaft in Verbindung bringe und das Selbstverständnis der Frommen verletze.“

Trotzdem hält die Wissenschaft – laut Pollack zu Recht – am Begriff fest. Er helfe, typische Einstellungen, Handlungsmuster und Strukturen von fundamentalistischen religiösen Gruppierungen und deren Veränderungen zu analysieren und zu vergleichen. So arbeitet Pollack charakteristische Merkmale des religiösen Fundamentalismus heraus: das Bestehen auf einer exklusiv gültigen und unhinterfragbaren religiösen Wahrheit, die Abgrenzung und Ausgrenzung von anderen religiösen Überzeugungen, der kämpferische Angriff auf die Moderne und das, was man für sie hält. Weitere Kennzeichen sind ein Bewusstsein der Überlegenheit gegenüber allen anderen weltanschaulichen Positionen, eine dualistische Argumentations- und Urteilskultur (Schwarz-Weiß-Denken), die Abwertung der Gegenwart als Zeit moralischen Verfalls bei gleichzeitiger Hochschätzung einer idealisierten Vergangenheit.

Wenn man religiösen Fundamentalismus so definiert, dann lässt er sich laut Pollack sowohl von Orthodoxie als auch von Traditionalismus abgrenzen. Der Fundamentaltheologe Christoph Böttigheimer von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt betont den Unterschied zwischen christlichen oder jüdischen Fundamentalisten und konservativen oder orthodoxen religiösen Gruppen: „Während diese gegenüber den gegenwärtigen Entwicklungen eine zwar kritische, aber doch eher moderate Haltung einnehmen und die Tradition ihrer unmittelbaren Vorfahren fortsetzen wollen, treten Fundamentalisten radikal und kompromisslos für ihre Grundsätze ein, über die sie keine Diskussion zulassen.“

Christlicher Fundamentalismus

Religiöser Fundamentalismus macht sich im Christentum und Judentum ebenso wie im Islam seit den 1970er-Jahren als eine Art „Gegenbewegung zur Moderne“ bemerkbar. Deren Hintergründe erklären Pollack und Böttigheimer ausführlich in ihren Veröffentlichungen. Der Begriff „Fundamentalismus“ wurde demnach Anfang des vergangenen Jahrhunderts im christlichen Kontext in den USA geprägt. Er bezieht sich auf die 1910–1915 erschienene Schriftenreihe „The Fundamentals“ von Gegnern „modernistischer“ Tendenzen im US-amerikanischen Protestantismus. „Fundamentals“ bedeuten für sie die „Grundwahrheiten“, auf die Christen aufzubauen haben: die Gottessohnschaft Jesu, sein Tod als Opfer zur Vergebung der Sünden der Menschheit und seine leibliche Auferstehung, die Jungfrauengeburt sowie göttlicher Ursprung und Irrtumslosigkeit der Bibel. Sie verteidigen die biblische Schöpfungserzählung gegen das wissenschaftliche Weltbild, lehnen die Evolutionstheorie, den Feminismus und den Pluralismus sowie die historisch-kritische Bibelauslegung ab.

Unabhängig von der US-amerikanischen „Fundamentalismusbewegung“ gab es laut Böttigheimer auch in Europa seit dem 19. Jahrhundert christliche Kreise, die für die Irrtumslosigkeit der Bibel eintraten, wie etwa der 1894 von lutherischen Theologen gegründete „Bibelbund“. Bis heute wirken entsprechend ausgerichtete theologische Ausbildungsstätten wie die Freie Theologische Akademie in Gießen. Als Beispiele für fundamentalistische Strömungen in der römisch-katholischen Kirche nennt Böttigheimer die „Priesterbruderschaft St. Pius X.“, die „Gemeinschaft der Diener Jesu und Mariens“ (SJM) sowie die „Katholische Pfadfinderschaft Europas“ (KPE) und das „Engelwerk“, die mit der SJM eng vernetzt sein sollen. „Ob es sich hier um traditionell-konservative beziehungsweise rechtskatholische oder um fundamentalistische Gruppierungen handelt, darüber kann gestritten werden. Aufgrund ihrer ideologischen Ausrichtung, Abschottung und dualistischen Denkweise würde ich sie jedoch dem katholischen Fundamentalismus zuordnen“, erklärt Böttigheimer auf Nachfrage (dieser Meinung haben KPE und SJM widersprochen - siehe unten). Dazu gehören laut Medienberichten auch einzelne „Christfluencerinnen“ und „Christfluencer“, die sich mit Gleichgesinnten in den USA vernetzen und eine Nähe zum Rechtsextremismus pflegen.

Böttigheimer hatte sich bereits 2006 mit dem Thema befasst und festgestellt: „Während der europäische Fundamentalismus in den vergangenen Jahrzehnten weitgehend darauf verzichtete, die religiös begründeten Überzeugungen auch politisch durchzusetzen, hat die Strömung in den letzten Jahren zumindest in den USA politische Dimensionen angenommen.“ So würde seit der Bush-Ära eine imperiale Machtpolitik mit religiösen Vokabeln des christlichen Fundamentalismus untermauert. Detlef Pollack spricht hier von einem „Neofundamentalismus“, der sich seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den USA in dreierlei Gewand zeigt: im „Kreationismus“ (Gott habe die Welt vor 6.000 Jahren erschaffen), im „Wohlstandsevangelium“ (Gott belohne Treue mit Reichtum, Gesundheit und Zufriedenheit) und im „Dominionismus“, der Lehre von der erforderlichen politischen Herrschaft des Christentums über die Erde. Anstelle der „Grundwahrheiten“ stünden heute eher Prinzipien wie die Ablehnung von Homosexualität und Abtreibung im Vordergrund. Anders als der islamische Fundamentalismus ist der „Neofundamentalismus“ in den USA laut Pollack jedoch weniger gewaltbereit.

Im „Kampf für ein christliches Amerika“ schätzt Pollack den Einfluss der Evangelikalen und Neokonservativen als begrenzt ein. Der Anteil der Mitglieder evangelikaler Kirchen sei von fast 30 Prozent der Bevölkerung Anfang der 1990er-Jahre auf das Niveau von Anfang der 1970er (20 Prozent) zurückgefallen. Ihre Hoffnung setzten sie auf den US-Präsidenten: „Trump und die konservativen Christen treffen sich in ihrem Nationalismus, in der Behauptung des politischen, ökonomischen und moralischen Verfalls Amerikas, in der Verklärung einer idealisierten Vergangenheit, die meist in den 1950er-Jahren verortet wird, und in der Erwartung des baldigen Anbruchs eines goldenen Zeitalters.“ Die Verwischung von Religion und Politik führe allerdings dazu, dass sich viele Menschen immer weniger mit Religion identifizieren.

Orthodoxie, Judentum und Hinduismus

Eine enge Verflechtung von Religion und Politik zeigt sich in Russland. Dort steht der Patriarch der Russisch-orthodoxen Kirche fest an der Seite Wladimir Putins. „Mit Hilfe einer religiös-fundamentalistischen Rhetorik rechtfertigt er den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine“, schreibt Pollack. Für das Kirchenoberhaupt stehen sich in diesem Krieg nicht nur zwei Armeen feindlich gegenüber, sondern die Mächte des Lichts und der Finsternis, des Guten und des Bösen. Es gehe darum, sich auf der Seite Gottes, des Lichts Christi, des Evangeliums zu positionieren. Die Russisch-orthodoxe Kirche unterstützt laut Pollack die imperiale Strategie Putins zur Wiederherstellung der einstigen Größe Russlands.

In Israel gibt es für Pollack heute zwei bedeutende religiöse Lager, die als fundamentalistisch bezeichnet werden können: die sogenannte Ultraorthodoxie und das national-religiöse Judentum. Beide grenzen sich vom liberalen säkularen Judentum ab, wobei das national-religiöse Judentum eine größere Offenheit zeigt. Die Gefahr einer Radikalisierung im Judentum geht laut Christoph Böttigheimer nicht von der Tora aus, sondern vom jüdischen Religionsgesetz (Halacha), das religiöse Rituale sowie das gesamte tägliche, rechtliche und ethische Leben eines gläubigen Juden regelt. „Je nach Einstellung zum Gesetz zählt man im Judentum zur Orthodoxie oder zum Reformjudentum oder auch zum konservativen Judentum“, erklärt Böttigheimer. Alle Orthodoxen teilten die Grundüberzeugung, „dass der säkulare Staat ein Übel ist, das es zu überwinden gilt – überhaupt kämpfen sie gegen die Moderne und gegen säkulare Juden an“. Dennoch sind sie auf den säkularen Staat angewiesen, der ihnen religiös begründete Sonderrechte einräumt und etwa ihre Bildungseinrichtungen mitfinanziert.

Stark religiös aufgeladen ist auch der Hindu-Nationalismus in Indien, wie Pollack in seinem Buch darlegt. Er steht im direkten Gegensatz zum säkular-pluralistischen Staatsverständnis von Mahatma Gandhi (1869-1948). Der Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung vertrat ein Staatsmodell, das das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Religionsgemeinschaften garantieren soll. Die heute dominierende nationalistische Hindu-Bewegung, aus der auch der aktuelle Premierminister Narendra Modi stammt, akzeptiert laut Pollack weder die Gleichberechtigung aller Staatsbürger, noch sucht sie den Ausgleich zwischen den Angehörigen verschiedener Religionsgemeinschaften, noch schützt sie religiöse Minderheiten. Die Folgen bekommen die etwa 172 Millionen Muslime (14,2 Prozent der Gesamtbevölkerung) sowie rund 28 bis 30 Millionen Christinnen und Christen (2,3 Prozent) immer wieder zu spüren – sie zählen für diese Bewegung nicht zu den Landeskindern.

Islamischer Fundamentalismus

Viel Platz räumt Pollack in seinem Buch dem islamischen Fundamentalismus (Islamismus) ein. Drei Ereignisse hätten seine Entwicklung zu einem internationalen Phänomen seit Ende der 1970er-Jahre begünstigt: die Islamische Revolution im Iran, die Besetzung der Großen Moschee in Mekka durch wahhabitische Fanatiker (und ihre Niederschlagung) und der Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan. Die Wurzeln des Islamismus reichen jedoch bis ins 18. Jahrhundert zurück. Entscheidend für seinen Aufstieg waren laut Pollack und Böttigheimer der wachsende Einfluss der europäischen Mächte im Laufe des 19. Jahrhunderts und das Ende des Osmanischen Reiches zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Niedergang des muslimischen Weltreiches und schließlich die Kolonisierung durch Mächte des „ungläubigen“ Europas und der USA kamen laut Böttigheimer in der islamischen Welt einer „Kränkung des Glaubens“ gleich. Der Globalisierungsprozess habe die Lage noch verschärft. 

Die militanten islamischen Gruppen haben die Gegenoffensive aufgenommen. […] Sie wollen also eine weltweite Herrschaft des Islam etablieren, ohne einen Pluralismus zu akzeptieren“, so Böttigheimer.

Als „Mutter der islamistischen Gruppierungen“ nennt Pollack die Muslimbruderschaft in Ägypten. Zu den Motiven ihrer Gründung 1928 zählten neben dem Bemühen um eine Reform des Islams zur Wiederherstellung seiner einstigen Macht und Größe auch die Absicht, sich der Unterdrückung der Muslime durch Kolonialismus und Fremdherrschaft zu widersetzen. Die Muslimbruderschaft spielte eine wechselhafte Rolle – mal als Gegner, mal als Partner der jeweiligen Regierung. Durch diese Anpassungsprozesse und internen Konflikte spalteten sich radikale und moderate Teile von ihr ab. Trotzdem war sie nicht nur in Ägypten erfolgreich, sondern auch in Ländern wie Syrien, Jordanien, Tunesien und Libanon, wo sich teilweise selbständige Organisationen bildeten. Auch die Hamas in Gaza gehört dazu. Die Ideen des radikalen Muslimbruders Sayyid Qutb fanden unter Jugendlichen im Nahen Osten weite Verbreitung und beeinflussten viele militante islamistische Gruppierungen, von Dschihad-Gruppen in Ägypten bis hin zur Ideologie von al-Qaida.

In den 1990er- und 2000er-Jahren nimmt laut Pollack der „globale Dschihad“ Gestalt an. Selbstmordattentate werden als Martyrium in diesem Kampf des Islam gegen den Westen religiös legitimiert. „Al-Qaida gehört zu den wichtigsten Vertretern der Konzeption vom globalen Dschihad“, so Pollack. Das beschworene Leid der Muslime in der ganzen Welt habe Osama bin Laden, Chef des al-Qaida-Netzwerkes, die Legitimation verschafft, um den gewaltsamen Dschihad als eine Form der Selbstverteidigung darzustellen. Mit dieser Argumentation rechtfertigte er die Terrorakte vom 11. September 2001. Die einst stark zentralisierten Organisationsstrukturen von al-Qaida sind inzwischen weitgehend zerschlagen, heute ist es laut Pollack ein „lose geknüpftes organisatorisches Netzwerk“. Für viele Anschläge diene al-Qaida nur als ideologisches Dach. Das langfristige Ziel bestehe nach wie vor in der Errichtung eines Kalifats, also einer islamischen Regierungsform, bei der ein Nachfolger des Propheten Mohammed als politischer und religiöser Herrscher (der Kalif) die gesamte Gemeinschaft der Muslime anführt.

Wie damit umgehen?

Der Islamismus ist nicht auf den islamischen Raum beschränkt. Von den neunzehn Attentätern vom 11. September kam der harte Kern aus Hamburg. Außerdem haben Islamisten danach Terrorattacken in verschiedenen Städten Europas wie London, Paris, Brüssel, Madrid und Berlin verübt. Wenn heute von Fundamentalismus in Europa die Rede ist, dann geht laut Sicherheitsbehörden die größte Gefahr vom Islamismus – konkret vom Dschihadismus – aus. In Deutschland rechnet das Bundesamt für Verfassungsschutz für das vergangene Jahr 28.645 Personen der islamistischen/salafistischen Szene zu. Darunter sind 410 Gefährder, also Personen, denen die Polizei zutraut, in der Zukunft eine schwerwiegende, meist politisch motivierte Straftat (wie einen Terroranschlag) zu begehen. Auch zwei christliche Freikirchen in Baden-Württemberg werden vom Verfassungsschutz beobachtet.

Seit dem 11. September 2001 wird in westlichen Ländern über den Islam und über Zuwanderung aus dem islamischen Raum unter sicherheitspolitischen Gesichtspunkten diskutiert. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Integration verbessert, Radikalisierung vermieden und Gewalt verhindert werden kann, und wie Religionsgemeinschaften und Staat angemessen mit religiösem Fundamentalismus umgehen sollen. 

Statt ‚verteufeln‘ hilft eher eine sachliche, argumentative Aufklärungs- und Bildungsarbeit, die zu differenzieren versucht und deutlich macht, dass es auch in Glaubensdingen Entwicklungen und keine einfachen Antworten gibt“, rät Böttigheimer. 

Denn um seine Ziele zu erreichen, reißt der religiöse Fundamentalismus die Differenz zwischen Religion und Politik ein, die moderne Gesellschaften auszeichnet. Will man sein zerstörerisches Werk begrenzen, so Detlef Pollack, kommt es darauf an, diese Tendenz zu verstehen und ihr wirksam zu begegnen, Minderheitsrechte zu stärken und kulturelle sowie religiöse Vielfalt zu pflegen. Sein Buch sowie die Fachbeiträge von Böttigheimer geben wertvolle Impulse dazu.

Text: Geraldo Hoffmann

Buchtipp

Pollack, Detlef: Religiöser Fundamentalismus – Geschichte, Erscheinungsformen, Hintergründe. Verlag: C.H. Beck, 2026. Preis: 14 Euro. ISBN: 978-3-406-83936-8

Beiträge von Prof. Dr. Christoph Böttigheimer:
Religiöser Fundamentalismus: Herkunft und Ausbreitung fundamentalistischer Tendenzen in Judentum, Christentum und Islam
Religiöser Fundamentalismus als theologische Herausforderung
Fundamentalismus: Zerrbild von Religion und fundamentaltheologische Herausforderung

Aktualisierung vom 17.09.26

Stellungnahme von KPE und SJM 

Die KPE ist ein kirchlich anerkannter Jugendverband, der in zahlreichen deutschen Diözesen tätig ist; die SJM ist eine päpstlich errichtete Ordensgemeinschaft, die in Deutschland in verschiedenen Pfarreien wirkt, jeweils in enger Abstimmung mit der Diözesanleitung.

Wenn die Eichstätter Pressestelle die beiden Gemeinschaften in einem Artikel dem Fundamentalismus zuordnet, geschieht dies ohne erkennbaren Bezug zur tatsächlichen kirchlichen Arbeit und Entwicklung von KPE und SJM. Auf unsere Rückfrage nach der Grundlage dieser Zuordnung wurde auf eine persönliche Einschätzung von Prof. Böttigheimer verwiesen.

Uns ist bewusst, dass es in der jahrzehntelangen Geschichte von KPE und SJM auch Überhöhungen der eigenen Positionen und Einseitigkeiten gegeben hat. Wir blicken darauf heute selbstkritisch und reflektiert zurück. Der Eichstätter Artikel blendet jedoch die Entwicklung der vergangenen mindestens 20 Jahre vollständig aus.

Seit 2012 steht die KPE hinsichtlich ihrer Positionen in engem Austausch mit der Deutschen Bischofskonferenz. Dieser Prozess führte 2021 zur Anerkennung der KPE als kirchlicher Verein durch die DBK – unter Einbeziehung auch des Bistums Eichstätt. Die SJM wiederum ist seit Jahren in Deutschland und Österreich in die reguläre Pfarrseelsorge und arbeitet dabei mit den jeweiligen Diözesanleitungen zusammen.

Vor diesem Hintergrund ist die Zuordnung zum Fundamentalismus sachlich nicht nachvollziehbar und geht an der Realität der Gemeinschaften vorbei. Möglicherweise wirken heute römisch-katholische Positionen bereits als fundamentalistisch.

Wir wünschen uns, dass die öffentliche Darstellung kirchlicher Gemeinschaften ihren tatsächlichen Überzeugungen, ihrer kirchlichen Einbindung und ihrer gegenwärtigen Arbeit gerecht wird.

P. Markus Christoph SJM, Generaloberer der SJM
Thomas Rieger, verantwortlich in der KPE für Pressekontakte

Geraldo Hoffmann Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit