Führung im Wandel: Wie Transformation gelingen kann

Wie gelingt Veränderung in komplexen Organisationen wie großen Unternehmen oder Bistümern? Fragen wie diese behandelt das Programm des Mikrozertifikats „Leadership in Transformation“ der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Zwei Mitarbeitende der Diözese Eichstätt berichten, wie der Kurs ihr Verständnis von Führung verändert hat.
„Gerade Führungskräfte in Kirche und kirchlichen Organisationen sind heute gefordert, Wandel verantwortungsvoll zu gestalten und dabei ihren Werten treu zu bleiben“ (Dr. Rowena Roppelt, KU-STS).

Das Mikrozertifikat richtet sich an Führungskräfte, die ihre Kompetenzen im Umgang mit Mitarbeitenden und Teams vor dem Hintergrund komplexer sozialer, kultureller, ökologischer und wirtschaftlicher Herausforderungen vertiefen möchten. Die Teilnehmenden setzen sich mit zentralen Themen werteorientierter Führung auseinander: von Vision und Motivation über Teamprozesse bis hin zu ethischen Fragen der Digitalisierung. Theoretische Impulse, Selbstreflexion, kollegialer Austausch und praxisnahe Übungen begleiten sie dabei auf ihrem Weg zu einem verantwortungsvollen Führungsstil. 

„Führungskräfte stehen heute vor der Herausforderung, gleichzeitig Orientierung zu geben, Veränderungen zu gestalten und unterschiedliche Interessen zusammenzuführen. Unser Mikrozertifikat ‚Leadership in Transformation‘ verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit konkreten Werkzeugen für die Praxis“, sagt Professor Dr. Harald Pechlaner, Gründungsdekan der KU-School of Transformation and Sustainability (STS). „Gerade Führungskräfte in Kirche und kirchlichen Organisationen sind heute gefordert, Wandel verantwortungsvoll zu gestalten und dabei ihren Werten treu zu bleiben“, betont Dr. Rowena Roppelt von der STS. „Wer Kirche in Zeiten des Umbruchs aktiv mitgestalten möchte, findet hier wichtige Impulse und ein starkes Netzwerk von Menschen mit ähnlichen Herausforderungen“, so Roppelt.

Der Digitalisierungsbeauftragte der Diözese Eichstätt, Lukas Kornprobst, und Domvikar Michael Kleinert, Fachbereichsleiter Geistliches Leben, haben den Kurs bereits absolviert. Im Interview sprechen sie darüber, was das Programm für ihren Arbeitsbereich und den Wandel in kirchlichen Einrichtungen bedeutet.

Was hat Sie motiviert, den Kurs „Leadership in Transformation“ zu absolvieren?

Michael Kleinert: Gesellschaft und Kirche verändern sich. Das war schon immer so. Aber gegenwärtig kommt es mir besonders herausfordernd vor: Ressourcen müssen klug eingesetzt werden. Entscheidungen werden immer schneller getroffen, oder es wird versäumt zu entscheiden. Künstliche Intelligenz wird diese Prozesse weiter beschleunigen. Das wollte ich besser verstehen lernen, um in meinem Verantwortungsbereich reflektiert handeln zu können. Und um Menschen in diesen Veränderungen fundiert begleiten zu können.

Lukas Kornprobst: Mich hat vor allem die Frage beschäftigt, wie Veränderung in Organisationen wirklich gelingen kann – nicht nur strategisch, sondern auch kulturell und menschlich. Gerade im kirchlichen Umfeld stehen wir vor großen Transformationsprozessen: Digitalisierung, neue Formen der Zusammenarbeit und sich wandelnde Erwartungen an Führung. Ich wollte dafür nicht nur theoretisches Wissen aufbauen, sondern konkrete Werkzeuge kennenlernen, um Veränderung aktiv gestalten zu können. Die Weiterbildung hat mir dafür einen sehr guten Rahmen geboten, weil sie wissenschaftliche Perspektiven mit praxisnahen Ansätzen verbunden hat.

Was hat die Weiterbildung an der Universität konkret für Ihre Tätigkeit beim Bistum gebracht und welches Transformationsprojekt setzen Sie damit um?

Michael Kleinert: Im Zentrum meines Projekts steht die Frage: Wie können haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende gemeinsam lernen, Entscheidungen nicht nur rational-linear zu treffen, sondern aus einer tieferen, spirituell fundierten Haltung heraus? 

Häufig läuft es so: Es gibt ein Problem, zu dem möglichst schnell eine Lösung gefunden werden soll. Aber gerade bei komplexen pastoralen Fragen braucht es zunächst ein Innehalten, ein tiefes Hinhören. 

Dann besteht die Chance, dass sich noch einmal andere, überraschende Lösungen zeigen können. Dafür habe ich ein dreiphasiges Konzept entwickelt. Es verbindet Methoden aus der Organisationsentwicklung und der geistlichen Unterscheidung.

Was mir die Weiterbildung konkret gebracht hat: ein klareres Bewusstsein dafür, dass Führung im Kern Begleitung ist. Nicht das Steuern von Ergebnissen, sondern das Ermöglichen von Prozessen, in denen sich Menschen mit ihren Fähigkeiten und Überzeugungen einbringen können. 

Lukas Kornprobst: Die Weiterbildung hat meinen Blick auf Transformation deutlich erweitert. Mir wurde noch klarer, dass Digitalisierung allein keine Veränderung bewirkt – entscheidend ist die Kultur innerhalb der Organisation. In meiner Tätigkeit beim Bistum Eichstätt arbeite ich deshalb daran, den kulturellen Wandel aktiv mitzugestalten: weg von einzelnen Silos, hin zu einer stärker vernetzten und bereichsübergreifenden Organisation.

Ein konkretes Beispiel dafür ist das bereits etablierte Anforderungsmanagement im Bistum. Darüber werden neue Digitalisierungsvorhaben zentral aufgenommen, priorisiert und über ein interdisziplinäres Gremium gesteuert. So wird sichergestellt, dass relevante Bereiche wie IT, Datenschutz, Informationssicherheit, Organisationsentwicklung oder PMO frühzeitig eingebunden werden und Projekte ganzheitlich betrachtet werden. Dadurch entstehen klarere Prozesse, bessere Abstimmungen zwischen den Fachbereichen und eine deutlich stärkere Vernetzung innerhalb der Organisation. Gleichzeitig hilft dieser Ansatz dabei, Doppelstrukturen zu vermeiden und Veränderung nachhaltiger im Arbeitsalltag zu verankern. Besonders hilfreich aus der Weiterbildung sind für mich Methoden aus dem Change- und Transformationsmanagement, agile Denkweisen sowie der Fokus auf Kommunikation und Beteiligung. Viele Inhalte kann ich direkt in Workshops, Projektformaten oder in der Zusammenarbeit mit verschiedenen Bereichen anwenden.

Welche Kompetenzen braucht eine Führungskraft, damit Transformationsprozesse im Team gelingen?

Michael Kleinert: Ich würde drei Dinge nennen, die mir in der Weiterbildung besonders klar geworden sind: Erstens: die Fähigkeit, innezuhalten. Transformation braucht Tiefe, und Tiefe entsteht nicht unter Dauerdruck. Eine Führungskraft muss sich selbst verlangsamen können – und das auch für ihr Team ermöglichen. Dann werden Entscheidungen möglich, zu denen das ganze Team stehen kann. Zweitens: eine klare Werteorientierung. Wer Veränderungsprozesse führt, muss wissen, wofür. Gerade im kirchlichen Kontext tritt neben die Frage der Effizienz die Frage der Identität: Was trägt uns? Was ist unser spirituelles Fundament? Wo zeigen sich Spuren Gottes, seiner Führung? Diese Frage muss eine Führungskraft selbst durchgearbeitet haben – sonst kann sie sie anderen nicht nahebringen. Und Drittens: die Bereitschaft zur echten Beteiligung. 

Transformation gelingt nicht durch Anweisung von oben, sondern wenn Menschen das Gefühl haben: Meine Erfahrung zählt, meine Stimme wird gehört. 

Dafür braucht es Haltung – und konkrete Methoden, um Partizipation wirklich zu ermöglichen.

Lukas Kornprobst: Aus meiner Sicht braucht eine Führungskraft heute vor allem die Fähigkeit, Orientierung zu geben und gleichzeitig Beteiligung zu ermöglichen. Transformation funktioniert nicht über reine Anweisungen, sondern nur dann, wenn Menschen verstehen, warum Veränderung notwendig ist und welchen Beitrag sie selbst leisten können. Dafür sind insbesondere Kommunikationsfähigkeit, Offenheit für neue Perspektiven und ein hohes Maß an Empathie wichtig. Gleichzeitig braucht es Mut, Dinge auszuprobieren, Verantwortung zu teilen und auch mit Unsicherheit konstruktiv umzugehen. 

Eine moderne Führungskraft sollte weniger „Kontrolleur“ sein, sondern vielmehr Begleiter, Vernetzer und Ermöglicher von Veränderung.

Die Fragen stellte Geraldo Hoffmann

Infos zum Kurs

Die Anmeldung für den nächsten Kurs ist noch bis zum 1. September 2026 bei der KU möglich. Die acht Module des Mikrozertifikats (vier online und vier in Präsenz) finden von Oktober 2026 bis Februar 2027 statt. Die Teilnahmegebühr beträgt 950 Euro. Weitere Informationen gibt es unter „Leadership in Transformation – Mikrozertifikat“. Für Mitarbeitende der Diözese Eichstätt gilt das reguläre Verfahren für externe Fortbildungen.

Geraldo Hoffmann Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit